Der weiße Strich
Cadia hält stand · Zweiter Teil
Astra Militarum (331. Cadianisches Stoßtruppenregiment, Weißbleche) · Die Entpflichteten (Riss-Kult) · Munitorum
„Zwei Schritt. Schuss. Weiter.“
Feldwebel Runa Kalvek, Ausbildung der Weißblech-Kompanie, Nordhof von Fort Ederhaven
I. Der Strich
Die Feldwebel sagte nie, warum.
Das war das Erste, was Jonte Odrin über sie lernte, und er lernte es am ersten Morgen um fünf, als sie im Nordhof vor den Reihen stand, ohne Helm, mit der Hellgun über der Schulter, und drei Sätze sagte, und dann nichts mehr. Der Leutnant hatte immer erklärt. Der Leutnant hatte gesagt, warum man das Gewehr so hielt und nicht anders, warum man nach dem Schuss die Ladeanzeige ansah, warum man in der Reihe nicht sprach, und man hatte ihm zugehört, weil er nur einen Arm hatte und weil man merkte, dass er es selbst noch lernte, während er es erklärte.
Die Feldwebel erklärte nicht. Sie sagte: „Zwei Schritt. Schuss. Weiter." Dann ließ sie es machen. Dann sagte sie es noch einmal.
Zwei Schritte nach jedem Schuss, seitwärts, egal wohin, weil der, der zurückschoss, dorthin schoss, wo man gewesen war. Nachladen, wenn man nicht musste, weil man dann nicht nachladen musste, wenn man musste. Und nicht auf den sehen, der fiel. Auf den nächsten sehen. Das waren die drei Sätze, und sie sagte sie sieben Wochen lang, jeden Morgen, im Nordhof und im Moor und im Regen, bis Jonte sie im Schlaf hörte, in ihrer Stimme, die flach war wie das Moor und ebenso wenig Fragen zuließ.
Sie hieß Kalvek. Die Kasrkin sagten Runa, wenn sie glaubten, dass niemand hörte, und der mit dem Bart, Wessik, sagte es auch, wenn jemand hörte. Sie hatte das Halrik-Tor gehalten. Das wussten alle, und niemand fragte sie danach, außer Jonte, einmal, am fünften Abend, und sie hatte ihm das Tor beschrieben, wie es dastand, mit den Türmen und der Rampe und dem toten Winkel, und er hatte begriffen, dass das ihre Art war, etwas zu sagen, und seither fragte er nicht mehr.
Auf seinem Helm lief der Strich, von vorn nach hinten, weiß. Der Leutnant hatte gesagt, man trage ihn, bis man im Feuer gestanden habe, und dann kratze ihn jemand ab, und Jonte hatte in der Schola davon gehört, wie man von Dingen hört, die anderen passieren. Er sah ihn jeden Morgen an, wenn er den Helm aufsetzte. Er sah ihn an wie etwas, das noch nicht angefangen hatte.
Merle stand weiter auf der Liste. Er hatte die Liste gesehen, einmal, beim Adjutanten, weil er gefragt hatte und der Adjutant zu müde gewesen war, nein zu sagen. Gardistin Merle Odrin, Zweites Bataillon, Vierte Kompanie. Vermisst, Halrik-Tor. Dahinter nichts. Er hatte auf das Nichts gesehen und gedacht, dass es ein gutes Nichts war, weil dahinter alles hätte stehen können, und dann hatte er gedacht, dass er das nicht denken durfte, und dann hatte er es trotzdem gedacht.
„Odrin", sagte die Feldwebel am einundfünfzigsten Morgen. „Ohlsen. Tetens. Bruhn. Erster Zug. Sie fahren."
II. Der Auftrag
Eine sichere Aufgabe, hatte der Hauptmann gesagt.
Sechs Trojan-Zugmaschinen mit Anhängern, beladen mit Rationen und Ladepacks vom Hafen, mussten über das Moor zum Landefeld Süd, zwölf Kilometer, wo das Munitorum ein zweites Depot einrichtete, weil man seit der ersten Nacht nichts mehr an einem Ort lagerte. Die Straße war eine Straße, soweit es auf Ederhaven Straßen gab: ein Damm aus Torfsoden und Schotter, eine Spur breit, mit Ausweichen alle fünfhundert Meter. Der Erste Zug der Weißbleche fuhr mit, neunzig Kinder in zwei Chimera und auf den Anhängern, dazu die Feldwebel und zwei ihrer Kasrkin, Terhoven und die mit dem Zielfernrohr, Pahl. Und der Kommissar.
Der Kommissar fuhr mit, weil er es wollte. Er hatte es dem Hauptmann gesagt, in dem langsamen Ton, in dem er alles sagte, und der Hauptmann hatte das Kinn vorgeschoben und nichts erwidert, weil man einem Kommissar nichts erwiderte. Jetzt saß er im zweiten Chimera, gegenüber von Jonte, mit der Mütze auf den Knien, und sah durch die Sehschlitze in den Nebel, und schrieb ab und zu etwas in ein kleines Buch, das er in der Manteltasche trug, neben dem Zählwerk.
Der Nebel war seit dem Morgen da. Auf Ederhaven war er oft da, weiß und dicht, so dass die Zugmaschine vor einem zu einem Geräusch wurde und der Damm zu einem Gefühl unter den Ketten. Die Feldwebel hatte den Zug trotzdem fahren lassen. Sie hatte gesagt, der Nebel sei da oder nicht da, und die Rationen müssten ans Landefeld, und dann hatte sie Pahl auf das Dach der ersten Zugmaschine gesetzt, mit dem Zielfernrohr, in dem man im Nebel nichts sah, und Jonte hatte verstanden, dass es nicht um das Sehen ging.
„Odrin", sagte der Kommissar.
„Kommissar."
„Ihr Strich ist sehr weiß."
Jonte wusste nicht, was er antworten sollte, und antwortete nichts, und der Kommissar nickte, als sei das eine Antwort gewesen.
„Ich habe auf Armageddon Männer gesehen, die ihn nach dreißig Jahren noch gehabt hätten, wenn es dort so etwas gäbe", sagte der Kommissar. „Und Kinder, die ihn nach einem Tag nicht mehr hatten. Es ist kein Maß für etwas. Es ist Farbe." Er sah wieder durch den Schlitz. „Ihre Feldwebel weiß das. Sie kratzt ihn trotzdem ab, wenn es so weit ist, weil man ihn abkratzt. Ich habe sie gefragt, warum. Sie hat gesagt, weil man es macht. Das ist die vollständigste Antwort, die ich von ihr bekommen habe."
Vorn wurde die Zugmaschine langsamer. Man hörte es am Motor, und dann hörte man Pahls Stimme im Vox, ruhig, zwei Wörter: „Halt. Nebel."
Es war kein Befehl. Es war eine Beschreibung. Der Nebel vor der ersten Zugmaschine war anders als der Nebel dahinter, dichter, und er stand still, obwohl Wind ging, und auf dem Damm lag etwas, das aussah wie eine umgekippte Torfkarre, quer, und die Zugmaschine hätte sie beiseiteschieben können, und die Feldwebel sagte in das Vox: „Nicht schieben. Aussteigen. Erster Zug links vom Damm, zweite Gruppe rechts, in die Rinnen, Gewehre nach außen. Chimera bleiben."
Und dann, nach einer Sekunde, in derselben Stimme: „Zwei Schritt. Schuss. Weiter."
III. Der Nebel
Sie kamen aus den Rinnen.
Das Moor war voll davon, schwarze Wasserrinnen zwischen den Grassoden, knietief, hüfttief, und Jonte stand in einer, mit dem Gewehr nach außen, wie man es ihm gesagt hatte, und der Nebel vor ihm war weiß, und dann stand in dem Weißen jemand.
Kein Laut vorher. Kein Schrei, kein Ruf, kein Schuss. Eine Frau stand auf, dreißig Meter vor ihm, aus einer Rinne, in der sie gelegen hatte, in der Feldbluse eines Regiments, dunkel vor Nässe, mit einem weißen Tuch über den Augen, und ging auf ihn zu. Ging. Links von ihr stand ein zweiter auf, ein Mann, und rechts ein dritter, und dann waren es zu viele, um sie zu zählen, eine Linie von Gestalten, die aus dem Boden kamen und gingen, mit Gewehren, die sie nicht hoben, noch nicht, auf einen Damm zu, auf dem neunzig Kinder in den Rinnen lagen.
Jonte schoss.
Er wusste nicht, ob er zuerst geschossen hatte. Er wusste später nur, dass er geschossen hatte, und dass rechts und links von ihm auch geschossen wurde, dünn zuerst, dann dichter, das Geräusch von Lasergewehren im Nebel, das keinen Widerhall hatte, und dass die Frau, auf die er geschossen hatte, nicht gefallen war, weil er nicht getroffen hatte, und weitergegangen war.
Zwei Schritt.
Er machte sie. Seitwärts, in der Rinne, das Wasser schwer an den Beinen, und wo er gestanden hatte, spritzte Torf auf, weil jetzt zurückgeschossen wurde, schlecht, zu hoch, wie jemand schießt, der nicht sieht, wohin. Er schoss wieder. Die Frau ging. Er schoss wieder, und sie ging, und dann fiel sie, und er sah auf sie, wie sie fiel, ins Wasser, ohne einen Laut, und er sah hin, und die Stimme in seinem Kopf sagte: nicht auf den sehen, der fällt, und er sah auf den nächsten.
Der nächste war zu nah.
Es war ein Mann, und mit dem Mann stimmte etwas nicht. Jonte sah es und verstand es nicht: Die Arme waren zu lang. Nicht viel. Eine Handbreit, so dass die Hände unter den Ärmeln zu weit herauskamen, und die Finger waren zu viele, und der Mann hatte kein Tuch über den Augen, weil er keine Augen hatte, nur Haut, glatt, und er kam schnell, schneller als die anderen, der Einzige, der schnell war, und Jonte schoss ihm in die Brust, und er kam weiter.
Neben ihm stand Bruhn auf. Weißblech Bruhn, vierzehn, aus Kasr Sonnen, der im Nordhof immer als Letzter fertig war, stand aus der Rinne auf und drehte sich um und lief. Den Damm hinauf, zwischen den Zugmaschinen durch, auf die andere Seite, weg. Jonte sah es aus dem Augenwinkel und sah dann wieder auf den Mann ohne Augen, der jetzt zehn Meter entfernt war und die langen Arme hob, und dann war der Mann nicht mehr da, weil von der Zugmaschine her ein einzelner Schuss kam, ein anderer Ton, tiefer, und der Mann keinen Kopf mehr hatte.
Pahl, dachte Jonte. Das Zielfernrohr, in dem man im Nebel nichts sah.
„Weiter", sagte die Stimme der Feldwebel im Vox, und er merkte, dass sie es die ganze Zeit gesagt hatte, alle zehn Sekunden, wie ein Metronom, weiter, weiter, und dass er sich danach bewegt hatte, ohne es zu wissen.
Er lud nach, weil er nicht musste.
Die Linie im Nebel wurde dünner. Nicht, weil sie zurückging. Sie ging nicht zurück. Sie fiel, Gestalt um Gestalt, in die Rinnen, aus denen sie gekommen war, weil neunzig Kinder aus dreißig Metern auf Leute schossen, die nicht in Deckung gingen, und das Schlimmste, dachte Jonte, das Schlimmste war, dass es nicht schwer war. Man traf. Man traf, weil sie standen. Er hatte in der Schola gelernt, dass Gefechte laut sind und unübersichtlich und dass man nichts trifft, und das hier war leise, und man traf, und er wusste nicht, was das war.
Auf dem Damm brannte die dritte Zugmaschine. Jemand hatte sie doch getroffen. Die Kinder auf ihrem Anhänger waren heruntergesprungen, die meisten, und lagen jetzt rechts in den Rinnen, und einer lag nicht in einer Rinne, sondern auf dem Damm, mit dem Gesicht nach unten, und rührte sich nicht, und Jonte kannte die Stiefel.
Tetens. Okke Tetens, aus der Schola Ost, der neben ihm geschlafen hatte, sieben Wochen lang, und der nachts redete.
Auf den nächsten sehen.
Er sah auf den nächsten.
IV. Die Binde
Sie hatte sich nicht gerührt, und darum hielt er sie für tot.
Es war die Frau, auf die er zuerst geschossen hatte. Sie lag in der Rinne, drei Meter vor ihm, halb im Wasser, mit dem Gesicht nach oben und dem Tuch über den Augen, und er ging zu ihr, weil die Feldwebel gesagt hatte, jeder sehe nach, was vor ihm liege, und weil er sehen wollte, was er getan hatte, obwohl er wusste, dass man das nicht wollte.
Sie atmete.
Er sah es am Tuch, das sich hob, und dann hob sie den Kopf, ein wenig, aus dem Wasser, in seine Richtung, wie die mit dem Tuch den Kopf hoben, wenn sie Schritte hörten, und ihre Hand suchte etwas im Wasser neben ihr, und Jonte wusste, dass es das Gewehr war, und hob seines.
„Kind von Halrik", sagte die Frau.
Sie sagte es nicht laut. Sie sagte es freundlich, wie man ein Kind anspricht, das man erkannt hat, und Jonte sah auf seine Schulter, auf das Torabzeichen, das sie nicht sehen konnte, und dann wieder auf sie, und verstand, dass sie es nicht gesehen hatte. Sie hatte es gehört. An der Art, wie er ging. Oder sie hatte es geraten, weil hier fast alle von Halrik waren, oder weil man mit dem Tuch andere Dinge hörte.
„Ich schulde nichts", sagte die Frau. „Du auch nicht. Du weißt es nur noch nicht."
Ihre Hand fand das Gewehr.
Er schoss. Aus zwei Metern, in die Brust, wie man es ihm gesagt hatte, Mitte des Körpers, und sie fiel zurück ins Wasser, und diesmal blieb sie liegen, und das Tuch verrutschte. Es war nass gewesen und schwer, und es rutschte von der Stirn über die Augen hinunter zur Nase, und die Augen darunter waren offen.
Violett.
Natürlich, dachte Jonte. Natürlich waren sie violett. Sie war Cadianerin. Jeder hier war Cadianer. Er hatte es gewusst, seit der ersten Nacht, seit dem Lager, seit dem Feldkuraten, der es gesagt hatte, und er hatte es gewusst, als er auf sie schoss, und er stand in der Rinne, mit dem Wasser an den Knien, und sah in Augen, die dieselbe Farbe hatten wie seine und wie Merles und wie die der Feldwebel und des Leutnants und des Alten in der Kühlkammer und aller, und er hatte auf sie geschossen, dreimal, und beim dritten Mal getroffen.
Er beugte sich hinunter und nahm das Tuch.
Er wusste nicht, warum. Er wusste es später nicht und wusste es nie. Er zog es ihr vom Gesicht, vorsichtig, als könne er ihr wehtun, und es war schwer vom Wasser und nicht mehr weiß, und er faltete es, wie man ein Tuch faltet, und steckte es in die Brusttasche, unter die Flakrüstung, wo man Dinge hintat, die niemanden etwas angingen.
Dann richtete er sich auf und sah auf den nächsten.
Es gab keinen nächsten. Der Nebel war leer.
V. Abgekratzt
Der Kommissar stand vor Bruhn, und Bruhn stand vor dem Kommissar, und zwischen ihnen war nichts als das, was man wusste.
Bruhn hatte den Damm überquert und war auf der anderen Seite in eine Rinne gesprungen und dort geblieben, bis es vorbei war, und dann war er zurückgekommen, von selbst, mit dem Gewehr, das er nicht abgefeuert hatte, und hatte sich in die Reihe gestellt, als sei nichts gewesen. Alle hatten es gesehen. Er wusste, dass alle es gesehen hatten. Er stand da, vierzehn, mit einem Gesicht, aus dem alles gewichen war, was ein Gesicht braucht, und der Kommissar stand vor ihm mit der Pistole im Halfter und der Hand nicht daran, und sah ihn an, lange.
Jonte kannte die Vorschrift. Jeder kannte sie. Man lernte sie in der Schola vor dem Gebet.
„Weißblech Bruhn", sagte der Kommissar. „Sie haben Ihre Stellung verlassen."
„Jawohl, Kommissar."
„Vor dem Feind."
„Jawohl."
Der Kommissar nickte, langsam, und seine Hand bewegte sich nicht, und Jonte sah, wie die Feldwebel herankam, von der brennenden Zugmaschine her, ohne Eile, wie sie überall hinging, und neben dem Kommissar stehen blieb, nicht vor ihm, und auf Bruhn sah, nicht auf den Kommissar.
„Kommissar", sagte sie.
„Feldwebel."
„Auf Cadia rennt niemand."
Der Kommissar sah sie an. Bruhn sah sie an.
„Er ist nicht auf Cadia", sagte die Feldwebel.
Es war still. Der Nebel begann sich zu heben, wie er es auf Ederhaven tat, von unten, so dass man zuerst die Rinnen sah und dann die Soden und dann, weit hinten, den Damm, der weiterging, und in dem Stillen sah der Kommissar die Feldwebel an, mit dem einen seiner beiden Gesichter, dem geduldigen, und dann sah er Bruhn an, und dann nahm er die Hand, die nicht am Halfter gewesen war, und legte sie auf Bruhns Schulter, kurz, wie man einen Karren anschiebt.
„Sie tragen die Toten", sagte er. „Beide. Allein, bis zum Chimera. Dann fahren Sie mit ihnen. Am Landefeld schreiben Sie für jeden den Vordruck, mit Namen und Nummer, und Sie schreiben ihn richtig, und dann sind Sie fertig damit, und ich auch."
„Jawohl, Kommissar."
„Gehen Sie."
Bruhn ging. Er ging zu Tetens, der auf dem Damm lag, und kniete sich hin, und hob ihn, und schaffte es nicht, und versuchte es noch einmal, und niemand half ihm, weil man ihm nicht half, und beim dritten Mal schaffte er es.
Die Feldwebel wartete nicht, bis er fertig war. Sie ging zu den Reihen, die sich gebildet hatten, weil sich Reihen bildeten, wenn man sieben Wochen lang jeden Morgen um fünf welche bildete, und sie zog das Messer, das sie am Gürtel trug, ein kurzes, und stellte sich vor den Ersten und nahm ihm den Helm ab und kratzte.
Es ging schnell. Die Farbe war Munitorum-Farbe, für Helme, sie ging in drei Zügen ab, und darunter war das Grün des Helms, und die Feldwebel gab den Helm zurück und ging zum Nächsten. Sie sagte nichts dabei. In der Schola hatte man erzählt, es gebe einen Satz, den die Feldwebel dabei sage, und Jonte hatte sich gefragt, welcher, und jetzt wusste er, dass es keinen gab, jedenfalls nicht bei ihr. Es gab das Messer und drei Züge und den nächsten.
Ohlsen war vor ihm dran. Fenna Ohlsen, dreizehn, aus Kasr Myrak, die im Nebel neben ihm gelegen hatte und geschossen hatte, wie man es ihr gesagt hatte, zwei Schritt, Schuss, weiter, und deren Gesicht jetzt sehr still war. Die Feldwebel nahm ihr den Helm ab und kratzte, drei Züge, und gab ihn zurück, und Ohlsen setzte ihn auf und sah geradeaus.
Dann Jonte.
Die Feldwebel nahm ihm den Helm ab. Sie sah ihn an, dabei, kurz, auf die Augen, und er wusste, dass sie in seiner Brusttasche das Tuch nicht sehen konnte und dass sie wusste, dass dort etwas war, weil sie solche Dinge wusste, und sie sagte nichts. Das Messer setzte an. Drei Züge. Weiße Farbe fiel auf den Torf, in kleinen Flocken, wie etwas, das nie viel gewogen hatte.
Sie gab ihm den Helm zurück und ging zum Nächsten.
Jonte setzte ihn auf. Er fühlte sich nicht anders an. Der Kommissar hatte gesagt, es sei Farbe, und es war Farbe, und er stand in der Reihe, sechzehn Jahre alt seit drei Wochen, ohne dass es jemand gesagt hatte, mit einem Helm, der grün war, und mit einem nassen Tuch unter der Rüstung, das einer Frau gehört hatte, deren Augen dieselbe Farbe gehabt hatten wie seine, und die gesagt hatte, er schulde nichts.
Vom Chimera her kam der Kommissar. Er blieb neben der Reihe stehen, ein Stück von den Kindern entfernt, wo er glaubte, dass ihn niemand hörte, und sah auf den Damm, auf dem Bruhn den zweiten Toten hob, und er sagte den Satz.
„Cadia hält stand?", sagte der Kommissar.
Es war eine Frage. Er stellte sie niemandem. Er stand da und stellte sie in den Nebel, der sich hob, und der Nebel gab keine Antwort, und die Feldwebel, die es gehört hatte, weil sie alles hörte, kratzte den nächsten Strich ab, drei Züge, und sagte nichts.
Jonte fasste an die Brusttasche. Das Tuch war noch da. Es war noch nass.
Merle, dachte er. Merle stand als vermisst, und vermisst hieß vermisst, und dahinter stand nichts, und er würde das Tuch behalten, bis dort etwas stand.
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