Der Rat der Toten

Legio Servanda (Adeptus Titanicus) · Die Eisenadern · Adeptus Mechanicus (Kel-Vantor) · Orks (Reste von Waaagh Zagdakka)

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„Der Princeps Maior ist verpflichtet, das Gefecht abzubrechen und die Maschine zurückzuführen, sobald die errechnete Verlustwahrscheinlichkeit die Erhaltungsschwelle überschreitet, es sei denn, das Kampfziel ist als Klasse I oder Klasse II eingestuft. Die Einstufung erfolgt nicht im Feld. — Standbefehl der Legio Servanda, Ziffer vier“

I. Einundvierzig

Wir sind einundvierzig, und fünf davon atmen.

Keine Redensart, keine Liturgie: der Bestand. Fünf lebende Besatzungsmitglieder in den Schalen des Kopfes, sechsunddreißig Abdrücke in den Speicherkernen darunter, und dazwischen der Maschinengeist, der sich nicht zählen lässt, weil er nicht eins ist, sondern das, worin die anderen liegen.

Es fühlt sich nicht an wie vierzig Stimmen. Es fühlt sich an wie ein sehr großer Raum, in dem lange nicht gesprochen wurde.

Wir erwachen im Bauch des Landungsschiffs, elf Minuten vor dem Aufsetzen, und das Erwachen geht in einer Reihenfolge, die seit achttausend Jahren dieselbe ist.

Zuerst das Herz. Zwei Plasmareaktoren, aus dem Ruhelauf hochgefahren, und der Ton, den sie dabei machen, ist der erste Ton, den ein Princeps in seinem Leben lernt und der letzte, den er verliert: ein tiefes, aufsteigendes Ziehen, unterhalb des Hörbaren, das man in den Zähnen hat, bevor man es in den Ohren hat.

Dann die Beine. Odile Brask, Steuerfrau, dreiundvierzig Jahre alt, sechzehn davon in dieser Schale, legt die Hände in die Führungen und sagt „Kupplung eins bis vier", und wir spüren, wie unsere Hüften sich setzen. Es ist ein Gefühl wie das Ausstrecken eines Beins, das eingeschlafen war, und es dauert zweiundzwanzig Sekunden, und es ist jedes Mal zu schön für das, was danach kommt.

Dann die Waffen. Bereth Kolm, Moderati Primus, siebenundfünfzig, drei Feldzüge, ein künstliches Auge. Er meldet die Belicosa-Volcano-Kanone am rechten Arm und den Sturmbolter-Turm über der Schulter, und er meldet sie in demselben Ton, in dem ein Mann seine Werkzeuge auf eine Bank legt.

Dann die Augen. Marek Ihm, Sensorii, der jünger klingt, als er ist, und der drei Tage lang nicht spricht, wenn eine Auswertung ihn beschäftigt.

Und dann Ansgar Teul, Moderati Secundus, neunzehn Jahre alt, sechs Wochen im Amt, der noch jedes Mal die Luft anhält, wenn die Verbindung greift.

Wir sagen ihm nichts. Er wird es sich abgewöhnen oder nicht.

Zuletzt der Princeps.

Princeps Maior Ilva Sarnhelm liegt im Amnion, seit einundneunzig Jahren, und was von ihrem Körper übrig ist, ist ungefähr so groß wie ein Kind. Das ist normal. Ein Princeps braucht keinen Körper; er braucht ein Nervensystem und einen Willen und Lungen, die man ihm auch abnehmen kann. Die Verbindung geht am Nacken hinein, sechs Anschlüsse, und wenn sie greift, schmeckt es nach Kupfer und Gewitterluft, und für ungefähr eine halbe Sekunde weiß man nicht mehr, welche Hand die eigene ist.

Dann ist es vorbei, und man hat keine Hände mehr, sondern eine Volcano-Kanone.

Wir heißen Pactum Ferreum. Warlord-Klasse, Baujahr unbekannt, älteste beglaubigte Aufzeichnung siebentausendneunhundert Jahre vor der Gegenwart, Legio Servanda, Schmiedewelt Ferrun.

Der Name bedeutet: der eiserne Vertrag.

Wir haben ihn nicht ausgesucht. Er stand schon auf uns, als die erste Frau, deren Abdruck wir tragen, in dieses Amnion stieg, und keine der einundvierzig hat ihn je in Frage gestellt, und das ist etwas, worüber man später nachdenken wird.

Die Rampe fällt.

II. Kel-Vantor

Kel-Vantor ist ein Mond, und wir sind ungefähr so groß wie ein kleiner Berg, und keine der beiden Aussagen macht die andere kleiner.

Von der Landezone aus sehen wir dreiundzwanzig Kilometer weit, weil hier nichts wächst, was die Sicht nähme. Der Mond ist eine Schmiede. Er ist es seit einer Zeit, für die es keine belastbaren Zahlen gibt. Was oben liegt, ist Mechanicus: Konverterhallen, Rauchtürme, Erzbahnen auf Stelzen, die Schmelzkathedrale als schwarzer Keil am nördlichen Horizont. Was unten liegt, ist älter.

Der Boden ist Schlacke und gesinterter Staub. Er trägt. Das ist das Erste, was ein Steuermann wissen will, und Brask hat es in den ersten neun Sekunden gewusst.

„Trägt", sagt sie. „Zwölf Meter Schlacke auf Fels. Bis auf die Schächte."

„Wie viele Schächte", fragt Kolm.

Ihm braucht vier Sekunden für die Antwort, und in diesen vier Sekunden hören wir ihn atmen.

„Nach Katasterunterlage der Kohorte: neun. Nach Bodenecho: einunddreißig."

Der Unterschied zwischen neun und einunddreißig ist die ganze Geschichte, aber das wissen wir an dieser Stelle noch nicht. Wir tragen es ein und gehen weiter.

Die Kohorte hat uns gerufen. Das ist der ordentliche Weg: Eine Schmiedewelt in Not richtet ein Ersuchen an den nächstliegenden Legio-Stützpunkt, das Ersuchen wird bewertet, ein Verband wird zugeteilt. Man hat uns vier Maschinen zugeteilt — uns, den Reaver Mordax Fidelis unter Princeps Deyn Ockar, und die beiden Warhounds Sagitta und Cursor, die Ockar führt, weil Warhound-Princeps jung sind und man sie nicht allein laufen lässt.

Vier Maschinen für einen Mond. Das ist nicht wenig. Es ist auch nicht viel. Es ist genau die Menge, die eine Zuteilungsstelle vergibt, wenn sie einen Fall nicht für aussichtslos hält und nicht für wichtig.

Der Feind sind Orks.

Genauer: das, was von Waaagh Zagdakka noch durch dieses System zieht. Die große Waaagh ist vor Jahren gebrochen; was blieb, sind Trupps unter einzelnen Nobs, die durch die Randsysteme streifen und sich Ruf zusammenrauben. Einer von ihnen hat vor sieben Wochen die Oberflächenwerke im Südwesten genommen und sich seither nicht mehr bewegt.

Das ist die erste Sache, die nicht stimmt, und Kolm sagt sie sofort.

„Sieben Wochen. Ein Nob, der Ruf will, sitzt keine sieben Wochen auf einer Konverterhalle. Der zieht weiter, oder er stirbt beim Weiterziehen."

„Vielleicht baut er", sagt Teul.

Es ist sein erster eigener Beitrag im Manifold, und er ist richtig, und niemand sagt es ihm.

Wir gehen an diesem ersten Tag vierzig Kilometer nach Südwesten, und wir tun es langsam, weil es keinen Grund gibt, schnell zu gehen, und weil ein Warlord, der über eine Schmiedewelt geht, eine Nachricht ist, bevor er eine Waffe ist. Unter uns laufen Skitarii-Maniplen aus, links und rechts, wie Wasser um einen Stein. Auf den Erzbahnen stehen Werker und sehen zu. Es sind Tausende. Sie stehen einfach da, in ihren Kitteln, mit ihren Atemtüchern, und heben die Hände nicht und rufen nicht, und wir gehen an ihnen vorbei.

Vareth Sonn, vierter Abdruck, Princeps Ultima, seit dreitausendneunhundert Jahren in uns, sagt in das allgemeine Schweigen hinein:

Sieh sie dir an. Sie glauben, du seist gekommen, um zu bleiben.

Und Sarnhelm antwortet, was ein Princeps antwortet: nichts.

III. Die Vorbehaltsklausel

Es ist nötig, an dieser Stelle etwas zu erklären, weil sonst alles Folgende wie Feigheit aussieht, und es ist keine Feigheit. Es ist Doktrin, und die Doktrin hat recht.

Ein Warlord ist nicht ersetzbar.

Das ist keine Poesie. Es ist eine Zahl. Die Legio Servanda führt siebzehn Maschinen der Warlord-Klasse. Sie hat in achtzehnhundert Jahren zwei gebaut und neun verloren. Auf Ferrun steht eine Halle, in der die Teile für die zehnte liegen, und sie liegen dort seit vierhundert Jahren, weil ein Gelenkstück fehlt, das niemand mehr herstellen kann.

Wenn wir hier sterben, ist die Zahl siebzehn für immer sechzehn.

Deshalb gibt es die Vorbehaltsklausel.

Ziffer vier des Standbefehls der Legio Servanda, im Wortlaut, weil der Wortlaut zählt: Der Princeps Maior ist verpflichtet, das Gefecht abzubrechen und die Maschine zurückzuführen, sobald die errechnete Verlustwahrscheinlichkeit die Erhaltungsschwelle überschreitet, es sei denn, das Kampfziel ist als Klasse I oder Klasse II eingestuft. Die Einstufung erfolgt nicht im Feld.

Die Erhaltungsschwelle liegt bei null Komma vier.

Das Kampfziel Kel-Vantor ist eingestuft als Klasse IV.

Klasse IV heißt: ein Verlust wäre bedauerlich, ein Wiedergewinn ist möglich, und die Herstellung eines Warlords dauert länger als die Wiedererrichtung eines Konverterwerks. Das ist wahr. Wir haben es nachgerechnet. Es stimmt in jeder Richtung, in die man rechnet.

Was in der Einstufung nicht vorkommt, sind die Werker auf den Erzbahnen, weil Menschen in dieser Rechnung keine eigene Zeile haben. Sie stehen unter Wiederbesetzbare Betriebsmittel, und dort stehen sie zu Recht, denn eine Schmiedewelt, die ihre Belegschaft verliert, bekommt in vierzig Jahren eine neue, und ein Gelenkstück, das niemand mehr herstellen kann, bekommt man nie.

Sonn sagt dazu nichts. Sonn sagt zu solchen Sachen nie etwas, und deshalb ist Sonn die schlimmste Stimme in uns.

Aber Hadmar Oel (neunzehnter Abdruck, tausendzweihundert Jahre) hat dazu immer etwas zu sagen, und er sagt es auch jetzt, ungefragt, wie üblich:

Ich habe die Klausel einmal gebrochen.

Wir wissen, sagen wir.

Ihr wisst es, aber ihr habt es nicht getan. Oels Stimme in uns ist trocken und ein wenig zu schnell, so wie Männer sprechen, die zu Lebzeiten selten unterbrochen wurden. Ich habe sie auf Selenne gebrochen. Ich hatte gute Gründe. Ich hatte bessere Gründe als irgendjemand hier je haben wird. Es sind drei Maschinen dabei geblieben und die Welt ist trotzdem gefallen, und die Legio hat danach elf Jahre lang keinen Verband ins Feld stellen können, und in diesen elf Jahren sind zwei weitere Welten gefallen, die wir hätten halten können. Zwei. Ich habe sie gezählt.

Und wenn du noch einmal auf Selenne stündest?

Ich würde abbrechen, sagt Oel. Sofort. Und ich wüsste die ganze Zeit, dass ich ein Feigling bin, und ich würde es trotzdem tun, weil ich inzwischen weiß, dass beides gleichzeitig wahr sein kann.

Das ist der Rat der Toten. So heißt er bei uns. Nicht offiziell — offiziell heißt er Abdruckchor und wird in der Ausbildung als Hilfsmittel geführt, wie ein Rechenschieber. Inoffiziell ist er einundvierzig Menschen in einem Raum, die alle schon einmal genau das erlebt haben, was du gerade zum ersten Mal erlebst, und die alle etwas anderes daraus gelernt haben.

Sarnhelm hört ihnen zu. Sie hat einundneunzig Jahre gebraucht, um zu lernen, wie man ihnen zuhört, ohne ihnen zu gehorchen.

Sie wird diese Fähigkeit in elf Tagen brauchen.

IV. Der erste Gang

Am dritten Tag treffen wir zum ersten Mal auf sie.

Es ist kein Gefecht. Es ist das, was geschieht, wenn eine Sache, die dreißig Meter hoch ist, um eine Halle biegt, hinter der zweihundert Orks stehen.

Wir haben es später mit vierzehn Sekunden gemessen.

In diesen vierzehn Sekunden geschieht Folgendes. Ihm meldet Wärmesignaturen. Kolm hebt den rechten Arm, was für uns bedeutet, dass sich ungefähr das Gewicht eines Panzers um ein Schultergelenk dreht, und man spürt es im Rücken. Brask setzt den linken Fuß seitlich, damit der Rückstoß nicht in die Hüfte geht. Und dann feuert die Belicosa.

Eine Volcano-Kanone macht kein Geräusch, das man hört. Sie macht einen Schlag, der durch das Amnion geht und die Flüssigkeit für den Bruchteil einer Sekunde hart werden lässt, und dann ist da vor uns kein Boden mehr, sondern eine Rinne aus Glas.

Von den zweihundert bleiben etwa vierzig, und die vierzig laufen nicht weg.

Das ist die zweite Sache, die nicht stimmt. Orks laufen nicht weg, das ist bekannt, aber Orks, die einen Warlord sehen, laufen auf ihn zu, weil das der größte denkbare Kampf ist und weil ein Ork, der einen Titanen anfasst, davon erzählen kann.

Diese hier laufen zurück. Geordnet. Nach Südwesten.

„Sie ziehen uns", sagt Ihm.

„Sie ziehen uns", bestätigt Kolm.

Wir gehen ihnen nach, weil es unser Auftrag ist, und wir gehen ihnen langsam nach, weil Sarnhelm es so will, und in den nächsten sechs Stunden töten wir vielleicht neunhundert Orks und verlieren nichts.

Es ist ein guter Tag. Man muss das aussprechen, sonst versteht niemand, warum Menschen das tun. Es gibt an Bord eines Warlords Momente, in denen fünf Menschen und sechsunddreißig Tote gleichzeitig glücklich sind, und dieser Nachmittag ist einer davon. Teul lacht einmal, kurz, und schämt sich sofort, und Brask sagt über den internen Kanal, ohne den Kopf zu wenden: „Lass es. Das ist erlaubt."

Am Abend stehen wir am Rand des Südwestfeldes, und unter uns liegen die Oberflächenwerke, die der Nob genommen hat.

Sie sind ausgeräumt.

Nicht zerstört, nicht geplündert im gewöhnlichen Sinn — ausgeräumt. Sechs Konverterhallen, vier Erzbahnköpfe, zwei Reparaturdocks für Schwerlastschlepper. Aus allen ist alles herausgenommen, was Antrieb, Panzerung oder Gerüst sein könnte, und es ist nach Westen geschafft worden, in einen Talkessel, den wir von hier aus nicht einsehen.

„Er baut", sagt Teul zum zweiten Mal.

Diesmal antwortet Sarnhelm ihm. Es sind die ersten Worte, die sie an ihn richtet, seit er an Bord ist.

„Was baut er, Moderati?"

Und Teul, neunzehn, sechs Wochen im Amt, sieht auf die Zahlen und sagt: „Etwas, das ungefähr so groß ist wie wir."

V. Die Rechnung geht nicht auf

Magos Serevin Achtal spricht am fünften Tag zu uns, über eine gerichtete Verbindung, ohne Bild.

Ein Magos, der ohne Bild spricht, hat entweder kein Gesicht mehr oder keine Lust, eines zu zeigen. Bei Achtal ist beides möglich.

Sein Ersuchen ist knapp und in ordentlichem Hochgotisch, und es lautet: Die Legio-Abteilung möge die Große Rampe halten.

Die Große Rampe ist eine Auffahrt. Sie ist vierhundert Meter breit, sie steigt über neun Kilometer aus dem Südwestfeld auf das Kathedralplateau, und sie ist so gebaut, dass Schwerlastschlepper mit Erz hinauffahren können, ohne die Ladung zu verlieren. Sie ist das größte einzelne Bauwerk, das wir auf diesem Mond gesehen haben.

Sie führt nirgendwohin.

Das ist der Punkt, und Kolm rechnet ihn in vier Minuten durch, und dann legt er ihn Sarnhelm vor, und wir sehen alle einundvierzig auf dieselben Zahlen.

Die Rampe ist keine Zufahrt zur Schmelzkathedrale; dafür gibt es drei kürzere Wege im Norden, die alle besser zu verteidigen sind. Sie ist keine Nachschublinie; über sie geht seit vierzig Jahren kein Verkehr, weil die Erzbahnen den Transport übernommen haben. Sie deckt keine Flanke. Wer sie nimmt, gewinnt neun Kilometer Beton und einen Blick.

Und sie zu halten ist teuer, weil man dort oben steht wie ein Mann auf einem Tisch.

„Magos", sagt Sarnhelm, „ich ersuche um die Begründung."

Es dauert elf Sekunden, was für einen Magos eine Ewigkeit ist.

„Die Kohorte ersucht", sagt Achtal. „Die Kohorte begründet nicht."

„Ich führe eine Maschine der Klasse Warlord auf ein Ziel der Klasse vier. Ich bin nach Ziffer vier meines Standbefehls gehalten, die Verlustwahrscheinlichkeit fortlaufend zu bewerten. Ich kann nicht bewerten, was ich nicht sehe."

„Das ist zutreffend", sagt Achtal.

Und dann sagt er nichts mehr, und die Verbindung bleibt zehn Sekunden lang offen, und wir hören in diesen zehn Sekunden das Rauschen einer Ausrüstung, die älter ist als unsere Legio, und dann trennt er.

Ihm sagt leise: „Er hat nicht abgelehnt. Er hat gesagt, dass es zutrifft."

„Ja", sagt Sarnhelm.

„Das ist etwas anderes."

„Ja", sagt Sarnhelm. „Das ist etwas ganz anderes."

Wir legen an diesem Abend zwei Dinge nebeneinander, und wir empfehlen jedem, der uns liest, dasselbe zu tun, weil es der Moment ist, an dem dieser Feldzug aufhört, ein Feldzug zu sein.

Erstens: Ihms Bodenecho hat einunddreißig Schächte gefunden, wo das Kataster der Kohorte neun führt.

Zweitens: Die Große Rampe steht genau über sieben von ihnen.

Sonn sagt in uns, ohne Betonung, so wie sie alles sagt:

Sie wollen nicht, dass wir die Rampe halten. Sie wollen, dass wir auf ihr stehen.

VI. Kael'dun

Die Eisenadern kommen am sechsten Tag.

Wir haben sie nicht angefordert. Niemand hat sie angefordert. Sie kommen, weil zwischen diesem Orden und dieser Kohorte ein Pakt besteht, der so alt ist wie der Orden selbst, und weil ein Pakt bei den Eisenadern offenbar bedeutet, dass man erscheint, ohne gerufen zu werden.

Der Ewige Amboss geht in den hohen Orbit. Was herunterkommt, sind zwei Kompanien, ein Ehrwürdiger und eine Frage.

Hauptmann Voss Ilarion stellt die Frage über Vox, während seine Landungsboote noch ausrollen, und sie lautet: „Legio Servanda, wo braucht ihr uns?"

Kolm sieht zu Sarnhelms Tank hinüber, was sinnlos ist, weil man dort nichts sieht, und was er trotzdem tut.

„Hauptmann", sagt Sarnhelm, „ich weiß nicht, was hier gespielt wird."

„Nein", sagt Ilarion. „Wir auch nicht. Wir sind trotzdem da."

Wir haben in einundvierzig Leben mit vielen Astartes-Orden gestanden. Die meisten sprechen mit einer Legio wie mit einem Werkzeug — höflich, weil man Werkzeuge pflegt. Die Eisenadern sprechen mit uns wie mit einer Nachbareinheit, und das ist, ohne dass wir es zugeben würden, angenehm.

Am Abend des sechsten Tages steigt ein Techmarine in unseren Kopf.

Das ist ungewöhnlich. Der Kopf eines Warlords ist eine Kanzel, und wer hineindarf, ist geregelt. Aber Bruder-Techmarine Kael'dun kommt mit dem Segen des Ordensmeisters und mit einem Werkzeugarm, den unser Enginseer Solm-4-Ket beim ersten Blick anerkennend beleuchtet, und er stellt sich hinter Kolms Schale und schweigt siebzehn Minuten lang.

Dann sagt er: „Ihr habt einen Riss im dritten Speicherkern."

Wir hatten den Riss seit vierzig Jahren. Auf Ferrun ist er dreimal geprüft und dreimal als unbedenklich eingestuft worden.

„Er ist unbedenklich", sagt Solm-4-Ket.

„Er ist unbedenklich, solange nichts hineingeht, was nicht hineingehört", sagt Kael'dun.

Und dann fragt Sarnhelm ihn, warum ein Techmarine der Eisenadern in ihrem Kopf steht, und Kael'dun antwortet nicht sofort, und wir merken es. Alle einundvierzig merken es gleichzeitig, weil ein Manifold für so etwas gebaut ist. Dieser Mann trägt seit Tagen eine Entscheidung mit sich herum.

„Princeps", sagt er schließlich. „Was hat der Magos Ihnen über den Sechsten Schacht gesagt?"

„Nichts."

Kael'dun nickt einmal, langsam, so wie ein Mann nickt, dessen letzte Hoffnung gerade gestorben ist und der das eingeplant hatte.

„Dann bin ich deshalb —"

Und da ruft der Hauptmann zur Lagebesprechung.

VII. Der Plan

Kael'dun kommt an diesem Abend nicht dazu, seinen Satz zu Ende zu bringen, weil um 20:00 zur Lagebesprechung gerufen wird und weil eine Lagebesprechung Vorrang hat vor einem Techmarine, der zögert.

Sie findet nicht in einem Zelt statt und nicht in einer Kanzel. Sie findet auf der Ladefläche eines Schlepperwracks im Nordfeld statt, weil das der einzige ebene Platz ist, auf dem gleichzeitig zwei Astartes, ein Skitarii-Alpha, ein Kohorten-Verbindungsadept und die Außenlautsprecher zweier Titanen unterzubringen sind.

Princeps Deyn Ockar spricht für den Mordax Fidelis und die beiden Warhounds. Hauptmann Voss Ilarion spricht für die Eisenadern, und neben ihm steht Sergeant Doran Vek und sagt in zwei Stunden vier Sätze, von denen drei zählen.

Wir legen die Lage aus, so wie sie ist.

Der Feind hält den Talkessel im Westen und die ausgeräumten Werke im Südwesten. Stärke nach Ihms Auswertung: um die vierzigtausend, dazu sechs Maschinen mittlerer Größe und ein Ding, das achtundzwanzig Meter misst und noch nicht fertig ist.

Unsere Kräfte: vier Titanen, zwei Kompanien Astartes, neun Skitarii-Maniplen, und eine Bevölkerung von etwa zwei Millionen Werkern, die auf den Rampen steht und zusieht.

Es gibt drei Möglichkeiten, und Ockar zählt sie auf, weil er der Ältere ist.

Erstens: In den Werken kämpfen. Der Vorteil liegt auf der Hand — Deckung, kurze Wege, und ein Ork, der zwischen Konverterhallen läuft, kann nicht in Masse angreifen. Der Nachteil liegt ebenfalls auf der Hand, und Brask spricht ihn aus, bevor Ockar ihn aussprechen kann: „Ein Warlord in einer Werkhalle ist kein Warlord. Er ist ein sehr großer Mann in einem sehr kleinen Zimmer." Zwischen den Hallen können wir nicht schwenken, nicht ausweichen und die Belicosa nur auf Ziele richten, die uns schon erreicht haben. In den Werken sind wir eine Zielscheibe mit Reaktor.

Zweitens: Auf dem Kathedralplateau abwarten. Die kürzeste Verteidigungslinie, drei zu deckende Zufahrten statt elf, und das Plateau lässt sich mit Skitarii halten, während die Titanen frei stehen. Ilarion ist dafür, und er begründet es sauber: Wer oben steht, zwingt den Angreifer, bergauf zu kommen, und Orks kommen bergauf.

Und dann bringt Sergeant Doran Vek seinen ersten von vier Sätzen an.

„Hauptmann. Wenn wir aufs Plateau gehen, geben wir ihm die Werke, und in den Werken steht alles, woraus er sein Ding baut."

Es wird still.

Denn das ist der Punkt, den alle gesehen und niemand ausgesprochen hat: Der Nob wird nicht schwächer, wenn man ihm Zeit gibt. Er wird größer. Jede Woche, die Zagdakka Zwo im Talkessel steht, ist eine Woche, in der ein Mek etwas anschraubt. Ein Feind, der baut, ist der einzige Feind, gegen den Abwarten teurer ist als Angreifen.

Drittens: Das Südwestfeld. Vier Kilometer offener, gesinterter Boden zwischen den Werken und dem Talkessel. Kein Schutz, keine Deckung, für Infanterie eine Zumutung. Für Titanen der beste Boden auf diesem Mond, weil er trägt und weil man ihn überblickt.

Wir nehmen das Südwestfeld.

Der Plan, den wir in den folgenden zwei Stunden bauen, ist alt. Er ist so alt, dass die Eisenadern und wir dieselben zwei Wörter dafür haben, obwohl niemand sie einander beigebracht hat.

Amboss und Hammer.

Der Amboss sind die Eisenadern. Zwei Kompanien, in den nördlichen Werkrand eingegraben, mit dem Auftrag, nicht zu gewinnen. Sie sollen halten und bluten und den Feind nach Süden drücken, in die offene Fläche hinein, wo er nicht hin will.

Der Hammer sind wir. Wir warten hinter der Werklinie, außer Sicht, bis die Masse im Feld steht — und dann kommen wir aus dem Schatten der Hallen und die Belicosa hat vier Kilometer freies Schussfeld.

Die Warhounds laufen weit außen und tun das, wofür Warhounds gebaut sind: Sie machen dem Feind Angst an der falschen Stelle. Der Mordax Fidelis bleibt an unserer linken Seite, weil ein Reaver einen Warlord dort deckt, wo der Warlord langsam ist.

Die Skitarii der Zwölften Kohorte bekommen die undankbarste Aufgabe. Sie sichern die Erzbahnköpfe im Rücken, gegen einen Feind, der dort vielleicht nie erscheint, und sie werden hinterher in keinem Bericht stehen.

Und die Werker gehen auf das Plateau. Zwei Millionen Menschen in achtzehn Stunden über drei Zufahrten. Ilarion setzt das durch, gegen den Verbindungsadepten der Kohorte, der einwendet, dass die Konverterlinien Neun bis Vierzehn dann für drei Tage stillstehen.

Ilarion hört sich das an. Dann sagt er, ohne die Stimme zu heben: „Adept, ich habe zweihundert Brüder mitgebracht, die in achtzehn Stunden in Löchern liegen und sterben werden, damit auf diesem Feld gekämpft wird und nicht in Ihren Hallen. Ich werde nicht mit Ihnen darüber verhandeln, ob es sich lohnt."

Der Adept hat den Befehl weitergegeben.

Das ist die Sache mit einem Plan: Er ist nie die beste Lösung. Er ist die Lösung, bei der man am genauesten weiß, was sie kostet.

Wir wussten es. Wir haben es aufgeschrieben, bevor es losging: Der Amboss wird sechzig bis achtzig Brüder verlieren. Die Skitarii vielleicht dreihundert. Und die Bewertung für uns lag, in der Fassung von 22:40 des sechsten Tages, bei null Komma zwei zwei.

Sie war zu niedrig. Wir hatten Zagdakka Zwo mit vierundzwanzig Metern angesetzt.

Sie war achtundzwanzig.

VIII. Zagdakka Zwo

Der Feind hat sich nicht an den Plan gehalten, und das ist der einzige Vorwurf, den man ihm machen kann.

Wir hatten mit dem neunten Tag gerechnet. Der Amboss lag seit vierzehn Stunden im nördlichen Werkrand und war zu einem Drittel eingegraben. Die Werker waren zu etwa der Hälfte oben.

Um 02:14 der siebten Nacht meldet Ihm eine Bewegung im westlichen Talkessel, und um 02:16 meldet er, dass die Bewegung achtundzwanzig Meter hoch ist.

Der Nob heißt Urgak. Wir erfahren das später aus abgefangenem Geplärr, in dem er sich selbst dreiundzwanzigmal so nennt, und wir erfahren auch, wie er sich lieber nennen würde: Zagdakka der Zweite. Ein Nob, der den Namen eines toten Warbosses trägt, hat sich noch nichts verdient und will alles.

Was er gebaut hat, taufen die Skitarii auf dem allgemeinen Kanal binnen einer Stunde Zagdakka Zwo, und der Name bleibt.

Es ist ein Stompa, und er besteht zu großen Teilen aus Kel-Vantor.

Wir erkennen das Rückgrat eines Schwerlastschleppers. Wir erkennen die Panzerplatten einer Konverterhalle. Wir erkennen einen Erzbahn-Antriebsblock, der als Hüfte dient, und einen zweiten, der als Schulter dient, und über allem einen Schädel aus Blech, in den jemand mit einem Schneidbrenner ein Gesicht geschnitten hat, das grinst.

Sie haben die Schmiede aufgegessen und daraus etwas gebaut, das die Schmiede angreift. Das ist die Art von Witz, für die Orks eine Begabung haben, und man muss ihn anerkennen, bevor man ihn tötet.

Dahinter kommen sechs kleinere Maschinen und ungefähr vierzigtausend Orks.

Bewertung, sagt Sonn.

„Läuft", sagt Kolm.

Die Zahl, die nach elf Sekunden steht, lautet: null Komma zwei sieben.

Wir treten aus dem Schatten der Konverterhallen in das Südwestfeld hinaus, und wir tun es zusammen mit Mordax Fidelis an unserer linken Seite und Sagitta und Cursor voraus, und dann geht es los.

Wir werden hier nicht schildern, wie eine Schlacht zwischen Titanen aussieht, weil wir es einundvierzigmal versucht haben und weil es einundvierzigmal falsch geworden ist. Wir schildern stattdessen, wie es sich anfühlt.

Es fühlt sich langsam an. Das ist das Erste. Von außen ist es das Schnellste, was Menschen bauen können; von innen dauert alles sehr lange, weil man die eigene Bewegung als Absicht erlebt und nicht als Ereignis. Man will den Arm heben, und dann hebt sich, ungefähr eine halbe Sekunde später, ein Arm.

Es fühlt sich nah an. Das ist das Zweite. Ein Null-Schild, der zusammenbricht, ist kein Aufblitzen am Rand des Sichtfelds; er ist ein Schlag in die Zähne. Wir verlieren den ersten in der neunzehnten Minute, den zweiten in der zweiundzwanzigsten, und beim zweiten schreit Teul, und niemand macht ihm einen Vorwurf, weil man beim ersten Mal schreit.

Und es fühlt sich persönlich an. Das ist das Dritte, und das ist das Schlimmste. Zagdakka Zwo hat einen Arm, an dem eine Kette hängt, und an der Kette hängt ein Amboss, und der Nob benutzt ihn wie ein Mensch, der schon einmal geschmiedet hat.

Er trifft uns in der siebenunddreißigsten Minute an der linken Hüfte, und unser Steuersystem legt die Schmerzrückmeldung als das ab, was sie ist, und Brask geht in ihrer Schale zusammen und arbeitet weiter.

Der Plan hält siebenunddreißig Minuten, und in diesen siebenunddreißig Minuten ist er schön.

Der Amboss hält. Ilarion hat seine zwei Kompanien in einer Linie von elf Löchern im nördlichen Werkrand liegen, und die Orkmasse rennt darauf zu, so wie Orks auf alles zurennen, was schießt, und läuft sich daran wund. Wir hören es über den allgemeinen Kanal, in kurzen, unaufgeregten Sätzen: Loch vier hält. Loch sieben braucht Munition. Loch neun ist tot, Loch acht dehnt sich, und dazwischen einmal Sergeant Doran Vek, der einen seiner vier Sätze anbringt: „Wir sind der Amboss, Brüder. Ein Amboss beklagt sich nicht."

Und die Masse weicht nach Süden aus, weil sie muss, und läuft ins offene Feld.

Um 02:51 gehen wir aus dem Schatten der dritten Konverterhalle.

Vier Kilometer freies Schussfeld. Es gibt in diesem Beruf ungefähr drei Augenblicke, für die man einundneunzig Jahre in einem Tank liegt, und einer davon ist der, in dem der erste Schuss der Belicosa in eine Masse geht, die keine Deckung hat und nicht mehr rechtzeitig zurückkann.

Die ersten sechs Minuten sind ein Massaker, und wir schreiben es so hin, weil es so war, und weil jeder, der behauptet, dabei nichts empfunden zu haben, lügt.

Dann kommt der Stompa.

Cursor geht ihm entgegen, weil das die Aufgabe eines Warhounds ist — nicht töten, sondern zwingen. Er läuft ihm dreimal vor die Beine und zwingt ihn, sich zu drehen, und jedes Mal, wenn der Stompa sich dreht, steht sein Kesselblock für anderthalb Sekunden zu uns. Kolm nutzt zwei davon.

Beim dritten Mal fasst der Stompa ihn.

Nicht mit der Kette — mit der linken Hand, wie ein Mensch, der nach einem Hund greift. Er hebt Cursor etwa vier Meter an, und dann kommt der Amboss von unten, und der Warhound bricht in der Mitte durch.

Danach ist der Stompa vierzig Sekunden lang stehengeblieben und hat gebrüllt, und das ist der Moment, in dem wir begriffen haben, dass er nicht schlechter gebaut ist als wir. Er ist nur anders gebaut. Er hat keinen Rat der Toten. Er hat einen Nob, der weiß, dass ihm dieser Kampf gehört.

Um 03:29 stehen wir uns auf achthundert Meter gegenüber, und Mordax Fidelis kommt von links.

Ockar macht es sauber. Er zwingt den Stompa zur Deckung nach links, damit der uns die rechte Flanke zeigt, und wir gehen mit dem Apokalypse-Raketenwerfer hinein, dreimal, und beim dritten Mal reißt die Panzerung über dem Erzbahn-Antriebsblock auf, der als Hüfte dient.

Es hätte funktioniert.

Was wir nicht wussten: Ein Erzbahn-Antriebsblock hat drei Lager, und ein Ding, das auf zwei davon noch läuft, wird nicht langsamer. Es wird unberechenbar.

Sagitta stirbt in der einundvierzigsten Minute. Ein Warhound ist schnell und dünn, und ihr Princeps war zweiundzwanzig, und sie geht nicht in einem Feuerball unter, sondern sie fällt einfach um, weil ihr das rechte Bein weggenommen wurde, und dann liegt sie da und feuert noch zwölf Sekunden weiter, bis der Reaktor durchgeht.

Ihren Abdruck hat man später geborgen. Er wird jetzt in einer anderen Maschine liegen und dort erzählen, was er gelernt hat.

Mordax Fidelis nimmt dem Stompa in der neunundvierzigsten Minute den Kettenarm ab, und dafür nimmt ihm der Stompa in der fünfzigsten den Kopf.

Princeps Deyn Ockar war einhundertvier Jahre alt. Wir kannten ihn seit sechzig davon. Er hat einmal, vor langer Zeit, auf einer Rampe eines Landungsschiffs zu Sarnhelm gesagt, sie solle sich merken, dass man in dem Beruf nur zwei Sorten von Freunden habe: die, die man überlebt, und die, die einen überleben.

Wir töten Zagdakka Zwo in der dreiundfünfzigsten Minute mit einem Schuss der Belicosa in den unteren Kesselblock.

Der Nob Urgak steigt aus. Wir sehen ihn. Auf dreihundert Meter, durch ein Sichtfeld, das für so etwas nicht gemacht ist — ein einzelner Ork, der aus einem brennenden Wrack klettert, das er selbst gebaut hat, und der stehen bleibt und heraufsieht.

Es ist das einzige Mal in diesem ganzen Feldzug, dass der Feind ein Gesicht hat.

Kolm erschießt ihn mit dem Sturmbolter. Es dauert nicht lange.

Die Zahl nach dem Gefecht lautet: null Komma drei acht.

Zwei Hundertstel unter der Erhaltungsschwelle.

IX. Ich

Ansgar Teul stirbt in der vierundfünfzigsten Minute, eine Minute nach dem Ende.

Das ist keine Ironie und kein Schicksal. Es ist Mechanik. Der untere Kesselblock eines Stompa, der aus einem Schwerlastschlepper gebaut wurde, enthält einen Druckspeicher, der auf einem Schwerlastschlepper nichts zu suchen hat, und als er zerlegt wird, wirft er ein Stück Wandung von etwa zweihundert Kilogramm dreihundert Meter weit.

Es trifft unseren Kopf an der linken Wange, oberhalb der Panzerung, im Bereich der Nebenkanzel.

Teul hat nichts falsch gemacht.

Was danach geschieht, ist der Grund, warum wir diesen Bericht überhaupt aufschreiben.

Ein Manifold ist eine Vorrichtung, die Bewusstsein hält. Das ist ihr Zweck. Wenn ein Princeps stirbt, wird er in einem Ritus abgenommen, der neun Stunden dauert und von drei Techpriestern geführt wird, und danach ist er ein Abdruck: begrenzt, geordnet, ansprechbar, in einen Kern gelegt, der dafür geweiht ist.

Wenn jemand im Manifold stirbt, ohne Ritus, ohne Vorbereitung, mit offener Verbindung, dann hält das Manifold ihn trotzdem.

Es hält aber nicht ihn. Es hält die letzten Sekunden.

Wir bekamen Ansgar Teul, neunzehn Jahre, sechs Wochen im Amt, in Form von vier Komma eins Sekunden, und die vier Komma eins Sekunden laufen seither in einer Schleife, und in ihnen sagt er ein einziges Wort.

Er sagt: Ich.

Nicht ich sterbe, nicht ich habe Angst, nicht Mutter. Nur die erste Silbe von etwas, das er nicht mehr zu Ende bekommen hat, und dann fängt es wieder an.

Wir haben in diesem Manifold sechsunddreißig Tote, die wir sagen. Es ist das Erste, was man lernt, wenn man in einen Abdruckkern gelegt wird: Der Einzelne hört auf, der Verband hört nicht auf. Sonn sagt seit dreitausendneunhundert Jahren wir. Oel sagt ich, aber Oel sagt es aus Eitelkeit, und man hört den Unterschied.

Das hier ist kein ich aus Eitelkeit.

Es ist ein Junge, der beim Sterben nach sich selbst gegriffen hat und nichts mehr gefunden hat, und das Gerät hat den Griff aufgezeichnet.

Solm-4-Ket brauchte vier Stunden für den Befund und sagte ihn in dem flachen Ton, den Enginseere für Katastrophen haben: Der Fragmentabdruck sitzt im dritten Speicherkern. Im Riss. Er ist nicht zu bergen, weil nichts da ist, was man bergen könnte, und er ist nicht zu löschen, ohne die achtzehn Abdrücke zu löschen, die daneben liegen.

Er wird bleiben.

Kael'dun stand die ganze Zeit dabei und hat nichts gesagt, und als Solm-4-Ket fertig war, hat er eine Hand auf die Schale von Teuls Kanzel gelegt und ein Gebet gesprochen, das nicht für Maschinen gedacht ist.

Und dann hat er gesagt: „Princeps. Jetzt müssen wir über den Sechsten Schacht reden."

X. Was Kael'dun weiß

Er erzählt es in achtzehn Minuten, im Stehen, ohne ein einziges Mal auszuschmücken.

Vor elf Jahren stiegen die Eisenadern und die Kohorte gemeinsam in den Sechsten Schacht von Kel-Vantor hinab, weil dort etwas angesprochen hatte, was nicht hätte ansprechen dürfen. Was sie fanden, war eine Maschinenintelligenz aus einer Zeit vor dem Imperium — verwandt mit dem, wofür das Mechanicus ein Wort hat, das man nicht schreibt.

Sie haben sie zerstört. Das steht fest und wird von niemandem bestritten. Ein Ehrwürdiger blieb dabei, ein Enginseer der Kohorte blieb dabei, und ein Novize kam mit etwas im Kopf zurück, das er seither nicht loswird.

Und dann sagt Kael'dun den Satz, für dessen Aussprechen er nach dem Buchstaben des Paktes belangt werden kann.

„Sie heißt der Erste Wächter, Princeps. Ich habe elf Jahre gebraucht, um mir die Frage zu stellen, die jedem Kind einfällt."

Sarnhelm stellt sie für ihn.

„Der Erste."

„Ja."

Ihm sagt aus seiner Schale, sehr leise: „Einunddreißig Schächte."

„Neun im Kataster", sagt Kael'dun. „Die anderen zweiundzwanzig sind nicht unentdeckt. Sie sind nicht eingetragen. Das ist ein Unterschied, und auf einer Schmiedewelt ist es der einzige Unterschied, der zählt."

Denn ein eingetragener Schacht muss gemeldet werden. Ein gemeldeter Schacht dieser Art bringt eine Untersuchung. Eine Untersuchung dieser Art bringt Mars, und was Mars mit einem Mond macht, unter dem zweiundzwanzig nicht eingetragene vorimperiale Kammern liegen, hat Magos Serevin Achtal offenbar sehr genau abgeschätzt und für schlimmer befunden als alles, was in den Kammern liegt.

„Und die Rampe", sagt Sarnhelm.

„Die Rampe steht über sieben davon." Kael'dun sieht zu Boden, was bei einem Astartes fast nie vorkommt. „Princeps, ich sage jetzt etwas, das Sie beleidigen wird. Der Magos will nicht, dass Sie kämpfen. Er will, dass Sie stehen."

Es dauert einen Augenblick, bis wir es begreifen. Es dauert bei allen einundvierzig unterschiedlich lange.

Ein Warlord wiegt dreitausend Tonnen. Er ist von der Kiellegung bis zur Indienststellung siebzehn Jahre lang gesegnet, verschraubt, mit Litaneien beschrieben und mit dem Zeichen des Omnissiah an einhundertneun Stellen versiegelt worden. Er ist, in der Sprache, die auf diesem Mond gesprochen wird, das schwerste heilige Gerät, das ein Mensch bewegen kann.

Achtal hat keinen Verteidiger angefordert.

Er hat einen Deckel angefordert.

„Und die Orks?" fragt Kolm, und in seiner Stimme ist etwas, das wir seit dreißig Jahren nicht gehört haben.

Kael'dun sieht auf.

„Warum, glauben Sie, hat ein Nob, der Ruf will, sieben Wochen lang auf einer Konverterhalle gesessen und gebaut? Orks bauen, wenn ein Mek eine Eingebung hat. Fragen Sie mich nicht, woher die Eingebung kam. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass sein Ding aus Kel-Vantor gebaut war und dass er nach Osten gegraben hat, bevor er nach Osten marschiert ist, und dass unter der Stelle, an der er gegraben hat, ein Schacht liegt, der im Kataster nicht steht."

Wir haben heute Nacht eine Schlacht gewonnen.

Wir haben sie gegen ein Symptom gewonnen.

XI. Der Rat der Toten

Die Bewertung steht bei null Komma drei acht und wird nicht mehr fallen. Wir sind angeschlagen, wir haben zwei von vier Maschinen verloren, und das Landungsschiff steht seit sechs Tagen mit offener Rampe im Nordfeld und wartet auf uns.

Die Vorbehaltsklausel gilt ab null Komma vier.

Sie wird sie in vier Tagen überschreiten. Das kann jeder ausrechnen, und Kolm hat es ausgerechnet, und danach hat er das Ergebnis auf den allgemeinen Kanal gelegt, weil er ein anständiger Mann ist und nicht wollte, dass jemand es später privat erfährt.

In der Nacht darauf ruft Princeps Maior Ilva Sarnhelm den Rat.

Das ist ein Vorgang. Es gibt eine Formel dafür, sie ist elf Wörter lang, und wenn sie gesprochen ist, treten die Abdrücke aus dem Hintergrundrauschen nach vorn und man hat sie einzeln.

Es ist, das sei für alle gesagt, die es nie erleben werden, ungefähr das Unangenehmste, was ein Mensch mit seinem Kopf tun kann.

Ihr habt gehört, was der Techmarine gesagt hat, sagt Sarnhelm. Ich frage nach eurem Rat.

Vareth Sonn spricht zuerst, wie immer. Vierter Abdruck. Dreitausendneunhundert Jahre. Sie hat elf Welten gehalten und vier aufgegeben, und man merkt ihrer Stimme an keiner Stelle an, welche welche waren.

Zurückziehen. Sofort, nicht in vier Tagen. Die Einstufung erfolgt nicht im Feld, und du weißt, warum: weil ein Princeps im Feld immer glaubt, sein Feld sei das wichtigste. Es ist nie das wichtigste. Es ist nur das nächste.

Und die Kammern?

Sind seit zehntausend Jahren dort. Sie werden auch in zehn weiteren dort sein. Melde sie. Lass Mars entscheiden. Mars wird diesen Mond ausbrennen, und das ist furchtbar, und es ist die richtige Entscheidung, und sie steht dir nicht zu.

Hadmar Oel danach, neunzehnter Abdruck, der Mann von Selenne.

Sie hat recht. Eine Pause. Ich sage das ungern, weil sie es besser weiß als ich und weil sie nie dafür bezahlt hat. Aber sie hat recht. Ich habe die Klausel gebrochen und es hat zwei Welten gekostet, die niemand jemals mit mir in Verbindung gebracht hat. Das ist das Perfide daran, Princeps: Was du hier gewinnst, siehst du. Was du woanders verlierst, siehst du nie.

Cleia Morn spricht als Neunte. Zweiter Abdruck. Siebentausendzweihundert Jahre, und von ihr ist fast nichts mehr da; sie kommt und geht, und meist ist es, als hörte man jemanden durch eine Wand singen.

Ich habe ihn gekannt, sagt Morn. Ich habe ihn gekannt, als er neu war.

Wen, Cleia?

Den Namen. Sie haben ihn ihm gegeben, weil er ein Versprechen war. Nicht weil er hübsch klang.

Und dann ist sie wieder weg.

Von den sechsunddreißig raten dreißig zum Abbruch. Vier enthalten sich. Zwei sind nicht ansprechbar.

Und unter allem, ohne Unterbrechung, in einer Schleife von vier Komma eins Sekunden, sagt ein Neunzehnjähriger Ich.

Sarnhelm hört sich das dreieinhalb Stunden lang an.

Dann stellt sie eine zweite Frage, und diese zweite Frage steht in keinem Ausbildungsbuch, und sie ist der Grund, warum wir diesen Bericht schreiben.

Ich habe euch gefragt, was ihr tun würdet, sagt sie. Ich frage jetzt etwas anderes. Was hättet ihr euch gewünscht, dass man mit euch tut?

Es wird sehr still im Manifold. Es ist die Art von Stille, die entsteht, wenn vierzig Menschen gleichzeitig merken, dass sie eine Frage vierzig Leben lang nicht gestellt bekommen haben.

Und dann antwortet Vareth Sonn, dreitausendneunhundert Jahre, elf Welten, vier aufgegeben, und ihre Stimme ist zum ersten Mal, seit Sarnhelm sie kennt, nicht ganz gerade.

Dass man mich nicht heimgeholt hätte.

XII. Der Gast

Um die sieben Schachtkappen unter der Großen Rampe zu finden, braucht man die Vermessung, und die Vermessung der zweiundzwanzig nicht eingetragenen Schächte gibt es nicht — nicht auf Papier, nicht in einem Kern, nirgends, weil ihre Nichtexistenz der ganze Zweck ist.

Sie existiert nur in Köpfen, die unten waren.

Von denen sind drei übrig. Einer ist ein Novize auf Aschgrat, achtzehn Wochen entfernt. Einer ist Kael'dun, der nur bis zur vierten Sohle kam. Und einer steht in der Schmelzkathedrale und schiebt seit neun Jahren einen Schlackenkarren.

Kael'dun bringt es selbst vor. Er tut es aufrecht und sieht dabei niemanden an.

Die Logis-Adeptin, die den Sechsten Schacht vermessen hat, hieß Reva Kastell. Sie kam heraus, und sie brachte den Nachhall mit, und was die Kohorte mit Sterblichen tut, die den Nachhall mitbringen, hat einen Namen und ein Formular und eine Halle, in der es vollzogen wird. Sie ist als Person seit neun Jahren tot. Ihr Körper ist Einheit 0774 und wurde vor einiger Zeit mit Einheit 0839 zusammengelegt, weil das wirtschaftlicher war, und 0839 war vorher ein Techpriester, der die Grabungsfreigaben unterschrieben hatte.

Ein Manifold, sagt Kael'dun, ist die einzige Vorrichtung im imperialen Bestand, die aus einem beschädigten Bewusstsein noch etwas herausholt.

„Sie schlagen vor", sagt Sarnhelm, „dass ich einen Servitor an meinen Kopf anschließe."

„Ja."

„Wissen Sie, wie das heißt, was Sie da vorschlagen?"

„Ja", sagt Kael'dun. „Ich habe zwei Nächte gebraucht, um es trotzdem vorzuschlagen, und ich werde es nicht ein zweites Mal tun, und ich werde es beichten, sobald ich einen Ordenspriester erreiche. Princeps, ich weiß, was ich hier bin. Ich bin der Mann, der Ihnen anbietet, eine tote Frau noch einmal zu benutzen."

Sie holen Einheit 0774 in der elften Nacht.

Es ist ein Servitor. Es ist nicht mehr und nicht weniger. Zwei Menschen sind in einem Rumpf zusammengeführt worden, was man an der Naht sieht, und was oben sitzt, sieht niemanden an, weil dort nichts ist, was sehen könnte.

Sie schließen es an den zweiten Nebenanschluss an. Solm-4-Ket führt, Kael'dun assistiert, und Kolm steht daneben mit einer Bolterpistole, weil das Vorschrift ist und weil niemand sagt, wofür.

Und dann ist der Gast im Manifold.

Wir wollen hier sehr genau sein, weil in solchen Berichten an dieser Stelle immer gelogen wird.

Es kommt kein Mensch herauf. Es kommt keine Stimme, die um etwas bittet, und niemand sagt einen Namen. Was heraufkommt, ist Vermessung: Tiefenprofile, Gesteinsklassen, Kappenstärken, sieben Schächte in einer Reihe unter neun Kilometern Beton, sauber, geordnet, in einer Handschrift des Denkens, die jeden Enginseer stolz gemacht hätte.

Es kommt in vierzig Minuten, und es ist vollständig, und es ist so gut, dass wir mitten in der Übernahme aufhören mussten, weil Solm-4-Ket nicht mehr mitschrieb.

Und ganz am Ende, hinter dem letzten Tiefenprofil, hängt ein Rest, der keine Vermessung ist.

Es ist ein Bild. Ein Trümmerbogen von unten gesehen, und darunter ein Mann, der ihn mit dem Rücken stützt, und das Bild hört auf, bevor der Bogen aufhört.

Sarnhelm sagt in das Manifold hinein, laut, damit es auf dem allgemeinen Kanal liegt und mitgeschrieben wird:

„Das ist nicht sie. Was wir hier haben, ist kein Mensch. Ich will, dass das im Protokoll steht, und ich will nicht, dass irgendjemand später erzählt, sie hätte uns geholfen. Sie hat vor neun Jahren einen Schacht vermessen. Wir haben uns genommen, was davon übrig war."

Einheit 0774 hält die Übernahme nicht aus. Der Rumpf fällt in der einundvierzigsten Minute aus, sauber, ohne Zucken.

Kael'dun trägt ihn selbst hinaus.

Irgendwo in der Schmelzkathedrale wird jemand dafür einen Verlustabgleich anlegen müssen, und es wird ein Formular geben, und in dem Formular wird kein Feld sein, in das das hier passt.

XIII. Gorrath

Am zwölften Tag steht die Bewertung bei null Komma vier eins.

Am zwölften Tag steht auch fest, was zu tun wäre, und es ist so einfach, dass Kolm eine halbe Stunde brauchte, bis er es aussprechen konnte.

Die sieben Kappen liegen zwischen achtzig und einhundertzehn Metern unter der Rampe. Der Beton der Rampe trägt dreitausend Tonnen; das Gestein darunter trägt sie nicht. Wenn ein Warlord an der vermessenen Stelle stehen bleibt und die Beine entlastet, wenn er sich hinsetzt, in dem Sinn, in dem eine Maschine dieser Klasse sich hinsetzt, bricht die Kappenzone auf einer Länge von sechshundert Metern ein.

Und dann liegen dreitausend Tonnen gesegnetes Gerät auf sieben Schächten, und darüber neun Kilometer eingestürzte Rampe.

Es ist keine Schlacht. Es ist eine Baumaßnahme.

Der Ehrwürdige kommt am Abend des zwölften Tages zur Rampe.

Ehrwürdiger Gorrath hat sich seit dem Eintreffen der Eisenadern nicht bewegt. Er stand im Nordfeld, an der Ladeklappe, und wer an ihm vorbeiging, hat ihn gegrüßt und keine Antwort erwartet. Ein Ehrwürdiger der Eisenadern spricht innerhalb der Litanei des Zorns; darüber hinaus spricht Gorrath seit Jahrzehnten fast nichts.

Er geht die neun Kilometer selbst hinauf. Es dauert vier Stunden. Niemand begleitet ihn.

Oben stellt er sich vor unseren linken Fuß, was bedeutet, dass er uns bis zum Knöchel reicht, und dann steht er dort und tut nichts.

Sarnhelm senkt den Kopf. Das ist bei einem Warlord ein Vorgang von elf Sekunden und man macht ihn nicht aus Höflichkeit.

Sie fragt ihn nicht um Rat. Sie hat einundvierzig Ratgeber und braucht keinen zweiundvierzigsten. Sie fragt ihn das Einzige, was er beantworten kann und sonst niemand hier.

„Ehrwürdiger. Sie haben es hinter sich. Man hat Sie in eine Maschine gelegt, und Sie sind darin geblieben." Ihre Stimme kommt über die Außenlautsprecher, dreißig Meter über ihm, und sie klingt darin sehr klein. „Ich frage Sie als jemand, der es gleich tun wird. Ist es auszuhalten?"

Wir haben die Aufzeichnung dieser Sequenz später sechsmal geprüft, weil wir es selbst nicht glauben wollten.

Achtzehn Sekunden Servogeräusch.

Dann sagt Gorrath: „Nein."

Und nach weiteren vierundzwanzig Sekunden, was für ihn eine ganze Rede ist:

„Trotzdem."

Dann dreht er sich um und geht die neun Kilometer wieder hinunter.

XIV. Die Schwelle

Sarnhelm setzt am Morgen des dreizehnten Tages den Bericht an die Legio ab, ordentlich, vollständig, mit der Vermessung, mit der Zahl der Schächte, mit dem Wort Erster und dem Schluss, den man daraus zieht.

Die Antwort kommt nach neunzehn Stunden. Sie ist vier Sätze lang.

Bewertung zur Kenntnis genommen. Eine Änderung der Zieleinstufung ist im Feld nicht möglich. Die Erhaltungsschwelle ist überschritten. Pactum Ferreum wird unverzüglich zurückgeführt.

Es steht kein Nein darin. Man schreibt so etwas nicht. Man schreibt: unverzüglich.

Sarnhelm liest es zweimal und bestätigt den Empfang, was sie tun muss, und dann sagt sie: „Kolm. Ihm. Solm-4-Ket. Sie steigen aus."

Kolm sagt: „Princeps —"

„Sie steigen aus, Moderati Primus, weil einer den Bericht tragen muss und weil es der Ranghöchste sein soll, damit man ihm glaubt. Das ist kein Geschenk. Das ist der schwerere Auftrag und ich gebe ihn Ihnen, weil ich weiß, dass Sie ihn ausführen."

Er hat siebenunddreißig Sekunden gebraucht. Wir haben sie gezählt, weil wir in dieser Zeit nichts anderes zu tun hatten.

Dann hat er die Verbindung gelöst, und der Manifold ist um eine Stimme kleiner geworden, und er ist ausgestiegen, ohne sich noch einmal umzusehen, und das war das Anständigste, was an diesem Tag jemand getan hat.

Odile Brask löst nicht.

Sie sagt es nicht einmal besonders. Sie sagt: „Ein Warlord geht nicht ohne Steuermann, Princeps. Neun Kilometer bergauf, mit einer Hüfte, die kaputt ist. Ich fahre Sie hin."

„Steuerfrau —"

„Ich fahre Sie hin", sagt Brask, „und dann sehen wir weiter", und wir wissen alle einundvierzig, dass es kein Weitersehen gibt, und niemand widerspricht ihr, weil sie recht hat.

Kael'dun und Solm-4-Ket nehmen in vier Stunden heraus, wofür der Ritus neun braucht, und sie tun es an achtzehn Abdruckkernen und sie tun es schlecht, weil man es in vier Stunden nicht gut tun kann. Der dritte Kern lässt sich nicht lösen. Der Riss geht quer durch die Halterung, und wer ihn zieht, zerreißt ihn.

Im dritten Kern liegen achtzehn Abdrücke.

Und Ansgar Teul.

Sarnhelm hat angeordnet, es zu lassen. Sie hat es damit begründet, dass die Zeit fehlt. Wir vermerken hier, dass die Zeit nicht fehlte und dass niemand sie gefragt hat.

Zuletzt legen sie sie selbst ab. Kael'dun führt, in einer Kanzel, in der es nach verbranntem Kabel riecht, mit einem Gerät, das für Astartes-Sarkophage gebaut ist und nicht für dies. Neunzig Minuten für einen Vorgang, der neun Stunden braucht. Er hat sie dabei zweimal gefragt, ob sie es wolle, und sie hat zweimal ja gesagt, und beim zweiten Mal hat sie hinzugefügt: „Nicht für mich. Damit es jemand erzählen kann, der dabei war."

Der Gang hinauf dauert zweiundfünfzig Minuten.

Unten auf beiden Seiten der Rampe stehen die Eisenadern in Reihe, und dahinter stehen die Skitarii-Maniplen der Zwölften Kohorte, und dahinter stehen Werker. Es sind Zehntausende. Sie stehen einfach da, in ihren Kitteln, mit ihren Atemtüchern, und heben die Hände nicht und rufen nicht.

Sie glauben, wir seien gekommen, um zu bleiben.

Auf Kilometer sieben sagt Brask: „Princeps, darf ich fragen, woran Sie denken?"

Und Ilva Sarnhelm, einundneunzig Jahre im Amnion, sagt: „An den Namen. Cleia hatte recht. Er war ein Versprechen und keine Zierde, und ich habe einundneunzig Jahre lang nicht ein einziges Mal gefragt, wem es gegeben wurde."

Auf Kilometer neun bleiben wir stehen.

Die Vermessung liegt in uns wie ein Handabdruck. Achtzig bis einhundertzehn Meter. Sechshundert Meter Länge. Kappe drei ist die dünnste.

Wir stellen uns auf Kappe drei.

Brask sagt: „Entlastung Bein links, Entlastung Bein rechts", so wie sie es seit sechzehn Jahren sagt, wenn wir uns zur Wartung niederlassen, und ihre Stimme geht dabei nicht ein einziges Mal weg.

Es dauert elf Sekunden.

Der Boden gibt zuerst als Geräusch nach, dann als Gefühl, dann gar nicht mehr als etwas, das man beschreiben könnte, und das Letzte, was durch das Manifold geht, bevor die Kerne abreißen, ist eine Stimme, die Ich sagt, und diesmal antwortet ihr jemand.

XV. Was von uns bleibt

Kel-Vantor steht.

Die sieben Kappen der Großen Rampe liegen unter dreitausend Tonnen gesegnetem Gerät und neun Kilometern eingestürztem Beton. Die Kohorte hat achtzehn Monate gebraucht, um darüber zu betonieren, und sie hat es getan, ohne den Vorgang zu benennen, und im Kataster der Zwölften Kohorte stehen heute weiterhin neun Schächte.

Magos Serevin Achtal hat den Bericht der Legio nie beantwortet. Er hat stattdessen der Legio Servanda für die Dauer von tausend Jahren freien Zugriff auf die Fertigungsbahnen von Kel-Vantor eingeräumt, für Ersatzteile jeder Art, einschließlich Gelenkstücken.

Auf Ferrun steht die zehnte Warlord-Halle seit vierzehn Jahren nicht mehr still.

Die Legio hat den Vorgang bewertet. Das Ergebnis liegt vor und lautet:

Princeps Maior Ilva Sarnhelm hat gegen Ziffer vier des Standbefehls verstoßen. Ein Verlust im Gefecht liegt nicht vor. Die Maschine wurde nicht zerstört, sondern vom Princeps Maior außer Dienst gestellt. Eintrag erfolgt unter dieser Bezeichnung.

Das ist die schlimmste Zeile, die es gibt. Ein Verlust im Gefecht bekommt eine Tafel. Außerdienststellung durch den Princeps Maior bekommt eine Zeile in einem Register, und wer sie liest, denkt an Wahnsinn oder an Alter.

Moderati Primus Bereth Kolm hat neun Jahre lang jährlich Widerspruch eingelegt. Er ist neunmal abgelehnt worden. Beim zehnten Mal war er tot.

Hauptmann Voss Ilarion hat im Namen der Eisenadern eine Erklärung abgegeben, in der der Orden feststellt, dass der Pakt mit Kel-Vantor an diesem Tag durch eine fremde Maschine erfüllt worden sei. Die Legio hat die Erklärung zur Kenntnis genommen und nicht in die Akte aufgenommen, weil ein Orden für eine Legio nicht zeichnungsberechtigt ist.

Bruder-Techmarine Kael'dun hat gebeichtet. Was ihm auferlegt wurde, ist Sache seines Ordens.

Achtzehn Abdrücke und ein Fragment liegen einhundert Meter unter der Großen Rampe.

Es gibt kein Verfahren dafür. Ein Abdruck ist kein Toter, weil der Tote schon vorher gestorben ist, und er ist auch kein Gerät, weil man Geräte nicht anspricht. Auf Ferrun führt man sie seit vierzehn Jahren unter belegt.

XVI. Sechsundvierzig Jahre später

Wir sind siebenunddreißig, und vier davon atmen.

Die Maschine, in der wir liegen, ist jünger als die alte und schwerer und an drei Stellen besser gebaut, und sie heißt Fides Ferrun, was nichts verspricht, sondern nur behauptet. Wir stehen über einer Welt, deren Namen hier nichts zur Sache tut, und der Princeps Maior ist neunundzwanzig Jahre alt und seit vier Monaten im Amnion, und sie hat in der vergangenen Nacht zum ersten Mal den Rat gerufen.

Ihre Frage ist die Frage. Sie ist immer die Frage. Halten oder zurückführen.

Vareth Sonn rät zum Abbruch. Hadmar Oel rät zum Abbruch. Von den dreiunddreißig, die ansprechbar sind, raten neunundzwanzig zum Abbruch.

Und dann fragt die junge Frau im Tank etwas, das ihr niemand beigebracht hat, weil sie den Bericht gelesen hat, den ein alter Moderati Primus einmal aus einem Landungsschiff getragen hat, und weil dieser Bericht seit sechsundvierzig Jahren in der Ausbildung der Legio Servanda gelesen und in ihrer Bewertungspraxis nicht angewandt wird.

Sie sagt: Sarnhelm. Sie haben nichts gesagt.

Und wir antworten.

Ich rate zum Abbruch.

Sie?

Ich. Und weil sie schweigt und weil Schweigen bei einem Princeps eine Aufforderung ist: Princeps, hören Sie mir zu, und dann hören Sie sehr genau zu, was ich als Nächstes sage.

Ich bin ein Abdruck. Ich bin das, was von einer Frau übrig ist, die einmal alles bezahlt hat, was man bezahlen kann. Wir sind hier siebenunddreißig, und wir haben alle bezahlt, und deshalb raten wir alle gleich. Ein Rat, der nur aus Leuten besteht, die schon bezahlt haben, wird Ihnen immer raten, nicht zu zahlen. Das ist kein Verrat und keine Feigheit. Es ist der Preis, den man dafür bezahlt, dass man uns behält.

Wozu seid ihr dann da?

Damit Sie wissen, was es kostet, sagen wir. Nicht, damit Sie es nicht tun.

Sie hat uns danach zwei Stunden lang nicht mehr angesprochen, und dann hat sie ihre Maschine gedreht und ist gegangen, und ob sie zurückgeführt oder gehalten hat, steht nicht in unserer Zuständigkeit und geht niemanden etwas an, der es nicht mit uns aushalten muss.

Wir denken selten an Kel-Vantor. Ein Abdruck denkt nicht viel; er wartet, und dazwischen ist nichts.

Aber wenn wir daran denken, dann nicht an die Rampe und nicht an die einundvierzig Sekunden Fall und nicht an den Bescheid mit der Zeile darin.

Wir denken an einen Ehrwürdigen, der neun Kilometer bergauf gegangen ist, um zwei Wörter zu sagen, und an dreitausend Tonnen, die auf sieben Deckeln liegen, und daran, dass hundert Meter darunter, in einem Kern mit einem Riss, seit sechsundvierzig Jahren ein Neunzehnjähriger nach sich selbst greift.

Er sagt Ich.

Achtzehn andere sind bei ihm. Sie sagen wir.

Wir hoffen, dass er es hört.

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