Das Zeugnis
Die Zeugen · Dritter Teil
Word Bearers (Die Zeugen der Wunde) · Die Rauhgrater · Die Feuerhüter von Nocturne
„„Ein Zeuge beweist nichts. Er ist nur da gewesen. Das ist mehr, als die Götter je von uns verlangt haben, und weniger, als wir ihnen gegeben haben."“
Ur-Thagoth, in einer Nacht auf der Sole-Ebene von Eschenwerth, zu niemandem
I. Rauhgrat
Das erste Zeugnis hatte eine Grubenlampe in der Hand gehabt.
Rauhgrat war eine Welt aus Schächten und Halden, drei Sprünge weit von nirgendwo, und sie hatte seit dem Riss keinen Zehnt mehr abgeliefert, weil niemand gekommen war, ihn zu holen. Die Minen förderten weiter. Die Halden wuchsen. Als die Fördermannschaften der dritten Sohle aufhörten zu arbeiten, weil die Lagerhallen voll waren und die Hallen niemand leerte, schickte der Statthalter die planetare Verteidigungsstreitmacht in die Schächte, und die Verteidigungsstreitmacht tat, was ihr befohlen war, und danach arbeiteten die Mannschaften wieder, weniger, aber wieder.
Thagoth landete acht Wochen später mit einem einzigen Landungsschiff auf der Halde über der dritten Sohle, mit acht Brüdern, und tat nichts.
Das war die Lehre gewesen, die er aus zehntausend Jahren mitgenommen hatte und die Kranon nie hatte begreifen wollen: dass die Götter nicht auf Blut warteten. Sie hatten zehntausend Litaneien lang Blut bekommen, wöchentlich, in den Rinnen des Sanktumsdecks, und geschwiegen. Und dann hatte ein Riss die Galaxis geteilt, ohne dass jemand ein Messer gehoben hätte, und die Verlorenen waren in den Realraum gefallen wie eine Antwort. Die Götter wollten keine Opfer. Sie wollten, dass man hinsah.
Also stand er auf der Halde und sagte es. Über den Vox der Grube, der noch funktionierte, in dem Gothisch, das er auf Colchis gelernt hatte und das hier niemand mehr sprach und jeder verstand. Er sagte den Bergleuten, dass ihr Imperator den Himmel geöffnet und nicht wieder geschlossen habe. Dass niemand kommen werde, ihr Erz zu holen. Dass er nichts von ihnen wolle, nur, dass sie hinaufsähen und für sich selbst antworteten.
Drei Tage lang kam niemand.
Am vierten kam eine Frau aus dem Schachtdorf der dritten Sohle, eine Witwe namens Gertrun, deren Mann in dem Schacht geblieben war, in den die Verteidigungsstreitmacht geschickt worden war, und sie trug die Grubenlampe ihres Mannes, angezündet, obwohl es Tag war, und ging damit den Haldenweg hinauf, bis sie vor ihm stand. Sie sah ihn an, dann sah sie hinauf, dann sagte sie: „Ich habe gesehen." Und setzte sich, mit der Lampe vor sich, und blieb.
Am fünften Tag saßen vierzig um sie herum. Am neunten kniete Hauptmann Bodo Wehle von der Verteidigungsstreitmacht, ein Mann mit einem Gesicht wie ein Bergmann, der seine Männer in die Schächte geführt hatte, und legte sein Lasergewehr vor Thagoth in den Staub und hob es wieder auf, als der Champion sagte, er werde es brauchen. Am zwanzigsten Tag antwortete Rauhgrat nicht mehr auf den Ruf des Imperiums, weil niemand mehr da war, der antworten wollte.
Vierzigtausend. Thagoth hatte gezählt. Nekhal, der immer zählte, hatte es ihm bestätigt. Vierzigtausend Zeugen, mit den Waffen, die das Imperium ihnen gegeben hatte, und einer Witwe mit einer Lampe an der Spitze, die nie eine Waffe angerührt hatte.
Er hatte in dieser Nacht zu Lorgar gebetet, wie er es jede Nacht seit der Trennung tat, und ihm gesagt, dass es begonnen habe. Lorgar hatte nicht geantwortet. Aber das war nichts Neues. Lorgar hatte in zehntausend Jahren nicht geantwortet, und die Götter hatten trotzdem geantwortet, und Thagoth hatte gelernt, das eine vom anderen zu trennen.
II. Die Ebene
Eschenwerth hatte er gewählt, weil es Salz sott.
Die größere Streitmacht, der die Zeugen sich angeschlossen hatten, kämpfte an drei Fronten am Rand des Nihilus-Raums um Welten, die man nehmen konnte, und sie hatte den neun Astartes und ihren vierzigtausend ein altes Geleitschiff und vier Massentransporter gelassen, mit der Erwartung, dass sie damit eine Welt nähmen. Thagoth hatte eine Welt gesucht, die niemand nehmen wollte. Eschenwerth war auf keiner Karte der Streitmacht ein Ziel. Es hatte eine Stadt, eine einzige, auf einem Salzdom in einer weißen Ebene, und diese Stadt hatte sechs Jahre lang Salz gesotten für Schiffe, die nicht kamen, und hatte sechs Jahre lang in den Himmel gerufen, mit einem Astropathen, dessen Ruf der Nihilus-Raum verschluckte.
Eine Stadt, die rief und nicht gehört wurde. Es gab kein besseres Zeugnis.
Sie landeten auf der Ebene und lagerten in einem Bogen um die Stadt, zwölf Kilometer, und Thagoth ließ Feuer machen, die auch am Tag brannten, damit man sie von der Mauer sah. Dann sprach er. Über den Vox der Rauhgrater, über die Lautsprecher der Gradierwerke, deren Schaltung Wehles Techniker in der ersten Nacht geöffnet hatten, über alles, was eine Stimme trug. Er sagte, was er auf Rauhgrat gesagt hatte. Er verlangte nichts.
Am dritten Tag kamen die ersten aus der Unterstadt heraus, über das Salz, zum Lager. Am fünften gingen die ersten mit Lichtern zurück und setzten sich in ihre Gassen. Am elften Tag hatte er dreitausend in Salzgrund sitzen, mit Kerzen, und Malkor hatte ihn siebenmal gefragt, wann sie angreifen würden.
„Wir greifen nicht an", hatte Thagoth jedes Mal gesagt. „Wir warten, bis sie sehen."
Malkor hatte jedes Mal genickt und war gegangen, und Thagoth hatte jedes Mal gewusst, dass der Sergeant nicht verstand und nicht verstehen wollte und dass es ihm gleich war, solange irgendwann Gelegenheit zur Gewalt kam. Malkor war mit ihm gegangen, weil Kranon Vorsicht gepredigt hatte und Vorsicht keine Gelegenheit war. Thagoth wusste das. Er hatte ihn trotzdem genommen, weil acht mehr waren als sieben, und er hatte in den drei Wochen auf Rauhgrat gelernt, wie viel ein einzelner Malkor kostete: einen Aufseher der dritten Sohle, der nicht hatte knien wollen, und drei Männer, die ihm zu Hilfe gekommen waren. Nekhal hatte auch die gezählt.
Am Abend des elften Tages fiel ein Schiff aus dem Warp, grün, mit einem bronzenen Drachen an der Flanke, und erschoss das Geleitschiff im Orbit, bevor das Geleitschiff bemerkt hatte, dass jemand gekommen war.
Thagoth stand auf der Ebene und sah das Wrack brennen, ein neuer Stern, der langsam über den Himmel wanderte und verglomm. Um ihn herum standen die Rauhgrater und sahen auch hinauf, und er hörte, wie einer von ihnen zu beten begann, mit den Worten, die Thagoth ihnen gegeben hatte, und dann viele.
„Die Götter nehmen, was sie gegeben haben", sagte Sethmar neben ihm, leise, wie eine Frage.
„Nein", sagte Thagoth. „Der Imperator hat nach ihnen gesehen. Zum ersten Mal in sechs Jahren." Er sah dem Stern nach, bis er erloschen war. „Jetzt werden sie sehen, was er schickt, wenn er sieht."
III. Die Grünen
Er kannte die Farbe, bevor der erste Thunderhawk aufsetzte.
Es gab Dinge, an die man sich nach zehntausend Jahren nicht mehr erinnerte, und Dinge, die zehntausend Jahre nicht anrührten. Eine schwarze Ebene auf einer Welt, deren Namen inzwischen jedes Kind der Galaxis kannte. Grüne Rüstungen in einer Grube, mit dem Rücken zueinander, die nicht fielen, als alles um sie herum fiel, weil jeder von ihnen einen Verwundeten hinter sich hatte. Thagoth war damals jung gewesen, im Sinne der Legion, und er hatte auf dieser Ebene gelernt, was die Söhne Vulkans hielten, wenn sie hielten. Nicht die Stellung. Die Menschen dahinter.
Als die grünen Rüstungen die Gradierwerke besetzten und ihr Hauptmann mit dem Oberst der Stadt die Mauer abging, wusste Thagoth, wie er ihn schlagen würde, und es gefiel ihm nicht.
„Die Lichter zuerst", sagte er zu Wehle in der Nacht des dritten Tages. „Zweitausend. Unbewaffnet. Sie gehen auf den Zaun zu und bleiben stehen, wenn deine Männer durch sie hindurch sind. Sie kämpfen nicht. Sie halten nur die Lichter."
Wehle sah ihn an, mit dem Bergmannsgesicht, das nichts verbarg.
„Sie werden schießen."
„Die Stadtwehr wird schießen. Die Grünen nicht. Nicht auf Lichter. Und die Stadtwehr wird sehen, dass die Grünen nicht schießen, und wird sich fragen, warum." Thagoth sah hinüber zu den Gradierwerken, wo hinter den Rieselwänden die Laternen brannten. „Ich habe diese Söhne gesehen, als sie noch eine Legion waren, Hauptmann. Sie werden eher fallen, als auf eine Kerze zu schießen. Darauf baue ich."
„Und die, die die Lichter tragen?"
„Sind Zeugen. Sie haben gesehen und antworten." Er sagte es, und es stimmte, und er hörte selbst, wie es klang.
Wehle ging und gab die Befehle, und in der Nacht gingen zweitausend mit Kerzen über das Salz, und die Rauhgrater gingen hinter ihnen, und die Stadtwehr schoss, zu spät, zu hoch, dann zu tief, und zwölfhundert Rauhgrater blieben zwischen den Rieselwänden liegen, in denen die grünen Rüstungen mit Feuer und Klinge standen. Dhorvak, der jüngste der Neun, sang während des Gefechts eine Litanei vom Rand des Lagers herüber, ein einzelner Ton, der auf und ab ging, und Thagoth ließ ihn singen, weil die Rauhgrater es hörten und weitergingen.
Am Morgen zählte Nekhal. Zwölfhundert Rauhgrater, vierhundert von der Stadtwehr, vier Grüne. Und eine Zahl Lichterträger, die er nicht nannte, weil Thagoth nicht gefragt hatte.
Thagoth stand am Rand des Lagers, wo das Salz in den Morgen überging, und sah zu den Gradierwerken hinüber, und weit hinten, zwischen den schwarzen Gerüsten, stand einer der Grünen und sah zurück. Zu weit, um ihn zu erkennen. Aber er stand still, wie Thagoth stillstand, und Thagoth wusste, dass es der Hauptmann war, so wie man weiß, wer einen im Dunkeln ansieht.
Hinter ihm weinte Wehle. Lautlos, wie Bergleute weinen, und Thagoth wandte sich nicht um, weil es nichts gab, was er dazu sagen konnte, das nicht eine Predigt gewesen wäre.
IV. Was unter dem Kiefer sieht
In den Nächten betete er, und in den Nächten sah das Andere.
Er hatte nie ein Wort dafür gefunden. Kranon hätte eines gehabt, aus den ältesten Texten, und hätte es ihm mit pedantischer Sorgfalt erklärt, und Thagoth hätte gewusst, dass es das Falsche war. Seit der Weihe wohnte etwas unter seinem rechten Kiefer, das Augen hatte und in andere Richtungen sah als er, und in den drei Jahrhunderten, seit es dort wohnte, hatte er gelernt, es nicht zu fragen, was es sah. Es sah. Manchmal sah er mit.
In dieser Nacht, der vierten auf Eschenwerth, sah es die Mauer. Nicht die Steine. Einen Wehrgang über einem Tor, und einen Mann in Grün, der hinuntersah, und einen zweiten in Schwarz, der hinter ihm stand, den Helm unter dem Arm, ein narbiges Gesicht, und Thagoth hörte, was der Schwarze sagte, obwohl der Schwarze es leise sagte und kein Vox in der Nähe war. „Ein Ordenspriester bei jedem Ort, an dem eine Entscheidung getroffen wird, die den Namen des Ordens trägt."
Er hörte es, und dann war es fort, und er lag auf dem Salz, unter einem Himmel, in dem der Riss als blasse Naht stand, und wusste nicht, ob er es gesehen hatte oder ob das Andere es ihm gegeben hatte, und was der Unterschied war.
Er betete danach zu Lorgar. Er tat es jede Nacht, seit er den Kelch verlassen hatte, in dem alten Gothisch, das er als Novize gelernt hatte, mit denselben Worten wie damals: dass er Zeugnis ablege, dass die Prüfung getragen sei, dass der Riss die Antwort sei. Er sagte Lorgar, was Nekhal gezählt hatte. Er sagte ihm, dass die Grünen nicht auf Kerzen schossen. Er sagte ihm, dass Wehle geweint hatte.
Lorgar schwieg.
Das war nichts Neues. Lorgar hatte im Kelch geschwiegen, zehntausend Jahre lang, und Kranon hatte dieses Schweigen für eine Frage gehalten, und Thagoth hatte es für eine Prüfung gehalten, und die Götter hatten die Frage beantwortet, indem sie den Kelch in den Realraum warfen. Aber die Götter waren nicht Lorgar. Lorgar war der, der das Wort gebracht hatte. Und Lorgar schwieg weiter, auch jetzt, auch hier, mit vierzigtausend Zeugen auf einer weißen Ebene, und Thagoth hatte in dieser vierten Nacht zum ersten Mal einen Gedanken, den er sofort wieder hinlegte, wie man eine Klinge hinlegt, die man nicht ziehen will: dass die Götter geantwortet hatten und Lorgar nicht, und dass das vielleicht zwei verschiedene Antworten waren.
Nekhal saß in dieser Nacht neben ihm, wie immer, und zählte nichts, was auch eine Art zu zählen war.
„Du siehst hinauf", sagte Nekhal.
„Ich sehe nach, ob es noch offen ist."
„Und?"
„Es ist offen." Thagoth setzte sich auf. „Es wird nicht geschlossen. Das ist das Einzige, was wir sicher wissen, Bruder. Alles andere ist Zeugnis."
V. Tor Zwei
Am siebten Tag ging Malkor allein.
Thagoth hatte es nicht befohlen. Er hatte es auch nicht verboten, und das war der Fehler, den er am siebten Tag erkannte und der ihm seit Rauhgrat hätte klar sein müssen: dass es bei Malkor nichts gab, das man nicht verbieten musste. Der Sergeant fand eine Lücke im Zaun, mitten am Nachmittag, während die Kolonnen der Stadt am dichtesten den Rieselhang hinaufdrängten, und ging hindurch, mit der Axt, und Thagoth erfuhr es, als es schon geschehen war: achtzehn Männer der Stadtwehr, zwei Grüne, und dann drei Stunden Gefecht um ein Tor, das Thagoth nicht hatte haben wollen, und sechshundert Tote auf dem Hang, die meisten davon Menschen aus Salzgrund, die hatten hinaufgehen wollen.
Er stellte Malkor am Abend am Rand des Lagers, wo die Rauhgrater es nicht hörten.
„Du hast Zeugen getötet."
Malkor sah ihn an, aus dem Helm, der nicht mehr wie ein Helm aussah, und Thagoth hörte das Knurren, das an die Stelle der Stimme getreten war, und darin, tief unten, so etwas wie Worte.
„Die wollten hinauf. Zu den Grünen. Was für Zeugen sind das."
„Solche, die noch nicht gesehen haben."
„Dann haben sie jetzt gesehen."
Thagoth schwieg. Es gab auf diesen Satz keine Antwort, die Malkor gehört hätte, und es gab keine, die Thagoth hätte geben können, ohne zu lügen, denn Malkor hatte recht in dem einzigen Sinn, in dem Malkor noch recht haben konnte: Die Toten am Rieselhang hatten gesehen. Sie hatten die Axt gesehen. Das war das Zeugnis, das Malkor ablegte, seit drei Jahrhunderten, und Thagoth hatte es mitgenommen, weil acht mehr waren als sieben.
„Du gehst nicht mehr allein", sagte er. „Du gehst, wenn ich es sage, und wohin ich es sage. Wenn du noch einmal einen anrührst, der ein Licht trägt oder hinaufwill, dann bist du kein Zeuge mehr, Sergeant. Dann bist du das, was Kranon in dir gesehen hat."
Das Knurren wurde für einen Moment leiser. Dann sagte Malkor etwas, das Thagoth lange nicht mehr von ihm gehört hatte, einen ganzen Satz, in der alten Sprache.
„Kranon hat in mir gesehen, was ich bin. Du hast in mir gesehen, was du brauchst. Ich weiß nicht, wer von euch der Ehrlichere ist, Champion. Aber ich weiß, mit wem ich gegangen bin."
Er ging. Thagoth blieb stehen und sah auf die Stadt, auf den Rieselhang, wo die Rauhgrater die Toten fortbrachten, und auf den Ring darüber, auf dem in dieser Nacht mehr Laternen brannten als sonst, weil die Grünen zählten.
VI. Die Zahl
Am achten Tag rechnete er, weil der Hauptmann rechnen würde.
Er wusste nicht, was der Hauptmann wusste. Aber er wusste, was ein Hauptmann wissen musste, der eine Mauer von elf Kilometern mit weniger als achtzig Brüdern hielt und darunter eine Unterstadt, die nur ein Zaun schützte. Nekhal hatte die Grünen gezählt, die man fallen gesehen hatte: neun in acht Tagen. Wehle wusste, wie viele Rauhgrater jede Nacht kosteten, und Thagoth wusste, dass die Rauhgrater jede Nacht dazulernten, weil sie Bergleute waren und Bergleute lernen, wo der Fels nachgibt.
Ein Grüner am Tag. Zwei, bald. Der Hauptmann würde es ausrechnen, wie Thagoth es ausrechnete, auf dem Salz, mit dem Finger, und würde auf dieselbe Zahl kommen: dass er die Unterstadt nicht halten konnte, ohne die Stadt zu verlieren. Und dann würde er entscheiden. Und Thagoth wollte, dass er entschied, denn eine Stadt, die man nimmt, beweist nichts, und eine Stadt, die ihre Beschützer aufgeben, beweist alles.
Er hatte es Wehle so erklärt, und Wehle hatte genickt, und Thagoth hatte gesehen, dass der Hauptmann der Rauhgrater es verstand und dass es ihm nicht gefiel und dass er es trotzdem tun würde, weil er gesehen hatte. Das war das Merkwürdige an den Zeugen: Sie taten, was er sagte, und sie glaubten, was er sagte, und er sah in ihren Gesichtern, dass sie es trotzdem wussten. So wie Wehle weinte. So wie die Witwe Gertrun auf Rauhgrat ihm nachgesehen hatte, als er ging, mit dem Blick einer Frau, die etwas gesehen hat und weiß, dass es nicht das war, was man ihr versprochen hatte, und die trotzdem sitzen bleibt.
„Er wird die Unterstadt aufgeben", sagte er zu Nekhal in der Nacht. „In zwei Tagen, in drei. Er wird die Tore schließen."
„Und dann?"
„Dann haben wir Salzgrund. Und alle darin haben gesehen, wie man sie zurückliess."
Nekhal schwieg eine Weile. Er war der Stillste der Neun, und der Einzige, dem Thagoth in dreihundert Jahren nie eine Frage hatte verbieten müssen, weil Nekhal seine Fragen selbst zählte und die meisten nicht stellte.
„Und wenn er es nicht tut?"
„Dann fällt der Ring, und wir haben eine Million, die nichts gesehen haben, nur uns. Das will ich nicht." Thagoth sah hinauf, wo die Naht stand. „Ich werde zu ihm gehen. Morgen. Allein."
„Er wird dich töten."
„Nein. Er ist ein Sohn Vulkans. Er wird zuhören, weil er wissen will, was er tötet, und dann wird er Nein sagen, und dann wird er es trotzdem tun, weil er gerechnet hat." Thagoth stand auf. „Ich habe ihn gesehen, Nekhal. In der ersten Nacht, in den Gradierwerken. Er hat gewartet, bis eine Reihe zwischen zwei Wänden stand. Er hat nicht gezögert und nicht gezittert. Und danach ist er zu den Toten gegangen und hat ihre Namen gesagt. Ein solcher Mann rechnet, und dann tut er, was die Rechnung sagt, und dann schreibt er es auf. Ich brauche ihn nicht zu schlagen. Ich brauche nur, dass er aufschreibt, was er getan hat."
VII. Der Hauptmann
Er ging durch Salzgrund, weil er wollte, dass sie ihn sahen.
Sie standen auf, als er durch die Gassen mit den Lichtern kam, und setzten sich wieder, und er wusste, dass die Grünen auf dem Ring es sahen und dass der Hauptmann es sehen würde, wenn er unten am Tor stand: dass die Menschen der Unterstadt vor Thagoth aufstanden wie vor jemandem, dem der Raum gehörte. Es war eine Botschaft. Alles war eine Botschaft, seit Rauhgrat, und Thagoth hatte manchmal Mühe, sich zu erinnern, was er getan hatte, bevor alles eine war.
Der Hauptmann stand am Fuß des Salzsteigs, mit sechs Brüdern hinter sich, dem Sergeant, den Thagoth aus der ersten Nacht kannte, und dem Schwarzen an seiner Seite. Thagoth blieb zwanzig Schritt vor ihm stehen und ließ die Kolonne auf dem Steig verstummen, und dann sah er ihn an.
Er hatte einen Sohn Vulkans erwartet, wie er sie auf der schwarzen Ebene gesehen hatte, jung, im Sinne der Legion, mit dem Feuer noch außen. Was vor ihm stand, war alt. Nicht so alt wie er selbst, niemand war das, aber alt genug, dass das Feuer nach innen gewandert war und nur noch in der Art zu stehen zu sehen war: still, im Stehen, mit einem Flammenwerfer gesenkt und nicht bereit, mit Narben am Kiefer und einem bronzenen Drachen auf der rechten Schulter und sonst nichts. Ein Mann, der nichts trug, was er nicht brauchte.
Thagoth dankte ihm, dass er nicht geschossen hatte, und der Hauptmann sagte, er habe darauf gebaut, und Thagoth sagte Ja, weil es stimmte, und der Hauptmann sagte, dann habe er nichts zu danken, und Thagoth begriff in diesem Moment, dass er einen Mann vor sich hatte, der auf dieselbe Weise sprach wie er selbst, wenn er allein war: ohne ein Wort, das man weglassen konnte.
Er sagte ihm seinen Namen und seine Herkunft, den Sarg, die zehntausend Jahre, und sah zu, wie der Hauptmann es aufnahm, mit einer Neugier, die kalt war und nicht feindselig, wie ein Schmied ein Stück Metall ansieht, das er noch nicht kennt. Dann sagte er, was er wollte, und machte sein Angebot, und der Hauptmann fragte nach dem Sudmeister, der bei seiner Pfanne blieb, weil sie alles war, was er hatte, und Thagoth antwortete, und während er antwortete, sah das Andere.
Es sah den Schwarzen. Es sah in das narbige, ruhige Gesicht des Ordenspriesters, und Thagoth wusste plötzlich, was in dem Buch stand, das dieser Mann in seinem Kopf führte: zwei Einträge, einer vom ersten Tag, einer, der noch nicht geschrieben war. Er wusste den Satz vom Wehrgang. Er wusste, dass der Priester ihn zweimal hatte sagen lassen.
„Nein", sagte der Hauptmann.
Thagoth nickte. Er hatte kein Ja erwartet. Ein Ja wäre wertlos gewesen, denn ein Ja hätte bedeutet, dass der Hauptmann die Unterstadt an ihn übergab, und eine übergebene Stadt bezeugt einen Handel. Er brauchte ein Nein und danach die Tat. Er brauchte, dass dieser Mann seine Lehre selbst brach, ohne Handel, aus Rechnung, und es aufschrieb.
„Dann werde ich warten, bis du es ohne mich sagst", sagte er, und wandte sich zu dem Schwarzen, mit allen vier Augen, weil das Andere ohnehin hinsah, und sagte ihm seinen eigenen Satz. Er sah die Erschütterung im Gesicht des Priesters, und es machte ihm keine Freude, und er hatte es trotzdem getan, weil ein Zeugnis vollständig sein musste, und weil er wollte, dass dieser Priester wusste, dass er gehört wurde.
Auf dem Rückweg durch die Gassen standen die Menschen auf und setzten sich wieder. Thagoth ging langsam. Er dachte an die Worte des Hauptmanns: Du hast gerechnet. Er dachte daran, dass niemand auf dem Kelch ihm je gesagt hatte, dass er rechnete. Kranon hatte gerechnet. Thagoth hatte geglaubt. Das war die Trennung gewesen. Und jetzt stand er auf einer Salzebene, und ein Sohn Vulkans hatte ihm in drei Worten gesagt, was er geworden war, und er hatte Ja gesagt, weil es stimmte.
„Ein ehrlicher Mann", hatte er über den Hauptmann gesagt, und er hatte es gemeint, und er stellte fest, dass er es lange über niemanden mehr gemeint hatte.
VIII. Dhorvak
Der Hauptmann ließ die Frist ausrufen, und Thagoth wartete nicht.
Er hatte Wehle die Befehle gegeben, bevor der Brückenwart der Unterstadt mit seiner Kanalstimme durch die Gassen ging: alle drei Tore, in der vierzehnten Stunde, mit allem, ohne Lichter. Nekhal hatte gefragt, warum. Wenn der Hauptmann die Tore ohnehin schloss, warum die Nacht kaufen, mit Rauhgratern, die man behalten konnte.
„Weil er sie nicht schließen wird, wenn wir ihn lassen", hatte Thagoth gesagt. „Er hat sechsunddreißig Stunden gesagt, und er wird sechsunddreißig Stunden lang jeden hindurchziehen, der kommt, und am Ende wird er stehen und das Gitter ansehen und nicht ziehen, weil noch einer kommt und noch einer. Ich habe ihn gesehen, Nekhal. Er trägt sie selbst. Er wird die Frist nicht halten, wenn niemand ihn zwingt, sie zu halten. Also zwingen wir ihn. In der Nacht, damit er sieht, was jede Stunde kostet, die er die Tore offen lässt."
„Du hilfst ihm, sein Wort zu halten."
„Ich helfe ihm, es zu brechen. Das ist dasselbe Wort."
Er hatte den Neun verboten, an die Tore zu gehen. Die Tore waren Sache der Rauhgrater, und die Neun waren Zeichen, keine Speerspitzen, und ein Zeichen, das man an einem Tor verlor, war keines mehr. Malkor hatte genickt, was nichts bedeutete. Die anderen hatten genickt, was etwas bedeutete. Dhorvak hatte genickt und gelächelt, und Thagoth hätte es sehen müssen, und er sah es erst, als das Andere es ihm zeigte.
Es war die achtzehnte Stunde. Thagoth stand am Rand des Lagers und hörte den Kampf um die drei Tore als ein einziges Geräusch, wie Regen auf Blech, und dann hörte er darin einen Ton, der auf und ab ging, näher an den Toren, als er sein durfte, und er wusste, wer sang.
Dhorvak war der Jüngste. Er war auf dem Kelch geboren worden, in einem Sinn, in dem Astartes geboren werden: aus einer Gensaat, die die Verlorenen in den ersten Jahrhunderten noch hatten pflegen können, bevor der letzte Apothecarius starb, und er hatte den Realraum nie gesehen, bis der Kelch in ihn fiel. Er hatte alles, was er wusste, aus den Litaneien, und er war Thagoth gefolgt, weil Thagoth der Einzige gewesen war, der die Litaneien nicht bezweifelte. Er war der Reinste der Neun. Er war der Einzige, der nie eine Frage gestellt hatte, auch nicht die, die Nekhal stellte, ohne sie auszusprechen.
Das Andere sah ihn im Torbogen von Tor Drei. Es sah den grünen Hauptmann mit dem Flammenwerfer, aus vier Metern, und es sah Dhorvak brennen und sich umdrehen und lächeln, und es sah die Klinge, und Thagoth hörte, was Dhorvak sagte, jedes Wort, und dann sah es den Schwarzen und das Krosius und dann nichts mehr.
Ich habe gesehen. Ich bezeuge es.
Thagoth stand auf dem Salz. Um ihn herum brannten die Feuer des Lagers. Er stellte fest, dass er das Gesicht nicht bewegte, und dass Nekhal ihn ansah, und dass Nekhal wusste.
„Dhorvak", sagte Nekhal.
„Ja."
„Er hat es so gewollt."
„Ja."
Nekhal zählte. Thagoth sah ihm an, dass er zählte, und wusste, welche Zahl es war: acht. Acht von neun. Keiner kam nach. Es gab keinen Apothecarius, keine Gensaat, keine Aspiranten, keinen Kelch mehr, der neue Brüder aus alten Sippen zog. Jeder der Neun, der fiel, war ein Neuntel der Zeugen der Wunde, und es wurde nicht ersetzt, und Thagoth hatte das gewusst, als er den Kelch verließ, und hatte es Zeugnis genannt.
Dhorvak hatte es Zeugnis genannt, mit der Klinge im Leib, lächelnd. Das war die Lehre. Das war, was Thagoth ihm beigebracht hatte, im Kelch, in den drei Jahrhunderten, in denen der Junge zugehört hatte: dass der Tod eines Zeugen die letzte, unwiderlegbare Bestätigung ist. Und er hatte recht behalten. Dhorvak hatte es bestätigt. Es war vollkommen.
Thagoth betete in dieser Nacht nicht zu Lorgar. Er stellte fest, dass er es nicht konnte, und dass er nicht wusste, warum, und legte auch diesen Gedanken hin.
IX. Das Tor fällt
Um Mitternacht hörte er die Gitter fallen, alle drei, und dann die Schreie vom Steig, und er stand am Rand des Lagers und hörte zu, wie man einem Zeugnis zuhört, das man selbst bestellt hat.
Am Morgen ging er hinein.
Er hatte Wehle die Regeln gegeben, in der Nacht, jedem Zug einzeln, damit keiner sagen konnte, er habe sie nicht gehört: Niemand wird angerührt. Niemand wird aus einem Haus geholt. Brot auf dem Platz, für alle, die kommen; wer nicht kommt, kommt nicht. Wer hinaufwill, geht hinauf, und wenn die Grünen ihm das Tor öffnen, dann öffnen sie es. Die Neun gehen nicht in die Gassen, außer mit ihm.
Malkor ging in die Gassen, mit dreien der Neun, die ihm seit dem Kelch näher standen als Thagoth: Vashtor, Vhorne und Sarrun, die in ihm etwas sahen, das Thagoth nicht war. Und in der Gasse hinter dem dritten Siedehaus hob ein Junge ein Lasergewehr, das die Stadtwehr in der Nacht liegen gelassen hatte, und Malkors Brüder waren schneller, und der Junge fiel, und die drei gingen weiter.
Thagoth erfuhr es auf dem Platz. Nekhal sagte es ihm, leise, während die Rauhgrater das Brot von den Transportern trugen. Er stand und hörte es und tat nichts, weil alles, was er hätte tun können, in diesem Moment vor dreitausend Menschen geschehen wäre, die zum ersten Mal auf den Platz kamen, und weil ein Champion, der seinen Sergeant vor ihren Augen richtet, ihnen etwas zeigt, das sie nicht sehen sollten. Also sprach er. Er sagte ihnen, dass niemand angerührt werde. Er sagte es, während der Junge hinter dem dritten Siedehaus lag, und er hörte selbst, wie es klang, und sprach weiter.
Danach, noch am selben Morgen, sprach er zu dem Hauptmann.
Er wusste die Frequenz, wie er die Worte des Priesters gewusst hatte, und er nahm ein Voxgerät der Rauhgrater und stellte es ein, mit den Fingern, die zu groß dafür waren, und sprach hinein, leise, als sei die Stimme nur für einen bestimmt, was sie war. Er sagte dem Hauptmann, dass er ihnen die Wahl gelassen habe. Dass er es bezeugen werde. Dass er ein ehrlicher Mann sei.
Der Hauptmann antwortete nicht. Das Andere sah ihn auf dem Wehrgang stehen und den Vox abstellen, langsam, wie ein Werkzeug, das man noch brauchen wird, und Thagoth wusste, dass er gehört worden war, und das war alles, was er gewollt hatte.
In der Nacht ging er zu dem Ort hinter dem dritten Siedehaus und stand vor dem Toten und sah ihn an, bis die Rauhgrater kamen, um ihn zu begraben, ordentlich, mit einem Stein. Er sagte ihnen nicht, dass sie es tun sollten. Sie taten es. Das war Wehles Tat, nicht seine, und er wusste es.
Er hatte es gemeint. Er stellte es hinterher fest, wie er alles hinterher feststellte: dass er den Mann auf der Mauer nicht verachtete und nicht bemitleidete und dass er ihn mit einem Wort bezeichnet hatte, das er auf dem Kelch nur für einen einzigen Menschen gebraucht hatte, und der hatte Kranon geheissen, und ihn hatte er verlassen.
X. Der Brückenwart
Es gab in Salzgrund einen Mann, der nicht hinaufsah, und Thagoth ging am vierten Tag zu ihm, weil ihn nichts in der Unterstadt so beunruhigte wie dieser eine.
Wehle hatte ihn erwähnt, am ersten Morgen: ein Alter an einem Kanal, der Räder drehte, damit die Siedehäuser nicht brannten. Die Rauhgrater redeten von ihm. Die Zeugen in den Gassen redeten von ihm, weil die Wärme, die abends durch die Gassen zog, von seinen Rädern kam, und weil er an ihnen vorbeiging, jeden Tag, ohne sich hinzusetzen und ohne sie anzusehen, wie man an etwas vorbeigeht, das nicht sein Amt ist.
Thagoth stand vor der Brücke und sah auf das Rad, auf den Kanal, auf die Sole, die darin lief, und dann auf den Mann, der so klein war, dass Thagoth sich hätte hinlegen müssen, um auf seine Höhe zu kommen, und der ihn ansah, ohne Furcht, ohne Ehrfurcht, ohne irgendetwas außer der Höflichkeit eines Mannes, der gerade eine Pfanne gefüllt hat und in einer Viertelstunde die nächste füllen wird.
Er fragte ihn, warum er nicht hinaufsehe, und der Mann sagte, weil da nichts sei, was er bedienen könne.
Thagoth hatte auf Rauhgrat vierzigtausend bekehrt und auf Eschenwerth dreiundzwanzigtausend, und keiner von ihnen hatte je etwas gesagt, worauf er keine Antwort gehabt hätte. Auf diesen Satz hatte er keine. Er stand und hörte den Kanal laufen. Das Andere unter seinem Kiefer sah auf das Rad, und Thagoth begriff, dass es zum ersten Mal, seit er es kannte, dasselbe ansah wie er.
„Dann bezeuge den Kanal", sagte er schließlich, und er wusste selbst nicht, ob es Spott war oder das Ehrlichste, was er seit Rauhgrat gesagt hatte.
Er fragte nach dem Hauptmann, und der Alte sagte ihm, was der Hauptmann gesagt hatte: dass beides stehe. Thagoth hatte es gewusst. Er hatte es trotzdem hören wollen, von einem Mund, der nicht seiner war und nicht der des Anderen, und als er es gehört hatte, nickte er und ging und ließ Brot zur Brücke bringen, jeden Abend, und hörte, dass der Alte es am ersten Abend liegen ließ und am zweiten einer Witwe brachte, die nicht mehr auf den Platz kam, weil sie zu schwach war.
Am vierundzwanzigsten Tag der Belagerung ging Malkor zu den Brücken.
Thagoth wusste es, als es begann, weil das Andere es sah: den dritten Schieber, Vashtor am Rad, die Rieselleitung zu den stillen Pfannen, deren Ablauf in die unteren Gassen führte, zu den sieben dunklen Häusern. Er wusste, was Malkor wollte, und er wusste, dass es Malkors Zeugnis war: dass die, die nicht sahen, ertrinken sollten in dem, was sie bedienten. Und er sah den Alten laufen, zweiundsechzig Jahre, mit krummem Rücken, vierzig Meter, und sich zwischen das Rad und den Astartes stellen, und er sah, dass der Alte an nichts dachte, sondern nur das Rad hielt.
Thagoth stand auf dem Siedeplatz, drei Gassen entfernt. Er hätte gehen können. Er wäre zu spät gekommen. Also sprach er, ohne Vox, wie er auf dem Platz sprach, mit der Stimme, die keine Verstärkung brauchte, zwei Wörter über die Dächer.
„Malkor. Nein."
Er hörte, dass die Axt nicht fiel. Er sah, wie Malkor sich umwandte und ging, ohne Eile, und wie der Alte das Rad um eine Viertelumdrehung zurückdrehte, mit zitternden Händen.
Nekhal stand neben ihm. „Warum?", fragte er. Er fragte selten, und wenn, dann so.
Thagoth dachte darüber nach, weil Nekhal es verdiente.
„Weil ein Zeugnis, das man erzwingt, keines ist", sagte er. „Und weil er der Einzige in dieser Stadt ist, der mich widerlegen kann. Solange er den Kanal bedient, ohne hinaufzusehen, gibt es einen, der nicht gesehen hat und trotzdem steht. Wenn ich den ertränke, habe ich bewiesen, dass ich ihn fürchte." Er sah zu der Gasse, in der die Brücken lagen. „Ich will nicht beweisen, Nekhal. Ich will, dass gesehen wird. Auch das."
Nekhal nickte und zählte nichts.
XI. Was die Götter hören
Am achtundzwanzigsten Tag kam ein Mann vom Ring herunter, an einem Seil, in der Nacht, ein Soldat der Stadtwehr, der nicht mehr wollte, und die Rauhgrater brachten ihn zu Thagoth, und er sagte, was er wusste, ohne dass man ihn fragte, weil er es jemandem sagen wollte, dem es etwas bedeutete.
Er sagte, dass Hilfe komme. Am vierzigsten Tag nach der Landung der Grünen. Ein Verband eines anderen Ordens, Gold, von einer Kettenfeste, von der er den Namen nicht wusste. Er sagte, dass die Grünen es wüssten und die Stadtwehr es wüsste und dass die Oberstadt es wüsste, und dass sie zählten, jeden Tag, und dass er es nicht mehr ausgehalten habe, zu zählen und hinunterzusehen.
Thagoth ließ ihm Brot geben und ließ ihn gehen, wohin er wollte, und der Mann setzte sich auf den Platz und sah hinauf.
Zwölf Tage.
Thagoth stand in dieser Nacht auf dem Siedeplatz, allein, zwischen den Lichtern, die nicht ausgingen, weil der Wind nicht bis hierher kam, und rechnete, wie der Hauptmann gerechnet hatte, und kam auf dieselbe Zahl: Am vierzigsten Tag würden aus dem Warp Schiffe fallen, und Männer in Gold würden auf der Ebene landen, um eine Stadt zu befreien, die stand, und würden eine Unterstadt finden, die saß, mit Kerzen. Dreiundzwanzigtausend, die gesehen hatten. Achttausend Rauhgrater weniger als bei der Landung. Acht Zeugen der Wunde.
Er konnte gehen. Die Transporter flogen noch. Er konnte die Neun, die acht waren, und Wehle und die, die mitwollten, auf die Ebene bringen und fort sein, bevor das Gold landete, und Salzgrund würde sitzen bleiben und sehen, und das Zeugnis wäre abgelegt. Ein Zeugnis braucht nicht den, der es ablegt. Es braucht nur die, die es gesehen haben.
Oder er konnte bleiben.
Er dachte an Dhorvak, der gelächelt hatte. Er dachte an den imperialen Bericht, den es noch nicht gab und den es geben würde, so oder so, und der von neun Astartes sprechen würde, und an das, was Kranon damit tun würde, wenn Ashkelis Vorr ihn aus dem Rauschen zog: eine Gedenkzeremonie, nach den ältesten Traditionen, klein und privat, mit einer Stimme, die sagte, sie hätten geglaubt, was sie glauben mussten. Er dachte daran, dass Kranon recht haben würde, und dass es nichts änderte.
Er dachte an den Alten an der Brücke, der nicht hinaufsah und stand.
Dann kniete er sich hin, auf dem Siedeplatz, zwischen den Kerzen, so dass die Zeugen, die noch wach waren, es sahen, und betete zu Lorgar, zum ersten Mal seit der Nacht von Tor Drei. Er sagte ihm, dass es in zwölf Tagen vollendet sein werde. Er sagte ihm, dass die Menschen der Unterstadt am vierzigsten Tag auf der Ebene stehen würden, mit ihren Lichtern, alle, die wollten, damit die Männer in Gold sie sähen, bevor sie irgendetwas anderes sähen: dreiundzwanzigtausend, die der Imperator zurückgelassen hatte und die zurückgelassen worden waren und die trotzdem da waren. Dass das ein Zeugnis sei, das man nicht widerlegen könne. Dass er selbst dabei stehen werde. Er sagte ihm, dass die Götter geantwortet hätten und er, Lorgar, nicht, und dass er bereit sei, das als zwei Antworten zu nehmen, wenn es zwei seien, und dass er nur einmal wissen wolle, welche.
Lorgar schwieg.
Das Andere unter seinem Kiefer sah hinauf, zur blassen Naht am Himmel, mit seinen kleinen schwarzen Augen, lange, wie es nie zuvor irgendwohin lange gesehen hatte.
Thagoth sah es nicht. Er sah auf das Salz vor seinen Knien, in dem eine Kerze stand, die jemand hatte stehen lassen, der hinaufgegangen war, und die noch brannte.
„Zwölf Tage", sagte er, zu niemandem, und stellte fest, dass es derselbe Satz war, den der Hauptmann auf seiner Mauer sagte, jeden Morgen, mit einer anderen Zahl, und dass er nicht wusste, wer von ihnen beiden ihn zuerst gesagt hatte.
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