
62. Ossenfeld-Schützen
„Halt die Naht. Teil das Brot. Zähl, wer fehlt. Und wenn der Deichgraf öffnet, frag nicht, wessen Feld ertrinkt.“
Geschichte: Der Totlauf
Kerndaten
| Regimentstyp | Linieninfanterie – Lasergewehr, vier Ladepacks, Flakrüstung; das Rückgrat |
|---|---|
| Munitorum-Kennung | OSF-62-R/932-LI |
| Heimatwelt | Ossenfeld |
| Sollstärke | 1.020 |
| Ist-Stärke | 412 |
| Loyalitätsstatus | Loyal |
| Herkunft | Eigene Erfindung |
Die Säulen
Die Naht
Auf Ossenfeld bricht kein Deich als Ganzes, er bricht an einer Naht. Die Schützen denken in Stellungen so wie ihre Väter in Deichkammern: Jeder Abschnitt hat einen Mann, der für ihn haftet, und wer seine Naht verlässt, gefährdet alle anderen. Eine Linie besteht aus Leuten, die wissen, wo sie stehen. Das macht die 62. zäh in der Verteidigung und schwerfällig im Angriff, denn ein Mann, der seine Naht verlassen soll, fühlt sich wie ein Deserteur.
Das Brot
Nach der Flut kommt drei Wochen lang kein Karren durch. Ossenfelder lagern deshalb, teilen ab und rechnen in Tagesrationen, bevor sie in Kugeln rechnen. Im Feld heißt das: versteckte Depots, abgezählte Ladungen, Kantinen, die nie ganz leer getrunken werden. Die Quartiermeister anderer Regimenter halten sie für Hamsterer und Diebe. Die Schützen halten jeden für einen Narren, der dem Nachschub glaubt. Seit Karnau gilt das als bewiesen.
Die Zählung
Jeden Abend werden die Namen verlesen, auch die der Fehlenden. Wer vermisst ist, bleibt auf der Liste, bis jemand ihn gesehen hat, tot oder lebendig. Die Antwort für einen Fehlenden heißt „Schwebt“. Bis 936.M41 verlas das Regiment die 160 Namen der Kompanie Drei jeden Abend. Kein Kommissar hat diese Liste je verbieten können. Man ließ sie lediglich kürzer werden, wenn Gefallene bestätigt wurden.
Der Gehorsam
Wenn eine Kammer überläuft, öffnet der Deichgraf die Schleuse zur Nachbarprovinz und ertränkt deren Ernte, manchmal auch deren Häuser, um vier andere zu retten. Ossenfelder lernen als Kinder, dass dieser Befehl richtig ist und dass man ihn nicht diskutiert. Das Regiment glaubt deshalb, dass ein Befehl, der Menschen opfert, nicht falsch wird, nur weil man die Menschen kennt. Am Steg von Karnau waren es ihre eigenen.
Weitere Kerndaten
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Rufname | Die Schwebenden |
| Herkunft des Namens | Im Gefecht erworben: Nach dem Steg von Karnau stand ihre Kompanie Drei auf der Schwebeliste, und die Nachbarregimenter übertrugen das Wort auf das ganze Regiment. |
| Regimentstyp | Linieninfanterie |
| Gründung | 932.M41 |
| Tithe-Stufe | Exactis Tertius |
| Schlachtruf | „Die Naht hält!“ |
Aushebung, Heimatwelt & Kultur
Aushebung und Tithe
Die 62. wurden 932.M41 im regulären Zehnt ausgehoben, allerdings vorgezogen: Ein Kriegsschauplatz drei Sprünge entfernt verlangte Linieninfanterie, und das Munitorum zog den nächsten Jahrgang achtzehn Monate früher ein. Auf Ossenfeld heißt Konskription, dass der Planetengouverneur ganze Geburtsjahrgänge zweier Provinzen auf einmal nimmt. Ein Dorf verliert dann nicht einen Sohn, es verliert alle Neunzehnjährigen am selben Morgen auf dem Landeplatz Ossenfeld-Nord. Wer umdreht, erzürnt die Ausbilder, also dreht sich keiner um. Die Konskribierten kennen einander von Kindheit an, was die Kompanien zusammenschweißt und jeden Verlust zu einem Verlust des eigenen Dorfes macht. Der Gouverneur schickte gut gedrillte, vollständig eingekleidete Jahrgänge, denn ein mangelhafter Zehnt wird mit dem Tod bestraft. Er tat es ohne Pflichtgefühl: Ossenfeld lieferte die 59. drei Jahrzehnte zuvor mit fehlenden Mänteln aus, und sein Vorgänger wurde dafür am Landeplatz Ossenfeld-Süd erschossen.
Was die Heimatwelt verlor
Die Provinzen Westmarsch und Kammerland verloren 932.M41 ihre Deichläufer, die jungen Männer und Frauen, die bei Flut die Nähte abgehen und Bruchstellen melden. Die Deichmeister halten seither ganze Provinzen allein. Die Flutwache, eine Sandsackkette von vierzig Leuten zwischen Kammer und Schleuse, wird in Westmarsch mit elf Alten und Kindern gelegt, die doppelt so lange brauchen. Das Seilknoten der Schleusentaue, das nur Neunzehn- bis Zwanzigjährige im Wettstreit lernten, wird nicht mehr unterrichtet. Die Kammerlieder, mit denen die Läufer einander durch Nebel riefen, singt man jetzt in Kapellen, langsam und ohne Antwort.
Die Heimatwelt
Ossenfeld liegt tief, zum größten Teil unter dem Spiegel seiner flachen Meere. Seine Felder sind Deichkammern, mit Erde und Plaststahl eingefasste Becken, in denen Getreide und Faserpflanzen wachsen, solange die Deiche halten. Zweimal im Jahr kommen Fluten, die das Land wochenlang abschneiden. Das Klima ist feucht, windig und kühl, der Himmel selten frei. Gesellschaftlich steht der Deichmeister über allem: Er hält eine Kammer oder Provinz, seine Entscheidung über Schleuse und Flutung ist Gesetz, und seine Familie stellt die Deichläufer. Die Ekklesiarchie unterhält Kapellenhäuser, in denen Flutgebete gesprochen werden. Die Post kommt erst, wenn das Wasser unter die Markierung fällt.
Daraus entstehen brauchbare Soldaten. Ossenfelder schaufeln, seit sie stehen können, sie lesen Gelände nach Wasser und Schwachstellen, sie arbeiten bei Nässe und Kälte ohne Klage, und sie sind gewohnt, wochenlang von ihrem Vorrat zu leben. Sie gehorchen einer einzigen Autorität vorbehaltlos. Das macht sie zu verlässlicher, wenig einfallsreicher Linieninfanterie.
Der Nachteil, den sie mitbringen
Ossenfelder graben nicht tief. Zu Hause bedeutet ein Loch unter die Grundwasserlinie, dass die Kammer von unten aufweicht. Jedes Kind lernt, dass man aufschüttet, statt auszuheben. Im Feld bauen die Schützen deshalb Brustwehren und Wälle aus Sandsäcken und Erde, sauber verdichtet, aber flach, und sie meiden Unterstände. Kein Befehl hat diesen Reflex ganz ausgetrieben.
Auf Druwen, 933.M41, lag die Kompanie Fünf unter Artilleriefeuer in einem Grabensystem, das die Pioniere einen Meter zu flach angelegt hatten, weil Unteroffiziere und Mannschaften es nach ihrem Gefühl für Wasser zurückgeschüttet hatten. Das Gelände war trocken. In einer Nacht starben 31 Schützen durch Splitter, die eine tiefere Sohle abgefangen hätte. Seitdem misst der Stab jede Grabensohle mit einer Latte nach. Die Männer nennen sie „die Schande“ und benutzen sie trotzdem.
Regimentskultur
Der Drill ist schlicht und unablässig: Lasergewehr reinigen, Ladungen zählen, Stellung verdichten. Ein Unteroffizier prüft weniger den Gleichschritt als die Brustwehr. Gesungen wird das „Kammerlied“, ein Arbeitsgesang im Takt des Schaufelns, in dem jede Strophe eine Kammer Ossenfelds aufzählt und fragt, ob sie hält. Der Chor antwortet „Sie hält“. Bei Verlusten wird eine Strophe ausgelassen, und jeder weiß, welche.
Den Aberglauben der Naht haben die Offiziere aufgegeben: Niemand näht vor einem Gefecht einen Riss in der Uniform zu, weil eine geschlossene Naht „ihre Probe schon hatte“. Deshalb hängt das Grün an den Nähten in Fetzen.
Die Transportdecks riechen nach nasser Wolle, Waffenöl und dem Torf, den einige in Säckchen von zu Hause mitbrachten. Man hört Schaufeln auf Metall, auch wo es nichts zu graben gibt. Die Schnapsration wird gesammelt, nicht getrunken: ein Krug pro Zug, geöffnet nur nach einer Flut, also nach einem Sturmangriff oder Wolkenbruch, den man überlebt hat.
Ihre Toten begraben die Schützen, wenn Zeit ist, auf einer Anschüttung, nie in einer Grube, mit dem Gesicht zur vermuteten Richtung der Heimat. Ohne Zeit nehmen sie die Erkennungsmarke, ritzen die Nummer OSF-62- in den nächsten Stein und rufen den Namen bei der Abendzählung mit der Antwort „Schwebt“.
Das Kommissariat
Das Regiment hat mit seinen Kommissaren Frieden geschlossen, weil diese begriffen haben, wem es gehorcht. Ein Ossenfelder, der einem Deichgrafen folgt, braucht keinen Kommissar, der ihn vorantreibt. Er braucht einen, der bezeugt, dass ein Befehl rechtmäßig war. Genau dazu werden die Kommissare benutzt: Seit Karnau unterschreibt die Hauptkommissarin jede Order mit, die Verluste in Kauf nimmt. Hinrichtungen sind selten. Die einzige seit Gründung, 933.M41, traf einen Mann, der Rationen seines Zuges an Händler verkaufte. Das Regiment fand das gerecht.
Dienstgrade & Gliederung
Dienstgrade
Dienstgrad Deichknecht
Beschreibung
Munitorum-Rang: Soldat · Anrede: „Knecht“
Dienstgrad Nahtwart
Beschreibung
Munitorum-Rang: Unteroffizier · Anrede: „Wart“
Dienstgrad Kammerwart
Beschreibung
Munitorum-Rang: Leutnant · Anrede: „Kammer“
Dienstgrad Schleusenmeister
Beschreibung
Munitorum-Rang: Hauptmann · Anrede: „Meister“
Dienstgrad Provinzwart
Beschreibung
Munitorum-Rang: Major · Anrede: „Herr Provinz“
Dienstgrad Deichgraf
Beschreibung
Munitorum-Rang: Oberst · Anrede: „Graf“
Aufbau
Die Sollstärke von 1.020 setzte sich 932.M41 aus einem Regimentsstab von 60 und sechs Kompanien zu je 160 zusammen. Jede Kompanie hatte einen Schleusenmeister mit Kommandotrupp (10), drei Züge zu je 45 (Kammerwart mit Kommandotrupp von fünf, vier Trupps zu zehn) und einen schweren Waffentrupp von 15 mit Autokanonen und Raketenwerfern. Artillerie und Panzer besitzt das Regiment nicht. Die Ist-Stärke von 412 verteilt sich auf: Stab 40, Kompanie Eins 88, Kompanie Zwei 74, Kompanie Vier 96, Kompanie Fünf 61 und die neue Kompanie Sechs mit 53 Mann aus Varreth. Die Kompanie Drei, Einheitsnummer OSF-62-K3, existiert für das Regiment nicht mehr: Ihre 19 Überlebenden wurden 936.M41 umbenannt, neu gekennzeichnet und einem anderen Regiment zugeteilt. Die ursprüngliche Kompanie Sechs ging 935.M41 in den übrigen auf. Kein Zug hat noch vier vollständige Trupps.
Teilregimenter
Name 58. Ossenfeld-Schützen, „die Zweitgefluteten“
Rolle / Anmerkungen
Linieninfanterie. Oberst Rendel Kaasbeck, dem ein Granatsplitter das linke Ohr nahm. 919.M41 vollständig aufgerieben, 924.M41 neu aufgestellt. Die neuen Jahrgänge erbten Nummer, Standartenstange und eine unbezahlte Munitorum-Schuld von 4.000 Rationen, die man ihnen bis heute abzieht. Steht im Garnisonsdienst einer Grenzwelt.
Name 62. Ossenfeld-Schützen, „die Schwebenden“
Rolle / Anmerkungen
Linieninfanterie. Oberst Aldo Venkhaus, grauer Bart, der an der rechten Seite nie nachwächst. Nach Karnau und den Teskar-Hängen bei 412 Mann. Ein Neuaufstellungsantrag liegt seit 936.M41 unbeantwortet.
Name 65. Ossenfeld-Deichgräber
Rolle / Anmerkungen
Schanzregiment für Befestigungsbau. Oberstin Tjarke Hollm, deren Handflächen seit einem Promethiumbrand glatt und narbenlos glänzen. Baut an einer Belagerungslinie, deren Weltnamen die Zensur schwärzt; Stärke vermutlich unter der Hälfte.
Kommandostab
Kommandostab
Name Oberst Aldo Venkhaus
Titel / Rolle Deichgraf
Beschreibung
54 Jahre, hager, ein grauer Bart, der rechts nie nachwuchs, seit ihn dort ein Laserstreifschuss verbrannte. Er trägt den Messstab eines Deichmeisters, eine Latte aus dunklem Holz mit Kerben, mit der er Grabensohlen und, wie die Männer behaupten, auch Befehle misst. Venkhaus wägt alles und greift spät an. An den Teskar-Hängen ließ er drei Tage verstreichen, bis die Artillerie eines Nachbarregiments den Grat zerschlagen hatte. Er verlor dabei 40 Mann statt der geschätzten 200. Die Varrether rechts von ihm, die nicht warteten, verloren in denselben drei Tagen fast alles. Ihre Reste stehen heute in seiner Kompanie Sechs.
Zitat
„Ein Deich, den man zu früh öffnet, ertränkt mehr, als er rettet. Ich öffne spät. Dafür hasst man mich. Damit kann ich leben.“
Name Hauptkommissarin Irmeline Sarc
Beschreibung
Mitte vierzig, aus der Schola Progenium, breit, mit einem schief verheilten Nasenbein und einer Stimme, die über Artillerie trägt. Ihre Bolterpistole trägt sie selten. Ihr wichtigstes Gerät ist ein Siegelstempel, mit dem sie Befehle gegenzeichnet. Am Tag nach dem Verlust des Stabsquartiers am Steg stand sie neben Venkhaus, als die Order zur Sprengung kam, las sie zweimal und setzte ihr Siegel darunter. Sie hat nie behauptet, es sei falsch gewesen. Sie hat aber die Abendzählung der Kompanie Drei gegen einen Lord-Kommissar verteidigt, der sie verbieten wollte.
Zitat
„Ich habe die Order gezeichnet. Also hört ihr mich auch die Namen verlesen.“
Name Feldchirurgin Wenna Drost
Beschreibung
Leitende Medicae, dürr, rotblond, mit einer ewig beschlagenen Vergrößerungslinse an einer Kette um den Hals. Sie behandelt Ruhr häufiger als Schusswunden und führt ein eigenes Buch, in dem sie Krankheitstote nach Ursache verzeichnet, darunter jene 23, die an den Teskar-Hängen am Hunger starben. Einem Leutnant, der verlangte, sie solle Rationen für Verwundete kürzen, zeigte sie dieses Buch, Seite um Seite, bis er ging.
Zitat
„Der Feind tötet sie schneller. Aber wir sind es, die es öfter tun.“
Angehängtes Personal
| Personal | Anzahl | Herkunft |
|---|---|---|
| Kommissare (inkl. Hauptkommissarin) | 6 | Commissariat |
| Feldprediger | 9 | Ekklesiarchie |
| Ekklesiarchie-Diener | 24 | Ekklesiarchie |
| Sanktionierte Psyker | 2 | Scholastica Psykana |
| Enginseer | 1 | Adeptus Mechanicus |
Die Reibung zeigt sich bei der Verpflegung: Feldprediger und Psyker erhalten Rationen aus Linien, die das Regiment nicht anrühren darf, und in Hungerwochen spürt jeder, wer satt ist.
Die Regimentsstandarte
Die Standarte ist ein Streifen geteerten Segeltuchs aus einer Deichplane, grün, mit einer aufgenähten Deichkontur in Lehmocker und der Zahl 62. An der Stange aus Plaststahl hängen zwei Bronzeschilde der Alten Zweiundsechziger und seit 933.M41 ein drittes für Druwen. Für Karnau gibt es keine Ehre, sondern einen Knoten aus Schleusentau, einen für jeden der 141 Toten der Kompanie Drei. Sie wäre fast verloren gegangen, als ihr Träger am Steg fiel und sie ins Wasser rutschte. Ein Deichknecht zog sie heraus, an der Naht, wie man einen Ertrinkenden zieht.
Der Makel
Der Makel
Karnau ist der Riss, durch den seither alles läuft. Die Ursache ist dokumentiert: Der Verlustbericht von Hauptmann Corvan Altmaier, Kompanie Vier, gibt für den 35. Tag 934.M41 die Sprengung als „befohlen, gegengezeichnet, ausgeführt“ an und darunter, gegen jede Vorschrift, eine Zeile: „Lichtzeichen vom Ostufer nach der Sprengung beobachtet.“ Die Zeile wurde nie beantwortet.
Im Alltag zeigt sich der Makel in der Abendzählung, die bis 936.M41 eine Stunde dauerte. Er zeigt sich auch darin, dass kein Ossenfelder mehr eine Brücke oder einen Damm hinter sich zurücklässt, ohne einen Mann darauf stehen zu lassen. Im Gefecht weigern sich Kompanien, sich vom Feind zu lösen, solange Vermisste ungezählt sind. Das hat die 62. auf Teskar weitere Tote gekostet. Sie erzählen sich, sie seien das Regiment, das niemanden vergisst. Wahr ist, dass sie einmal jemanden verlassen haben.
Andere Regimenter sagen, wenn die 62. nicht dabei sind, man solle sich nie neben die Schwebenden legen, denn sie zählen einen schon mit, bevor man gefallen ist. Wird das Regiment neben einem fremden einquartiert, fragen seine Nahtwarte am ersten Abend nach dessen Vermisstenliste. Die meisten Nachbarn ziehen dann eine Zeltreihe weiter.
Die Rückkehr der 19 im Jahr 936.M41 heilte nichts. Sie bewies nur, dass Licht am anderen Ufer gewesen war.
Ein Fehler des Munitorum
Mit dem Stabsquartier am Steg ging auch das Requisitionssiegel der 62. verloren, weshalb das Regiment unter einer neuen Nummer neu beantragen musste. Ordinat Corrin prüfte den Antrag gegen den Bestand, fand die alte Nummer OSF-62-K3 noch aktiv beliefert und sperrte die neue als mögliche Doppelbuchung. Neun Wochen lang gingen Rationen, Verbandsmaterial und Munition an eine Kompanie, die das Munitorum als vermisst führte, während die lebenden 625 auf den Teskar-Hängen leer ausgingen. Feldchirurgin Drost verzeichnete in diesen Wochen 23 Tote durch Hunger und Ruhr. Der Totlauf, der die 19 am Leben hielt, wurde damit von den Überlebenden des Regiments bezahlt.
Bekannte Feldzüge
Feldzüge
Name Druwen
Epoche 933.M41, im zweiten Monat nach der Landung
Gegner Abtrünnige planetare Verteidigungskräfte
Dauer fünf Monate
Ausgang Sieg durch Zermürbung.
Erzählung
| Zeit | Schauplatz | Gegner | Dauer |
|---|---|---|---|
| 933.M41, im zweiten Monat nach der Landung | Druwen, trockene Hügelländer | Abtrünnige planetare Verteidigungskräfte | fünf Monate |
Die 62. landeten unerprobt und wurden sofort in einen Grabenkrieg gegen Truppen eines abgefallenen Planetengouverneurs geschoben. Sie hielten einen zwölf Kilometer langen Abschnitt zwischen den 19. Aurelsk-Grenadieren und den Geschützstellungen der 4. Morracher Artillerie. Ohne Morrach hätten sie gegen die feindlichen Mörser nichts besessen, denn ein Infanterieregiment bekommt keine Kanonen. Die 31 Toten der zu flachen Gräben fielen hier. Den entscheidenden Ausfall führten die Aurelsker, die 62. hielten nur die Naht. Die Rebellen kapitulierten nach fünf Monaten, als ihnen das Promethium ausging.
Ausgang: Sieg durch Zermürbung.
Verluste: 87 von 1.020.
Verbündete: Die Morracher Kanoniere zogen an einem Abend ihr Feuer auf Bitten eines Kammerwarts so nah an die eigene Linie, dass sie einen Durchbruch in Kompanie Zwei zerschlugen. Das Regiment schuldet ihnen das. Der Verband wurde danach aufgelöst, und niemand weiß, wohin Morrach verschifft wurde.
Name Der Steg von Karnau
Epoche 934.M41, 34. Tag
Gegner In den Akten als Feindkräfte Kategorie III geführt
Dauer vier Wochen
Ausgang Stellung gehalten, Kompanie aufgegeben.
Erzählung
| Zeit | Schauplatz | Gegner | Dauer |
|---|---|---|---|
| 934.M41, 34. Tag | Steg von Karnau, Dammweg über Sumpfland | In den Akten als Feindkräfte Kategorie III geführt | vier Wochen |
Die 62. hielten das westliche Ufer, die Kompanie Drei den Brückenkopf jenseits des Stegs, zusammen mit dem Stabsquartier des Verbandes und einer Panzerkompanie des 31. Selmarer Panzerregiments. Am 34. Tag ging das Stabsquartier unter. Die Selmarer Panzer rollten über den Steg zurück, wobei sie Verwundete in den Sumpf drängten. Am Folgetag kam die Order des Verbandsstabes, den Steg zu sprengen, um den Durchbruch abzuriegeln. Drüben gab es noch Licht und Vox-Rauschen. Venkhaus maß den Befehl und gehorchte, Sarc zeichnete gegen, die Pioniere der eigenen Kompanie Vier legten die Ladungen. Später traf der Vordruck M-9 ein: Kompanie Drei vermisst, vermutlich gefallen.
Ausgang: Stellung gehalten, Kompanie aufgegeben.
Verluste: 308 von 933, davon 160 der Kompanie Drei, wie das Munitorum sie buchte: 141 waren tot, 19 lebten und hielten hinter der Linie eine Erdstellung.
Verbündete: Gegen die Selmarer hegt das Regiment einen bleibenden Groll. Der Verband wurde aufgelöst, eine Begleichung wird es nicht geben.
Name Die Teskar-Hänge
Epoche 935–936.M41
Gegner Orks
Dauer elf Monate
Ausgang Patt bis zum Abzug der Orks.
Erzählung
| Zeit | Schauplatz | Gegner | Dauer |
|---|---|---|---|
| 935–936.M41 | Teskar, Schieferhänge im Dauerregen | Orks | elf Monate |
Ohne Ersatz und unter neuer Requisitionsnummer warteten die 62. neun Wochen auf Nachschub, während sie einen Hang gegen Orkhaufen hielten. Die Überlebenstechnik der Ossenfelder trug sie: verborgene Depots, halbierte Rationen, Ladungen zum Abzählen. Neben ihnen kämpften die 11. Varrether Linieninfanterie und die 7. Kestrin-Haubitzen. Venkhaus' drei Tage Abwarten sparten seine Leute und kosteten die Varrether ihren Grat. Danach verfügte das Munitorum die Verschmelzung: 53 Varrether wurden Kompanie Sechs. Sie essen getrennt, singen das Kammerlied nicht und nennen den Oberst hinter seinem Rücken „den Zögerer“. Die Ossenfelder nennen sie „die Trockenen“.
Ausgang: Patt bis zum Abzug der Orks.
Verluste: 266 von 625.
Verbündete: Die Kestriner wurden aufgelöst und verschifft. Die Varrether blieben, als einzige Verbündete, die man nicht losgeworden ist.
Fahrzeuglivree
So fahren die Fahrzeuge des Regiments: Grundton, Tarnung für das Einsatzgebiet, Turmband und Kennung, errechnet aus den Regimentsfarben.
| Einsatzgebiet | Gemischtes Gelände · Fleckentarnung |
|---|---|
| Grundton | #3E4F32 · Castellan Green (Uniformgrün) |
| Tarnung | #5E5A4E · Steel Legion Drab (Vorbild des Einsatzgebiets)#3B3A33 · Dryad Bark (Vorbild des Einsatzgebiets) |
| Turmband | #988E56 · Zandri Dust (Deichocker) |
| Kennung | #E6E0CF · Wraithbone (Standardfarbe) |
| Rezept Rumpf | Castellan Green (Grundfarbe) · Athonian Camoshade (Tusche) · Dawnstone (Schicht) · Nurgling Green (Kante) |
Kompaniebänder am Turm
- 1.
- 2.
- 3.
- 4.
- 5.
- 6.
- 7.
- 8.
- 9.
Errechnet aus den Regimentsfarben; die Silhouetten sind eigene Skizzen, kein Nachbau eines Modells von Games Workshop.
Zu den Kerndaten
Die Ordnungszahl 62 ist hoch für eine tiefliegende Agriwelt: Ossenfeld gibt seit Jahrhunderten in jeder Generation ganze Jahrgänge ab, und das Munitorum vergibt erloschene Nummern neu, statt sie zu schließen. Die heutigen 62. sind die dritte Aufstellung unter dieser Zahl, nach 611.M41 und 787.M41. Beide Vorgänger wurden aufgerieben, keiner kehrte heim. Die Männer und Frauen von 932.M41 tragen deren zwei Gefechtsehren auf der Standarte, kennen aber nicht einen einzigen Namen der Toten dahinter. Man spricht von „den Alten Zweiundsechzigern“, wie man von einer Flut spricht, die vor der eigenen Geburt kam: mit Respekt, ohne Erinnerung.
Eine Szene
Der Regen auf den Teskar-Hängen fiel waagerecht, und Kommissar Ilian Brecht hatte seit vier Tagen trockene Socken nur in Erinnerung. Er war vor einer Woche zugeteilt worden, frisch aus der Schola, mit einer Bolterpistole, die noch nach Weihöl roch, und einer Personalakte, in der stand, dass die 62. Ossenfeld-Schützen als „verlässlich, unter Vorbehalt“ galten.
Den Vorbehalt verstand er an diesem Abend.
Die Kompanie Vier stand im Schlamm hinter der Brustwehr, zu niedrig, wie er bemerkte, und ein Nahtwart mit eingefallenen Wangen verlas Namen von einem durchweichten Datenschiefer. Bei jedem antwortete eine Stimme: „Hier.“ Dann wurde die Liste anders.
„Ammerlan, Josse.“
„Schwebt“, sagten sechzig Stimmen auf einmal.
„Baarsch, Hedde.“
„Schwebt.“
Brecht beugte sich zu der Hauptkommissarin, die neben ihm stand, die Kapuze über dem schiefen Nasenbein. „Wer sind diese Leute?“
„Kompanie Drei“, sagte Sarc. „Karnau.“
„Die Kompanie ist gestrichen. Ich habe den Vordruck gesehen.“
„Vermutlich gestrichen“, sagte sie. „Das Wort steht drin.“
Die Namen gingen weiter. Brecht zählte zuerst mit, dann hörte er auf. Ein Junge in der zweiten Reihe, dem Gesicht nach höchstens zwanzig, sagte die Antwort nicht laut, nur mit den Lippen, und bei einem bestimmten Namen gar nicht. Sein Nebenmann legte ihm die Hand auf die Schulter, ohne hinzusehen.
„Das ist gegen die Vorschrift“, sagte Brecht. „Eine Abendzählung umfasst den Iststand.“
„Dann schreib es auf.“ Sarc blickte nicht von der Kompanie weg. „Der Lord-Kommissar hat es auch aufgeschrieben. Er sitzt jetzt woanders, und die Zählung läuft noch.“
„Warum lassen Sie das zu?“
Sie schwieg so lange, dass er glaubte, sie würde nicht antworten. Der Nahtwart war bei den Ks angekommen.
„Ja“, sagte Brecht.
„Das hier“, sagte sie und deutete mit dem Kinn auf die Reihen im Schlamm, „ist der Preis dafür. Sie zahlen ihn jeden Abend. Ich will nicht derjenige sein, der ihnen verbietet zu zahlen.“
„Reiss, Tobias“, las der Nahtwart.
„Schwebt.“
Der Junge in der zweiten Reihe sagte es diesmal laut, lauter als alle anderen, und dann sagte er nichts mehr bis zum Ende der Liste. Das waren 160 Namen, und es dauerte eine Stunde. Danach gab der Nahtwart den Befehl, die Brustwehr um eine Lage zu erhöhen. Keiner protestierte, und keiner grub tiefer.
Brecht zog seinen Datenschiefer heraus, um den Verstoß zu verzeichnen. Er schrieb das Datum. Er schrieb „Abendzählung, Kompanie Vier“. Dann stand er da, im Regen, mit dem Griffel über dem Feld, bis der Schiefer beschlug und sich von selbst ausschaltete.
Aus diesem Regiment
Geschichten 1
Personen 2
- Nahtwartin Geeske Siefken Nahtwartin der 62. Ossenfeld-Schützen, Abschnitt Nordwall des Sammellagers Gethsemar
- Tobias Reiss Gardist, ab 11. Tag ohne Befehl faktischer Kompanieführer