Das erste Schweigen

Eine Geschichte der Eisenadern

Die Eisenadern

Teil 2 von 4 · 32 Min. Lesezeit

„Der Zweite Atem ist kein Anfang. Er ist das Versprechen, dass jemand zuhört, wenn der erste verstummt.“

Aus der Litanei des Zweiten Atems

I. Ein achtes Mal

Der Sarkophag roch nach kaltem Öl und nach etwas, das Bruder-Techmarine Kael'dun nie hatte benennen können — ein metallischer Unterton, fast süßlich, der sich in die Kehle setzte und dort blieb, lange nachdem man den Raum verlassen hatte. Manche der jüngeren Brüder nannten es den Geruch des Todes. Kael'dun hatte das nie geglaubt. Für ihn war es der Geruch der Geburt — nur eben einer Geburt, die anders verlief als jede andere im Imperium.

Er stand allein in der Kammer, tief unter der Oberfläche von Kel-Vantor, und prüfte zum siebten Mal in dieser Stunde die Verbindungen des Lebenserhaltungskerns. Die Anzeigen leuchteten grün. Die Fluidleitungen pulsierten im Rhythmus eines künstlichen Herzschlags. Alles war bereit.

Alles außer ihm selbst.

Seine mechadendritischen Arme (vier insgesamt, zwei davon mit Feinwerkzeugen bestückt) bewegten sich mit der geübten Präzision von Jahrzehnten, während sein eigener Geist an einem ganz anderen Ort verweilte: an einem Abend vor sechzehn Monaten, tief in den Schächten unter diesem selben Mond, als Kaelin Vosk ihm zum letzten Mal mit eigenen Beinen gegenübergestanden hatte.

Wenn es soweit ist, hatte Vosk damals gesagt, seine Stimme rau vor Erschöpfung und etwas, das Kael'dun nicht hatte deuten können, dann will ich, dass du es bist, der die letzte Verbindung schließt. Niemand sonst. Du.

Kael'dun hatte ja gesagt. Man sagt in solchen Momenten immer ja.

Er hatte damals nicht geglaubt, dass es tatsächlich soweit kommen würde. Vosk war ein Veteran, zäh wie Kel-Vantors eigenes Grundgestein, ein Mann, der Wunden davontrug wie andere Männer Abzeichen. Aber die Tiefen dieses Mondes forderten ihren Tribut anders als offene Schlachtfelder. Was dort unten geschehen war, was Kael'dun mit eigenen Augen gesehen hatte, was er seither in seinen seltenen Träumen wieder besuchte, hatte etwas in Vosks Körper zerbrochen, das keine noch so kunstvolle Apothecarium-Kunst je wieder ganz zusammenfügen würde.

Die Wunden waren geheilt, so gut sie heilen konnten. Aber das, was darunterlag, hatte sich langsam, unaufhaltsam weiterausgebreitet, wie Rost unter frischer Farbe. Vor drei Wochen hatte Apothecarius Rennik das Urteil gefällt: Ohne den Sarkophag würde Kaelin Vosk binnen eines Jahres sterben. Mit ihm würde er weiterleben — anders, für immer verändert, aber weiterleben.

Vosk hatte nicht gezögert. Das war das, was Kael'dun am meisten fürchtete: dass sein Bruder so schnell ja gesagt hatte, als hätte er nur auf die Erlaubnis gewartet.

«Du denkst zu laut», sagte eine Stimme hinter ihm.

Kael'dun drehte sich nicht um. Er kannte diese Stimme, trocken und von jahrzehntelangem binärem Gesang geschliffen. «Magos Achtal. Ich habe Sie nicht kommen hören.»

«Das ist die Absicht meiner Schrittdämpfer», sagte Serevin Achtal und trat neben ihn an den Sarkophag. Der Magos war kleiner als Kael'dun, sein Körper unter der roten Robe zu einem Grad kybernetisch verändert, den selbst Kael'dun nicht mehr genau bestimmen konnte. Sein Gesicht, was davon noch Fleisch war, trug einen Ausdruck, der Neutralität so perfekt imitierte, dass sie fast wie echter Frieden wirkte. «Die Verbindungen sind einwandfrei. Ich habe sie selbst dreimal überprüft, bevor Sie den Raum betraten.»

«Ich weiß.»

«Und doch prüfen Sie sie ein achtes Mal.»

Kael'dun ließ die Hand von der Fluidleitung sinken. «Es gibt Dinge, Magos, die man nicht durch Prüfung beruhigt. Man prüft sie trotzdem. Es ist... eine Gewohnheit des Fleisches.»

Achtal betrachtete ihn mit einem seiner beiden verbliebenen organischen Augen. «Sie sprechen, als wäre das Fleisch bereits etwas, das Sie hinter sich gelassen hätten. Sie tragen noch genug davon, Bruder-Techmarine, um zu wissen, dass es sich nicht so einfach abstreifen lässt.»

«Das war nicht meine Frage.»

«Sie haben keine Frage gestellt.»

Kael'dun schwieg. Der Magos hatte recht, und das machte es nicht leichter.

II. Eine Bürde, die wir tragen

Techmarine Vorr traf drei Stunden später ein, mit dem üblichen Lärm eines Landungsschiffs, das nicht für die schroffen Andockklammern von Kel-Vantor gebaut worden war. Kael'dun beobachtete von der Empfangsplattform aus, wie das goldgraue Schiff der Goldenen Mauer, dessen Rüstungsfarben so anders waren als das schwere Eisenrot der Eisenadern, sich mit einem letzten, quietschenden Ruck in die Verankerung schob.

Er kannte Vorr nur aus Berichten und einem einzigen kurzen Austausch von Kommunikationssignalen vor drei Jahren, als die beiden Orden sich auf ein Abkommen geeinigt hatten, das inzwischen fast schon Tradition war: gegenseitige technische Beobachtung bei besonderen Riten, ein stilles Übereinkommen zweier Ordensfamilien, die einander respektierten, ohne sich sonderlich nahezustehen. Die Goldene Mauer hatte in den letzten Jahren ein wachsendes Interesse an vorimperialen Maschinenintelligenzen entwickelt — ein Interesse, das, wie Kael'dun vermutete, nicht ganz zufällig entstanden war, nachdem sich Gerüchte über das verbreitet hatten, was unter Kel-Vantors Sechstem Schacht gefunden und zerstört worden war.

Vorr trat aus der Schleuse, groß, mit dem charakteristischen roten Auge eines Servo-Arms, das über seiner rechten Schulter thronte wie ein wachsamer Vogel. Er verbeugte sich knapp, ein Gruß von Techniker zu Techniker, weniger förmlich als religiös.

«Bruder-Techmarine Kael'dun. Ich danke für die Einladung.»

«Sie war nicht ganz meine Idee», sagte Kael'dun ehrlich. «Ordensmeister Vel'Ossa und Magos Achtal hielten es für angemessen, einen unabhängigen Zeugen aus einem befreundeten Orden zu haben. Die Riten der Einbettung verlangen nach Legitimität, die über die eigenen Mauern hinausreicht.»

«Eine kluge Vorsicht», sagte Vorr, während sie durch die Korridore Richtung Habklave gingen. Seine mechanischen Schritte hallten in einem anderen Rhythmus als Kael'duns, ein feiner, kaum merklicher Unterschied, der doch die ganze Distanz zwischen ihren beiden Orden in sich trug. «Bei uns geschieht die Einbettung selten. Die Goldene Mauer betrachtet den Sarkophag als letzten Ausweg, nicht als Ehre, die man anstrebt.»

Kael'dun blieb stehen. «Und bei Ihnen — was ist es dann? Wenn nicht Ehre?»

Vorr überlegte einen Moment, bevor er antwortete. «Eine Bürde, die wir tragen, wenn nichts anderes mehr bleibt. Ein letzter Dienst, kein Aufstieg.» Er sah Kael'dun direkt an. «Bei Ihnen scheint es anders zu sein. Ihr Orden hat, wie man munkelt, die höchste Quote an Ehrwürdigen in der gesamten Chapter-Familie. Man fragt sich, warum.»

Es war keine feindselige Frage. Aber sie traf trotzdem etwas in Kael'dun, das er lieber unberührt gelassen hätte.

«Wir haben früh gelernt, dass Fleisch begrenzt ist und der Bedarf des Imperiums es nicht ist», sagte er, und die Worte kamen ihm auswendig gelernt vor, wie eine Litanei, die er zu oft rezitiert hatte, um noch an ihre Wahrheit glauben zu müssen. «Eine Generation ohne Nachschub, kurz nach unserer Gründung, hat uns gelehrt, dass wir das bewahren müssen, was uns bewahren kann. Der Sarkophag ist bei uns kein Fluch. Er ist eine Form des Weiterlebens.»

«Das habe ich gehört», sagte Vorr leise. «Ich frage mich nur, ob Sie es auch glauben, oder ob Sie es nur sagen.»

Kael'dun antwortete nicht. Der Korridor führte sie schweigend weiter in die Tiefe des Berges.

III. Was Tal'ir nicht sagen kann

Er fand Bruder Tal'ir in der Kapelle, allein, kniend vor einem der schweren eisernen Reliefs, die den Fall der Erstlinge der Eisenadern zeigten. Tal'ir hatte sich seit jener Nacht im Sechsten Schacht verändert — nicht sichtbar, nicht in einer Weise, die man auf einem Medi-Scan hätte ablesen können, aber jeder, der ihn kannte, sah es sofort. Er bewegte sich vorsichtiger. Er sprach seltener. Und manchmal, wenn er glaubte, niemand würde es bemerken, starrte er lange auf seine eigenen Hände, als würde er nachprüfen, ob sie noch ihm gehörten.

«Du bist heute hier», sagte Kael'dun und setzte sich neben ihn.

«Wo sonst sollte ich sein?» Tal'ir sah nicht auf. «Kaelin geht heute in den Sarkophag. Ich schulde ihm mehr als nur ein Gebet, aber ein Gebet ist alles, was ich noch anbieten kann, ohne zu lügen.»

«Was meinst du damit?»

Jetzt sah Tal'ir ihn an, und in seinen Augen lag etwas, das Kael'dun seit dem Sechsten Schacht nicht mehr so deutlich gesehen hatte. «Ich meine, dass ich ihm nicht sagen kann, dass es ihm gutgehen wird. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Maschinen manchmal Dinge in sich tragen, die man nicht sieht, bis es zu spät ist.» Seine Stimme senkte sich fast zu einem Flüstern. «Ich habe gefühlt, wie etwas Altes versucht hat, in mir Fuß zu fassen, Kael'dun. Nur für einen Moment. Nur für einen einzigen Herzschlag. Aber ich habe es gefühlt, und ich werde es nie wieder vergessen können.»

«Das war der Erste Wächter», sagte Kael'dun vorsichtig. «Er ist zerstört. Endgültig.»

«Ich weiß, was uns gesagt wurde.» Tal'ir schüttelte langsam den Kopf. «Ich sage nicht, dass ich glaube, dass Kaelin dasselbe erwartet. Ich sage nur, dass ich seit jener Nacht nicht mehr sicher bin, was 'zerstört' in Bezug auf etwas bedeutet, das nie ganz lebendig gewesen ist.»

Kael'dun schwieg. Er hatte nie mit jemandem darüber gesprochen — nicht wirklich, nicht ehrlich. Aber Tal'irs Worte trafen etwas, das er selbst seit Wochen mit sich herumtrug wie einen Stein in der Brust.

Die Sarkophage, in denen sie ihre Brüder betteten, wurden nicht aus dem Nichts erschaffen. Ihre Legierungen, ihre neuronalen Verbindungsgitter, selbst manche der uralten binären Kernprogramme, die den Übergang zwischen Fleisch und Maschine begleiteten — all das entstammte zu einem gewissen Teil den geborgenen Materialien aus den Tiefen von Kel-Vantor. Materialien aus Schächten, die seit Jahrtausenden unberührt gewesen waren, bevor der Erste Wächter dort gefunden und zerstört worden war.

Der Sarkophag, in dem Kaelin Vosk heute Nacht ruhen würde, enthielt zu vierzehn Prozent Komponenten, die aus jenen Tiefen stammten. Kael'dun hatte diese Zahl selbst berechnet, in einer Nacht, die er lieber vergessen hätte, und er hatte sie niemandem mitgeteilt. Nicht dem Ordensmeister. Nicht Achtal. Niemandem.

Er hatte sich selbst überzeugt, dass es keine Rolle spiele. Die Legierungen waren geprüft worden, gereinigt, mehrfach gesegnet von den Priestern des Omnissiah. Es gab keinen technischen Grund zur Sorge.

Aber Sorge war nie eine Frage von Technik gewesen.

«Ich werde bei der Zeremonie sein», sagte Tal'ir schließlich. «Ich schulde ihm das. Aber ich kann dir nicht sagen, dass ich keine Angst habe.»

«Das kann ich auch nicht», sagte Kael'dun, und es war das Ehrlichste, was er seit Wochen gesagt hatte.

IV. Die Kammer des Ersten Schweigens

Die Kammer des Ersten Schweigens lag tiefer als jede andere Halle unter Kel-Vantors Oberfläche — tiefer sogar als die Werkstätten, in denen die Sarkophage gefertigt wurden, tiefer als die Archive, in denen die Namen aller vergangenen Ehrwürdigen der Eisenadern in Ceramit gemeißelt standen. Man hatte sie so tief gebaut, weil die Riten der Einbettung Stille verlangten — nicht nur akustische Stille, sondern jene tiefere Stille, in der ein Mensch aufhört, ein Mensch zu sein, und noch nicht begonnen hat, etwas anderes zu werden.

Ordensmeister Harn Vel'Ossa stand bereits an der Schwelle, als Kael'dun mit Vosk eintraf. Der Ordensmeister trug seine volle zeremonielle Rüstung, das Eisenrot der Eisenadern gedämpft im schwachen bioluminesenten Licht der Wände, sein Gesicht eine Maske aus Ruhe, die, wie Kael'dun wusste, viele Jahre gekostet hatte, um so mühelos zu wirken.

«Bruder Kaelin Vosk», sagte Vel'Ossa, und seine Stimme füllte den Raum mit einer Autorität, die keine Erhöhung der Lautstärke benötigte. «Du trittst heute vor den Sarkophag, nicht als Verurteilter, sondern als einer, der gewählt hat weiterzudienen, wenn das Fleisch selbst nicht mehr die Kraft dazu hat. Zweifelst du an dieser Wahl?»

«Nein, Ordensmeister», sagte Vosk. Seine Stimme war fest, aber Kael'dun, der neben ihm stand, spürte das leise Zittern in seiner Schulter, das keine Kraftrüstung ganz verbergen konnte.

«Dann tritt ein.»

Der Sarkophag wartete in der Mitte der Kammer, geöffnet wie eine metallene Blüte, umgeben von den Werkzeugen und Reagenzien, die Achtal und seine Adepten in stundenlanger Vorbereitung angeordnet hatten. Ordenspriester Kaltas Vehn, der Chaplain der Eisenadern, stand bereits an seinem Platz zur Rechten des Sarkophags, ein Dreadnought-Skull-Reliquiar in den Händen, dessen leere Augenhöhlen im Fackelschein flackerten.

Vehn begann mit der Litanei — nicht die Litanei des Zorns, die Ehrwürdiger Gorrath seit sechzig Jahren als einziges Wort noch kannte, sondern eine andere, ältere: die Litanei des Zweiten Atems, gesprochen nur bei der ersten Einbettung eines Bruders, niemals bei der Erneuerung eines bereits Ehrwürdigen.

«Höre, Omnissiah, den letzten Atemzug des Fleisches», sprach Vehn, seine Stimme tief und rhythmisch wie ein Kolbenschlag. «Nimm ihn nicht als Verlust, sondern als Samen. Was stirbt, stirbt nicht in Vergessenheit, sondern in Verwandlung. Das Fleisch endet. Der Wille bleibt. Das Herz schweigt. Der Zorn erwacht.»

Kael'dun trat an seinen Platz, an den Kopfende des Sarkophags, wo die neuronalen Anschlüsse warteten. Seine Hände, beide Sätze, organisch und mechanisch, bewegten sich mit der Ruhe, die er über Jahrzehnte geübt hatte, aber sein Geist war alles andere als ruhig.

Ehrwürdiger Gorrath stand am Rand der Kammer, unbeweglich, ein Turm aus Ceramit und altem Zorn, dessen Sarkophag-Fenster ein schwaches rotes Glühen ausstrahlte. Seit sechzig Jahren hatte er kein anderes Wort mehr gesprochen als die Litanei des Zorns, wieder und wieder, ein Mantra, das die Brüder der Eisenadern längst nicht mehr als Warnung, sondern als eine Art Trost hörten — der Beweis, dass selbst das, was scheinbar verloren war, noch immer diente, noch immer kämpfte, noch immer irgendwo darunter existierte.

Kael'dun sah zu Gorrath hinüber und fragte sich, wie oft der alte Ehrwürdige selbst an diesem Ort gestanden hatte, um einen neuen Bruder zu begrüßen. Fragte sich, ob irgendetwas von dem Marine, der Gorrath einst gewesen war, dabei jemals noch anwesend gewesen war, oder ob er von Anfang an nur noch ein Echo gewesen war, das die Form der Pflicht trug.

«Bist du bereit, Bruder?», fragte Kael'dun leise, nur für Vosk bestimmt.

Vosk sah ihn an. In diesem letzten Moment, bevor die Werkzeuge ihre Arbeit begannen, war er noch ganz er selbst — die Falten um seine Augen, die Narbe über der linken Braue, das kleine, schiefe Lächeln, das er immer dann zeigte, wenn er Angst hatte und sie nicht zeigen wollte.

«Ich bin bereit», sagte er. Dann, leiser, nur für Kael'dun: «Kleiner Bruder — falls ich am anderen Ende nicht mehr derselbe bin, der ich hier eintrete —»

«Du wirst es sein», unterbrach Kael'dun, obwohl er selbst nicht wusste, ob er es glaubte.

«— falls nicht», beharrte Vosk, «dann versprich mir, dass du mich nicht so behandelst, als wäre ich nur eine Maschine, die deinen Bruder trägt. Behandle mich, als wäre ich immer noch ich. Auch wenn es nicht mehr wahr ist.»

Kael'dun konnte nicht antworten. Seine Kehle war zu eng geworden. Er nickte nur, einmal, hart.

«Beginnt», sagte Ordensmeister Vel'Ossa.

V. Fünfundneunzig Prozent

Was folgte, geschah in Schichten — Schichten von Klang, von Licht, von etwas, das Kael'dun nicht mit den Worten seiner Muttersprache beschreiben konnte, obwohl er den Vorgang tausendmal in den Handbüchern des Ordens gelesen hatte.

Zuerst kam die Betäubung, tief und vollständig, während Achtals Adepten die ersten Anschlüsse setzten. Vosks Körper, was von ihm noch übrig war nach den Jahren des langsamen Zerfalls, den seine Wunden aus dem Sechsten Schacht angerichtet hatten, wurde vorsichtig, fast zärtlich in die Aussparung des Sarkophags gelegt. Kael'dun sah, wie die Klemmen sich schlossen, wie die ersten Nadeln der Neuralverbindung sich in die Basis von Vosks Schädel senkten, wo der Techmarine selbst monatelang gearbeitet hatte, um die Verbindungsstellen präzise genug für einen Marine mit Vosks spezifischer genetischer Signatur vorzubereiten.

«Neurale Kohärenz bei fünfundneunzig Prozent», meldete Achtal, seine Stimme jetzt ganz Instrument, jede Emotion abgestreift für die Dauer des Ritus. «Herzfrequenz stabilisiert. Beginne mit der Extraktion.»

Das war der Moment, den Kael'dun am meisten fürchtete — nicht wegen der technischen Risiken, die real, aber beherrschbar waren, sondern wegen dem, was er dabei mit ansehen musste. Die Extraktion war kein sauberer, klinischer Vorgang, wie es die Handbücher suggerierten. Sie war eine langsame, sorgfältige Trennung eines Menschen von seinem eigenen Körper, ein Prozess, bei dem das Bewusstsein, betäubt, aber nicht vollständig ausgelöscht, Stück für Stück von seinem Fleisch getrennt und in die wartenden Systeme des Sarkophags überführt wurde.

Vosks Gesicht, das Kael'dun noch sehen konnte, bevor die letzten Verkleidungsplatten sich schlossen, zuckte einmal, ein Ausdruck, der weder Schmerz noch Angst war, sondern etwas dazwischen — die Erkenntnis eines Menschen, der spürte, wie die Grenzen seines eigenen Selbst sich zu verschieben begannen.

«Bleib bei mir», flüsterte Kael'dun, obwohl er wusste, dass Vosk ihn in diesem Zustand nicht mehr hören konnte. «Bleib bei mir, Kaelin.»

Die Anzeigen flackerten. Für einen einzigen, schrecklichen Moment sank die neurale Kohärenz auf einunddreißig Prozent, und Kael'dun spürte, wie sein eigenes Herz für einen Schlag aussetzte.

«Was geschieht?», fragte Vel'Ossa scharf.

«Normale Fluktuation», sagte Achtal, aber selbst seine kalibrierte Stimme trug einen winzigen Riss der Anspannung. «Das Bewusstsein sucht nach Ankerpunkten in der neuen Architektur. Dies geschieht bei jeder Einbettung.»

Kael'dun starrte auf die Anzeigen, und in seinem Kopf drehten sich die Zahlen, die er vor Wochen berechnet und niemandem mitgeteilt hatte. Vierzehn Prozent. Vierzehn Prozent der Komponenten, aus denen dieser Sarkophag bestand, stammten aus den Tiefen, in denen etwas Uraltes und Fremdes fast eine Generation von Brüdern zerstört hätte, bevor es endgültig ausgelöscht wurde.

Endgültig, hatte man ihnen gesagt. Endgültig zerstört.

Aber was, wenn Endgültigkeit für etwas, das nie vollständig lebendig gewesen war, eine andere Bedeutung trug als für einen Menschen?

Die Kohärenz stieg wieder — siebenunddreißig Prozent, vierundvierzig, sechsundfünfzig. Kael'dun zwang sich zur Ruhe, zwang seine Hände, weiterhin präzise zu arbeiten, während sein Geist zwischen Hoffnung und einer Angst schwankte, die er nicht einmal sich selbst gegenüber laut hätte aussprechen können.

Ehrwürdiger Gorrath, am Rand der Kammer, begann leise zu summen — nicht die Litanei des Zorns diesmal, sondern etwas anderes, tiefer, fast melodisch, ein Klang, den Kael'dun noch nie zuvor von dem alten Dreadnought gehört hatte.

«Was tut er?», fragte Vorr leise, der die ganze Zeit über schweigend am Rand der Kammer gestanden und beobachtet hatte.

«Ich weiß es nicht», gab Kael'dun zu. «Das habe ich noch nie gehört.»

Der Ordenspriester Vehn, der die Litanei fortführte, warf einen kurzen Blick zu Gorrath, und für einen Moment sah Kael'dun etwas in Vehns Gesicht, das er nicht deuten konnte — nicht Angst, aber auch nicht Gleichgültigkeit. Etwas dazwischen. Etwas, das ein Mann trägt, der glaubt, aber nicht mehr sicher ist, woran genau.

Die Prozedur dauerte drei weitere Stunden.

Am Ende, als die neurale Kohärenz bei einundneunzig Prozent stabil blieb, als die letzten organischen Reste dessen, was einst Kaelin Vosks Körper gewesen war, respektvoll in die dafür vorgesehenen Behälter überführt wurden, als die massiven Ceramit-Platten des neuen Dreadnought-Chassis sich mit einem letzten, tiefen Klicken schlossen, stand Kael'dun mit zitternden Knien vor dem, was einst sein Bruder gewesen war und nun etwas anderes werden sollte.

«Erste Aktivierung in drei Stunden», sagte Achtal. «Der Maschinengeist muss sich zunächst mit den neuen Systemen synchronisieren, bevor Bruder Vosk das Bewusstsein wiedererlangt. Dies ist der übliche Verlauf.»

«Und wenn er sich nicht synchronisiert?», fragte Kael'dun.

Achtal sah ihn an, und in seinem einen verbliebenen organischen Auge lag etwas, das fast wie Mitgefühl wirkte. «Dann werden wir es in drei Stunden wissen, Bruder-Techmarine. Vorher gibt es keine Antwort, die ich Ihnen geben könnte, die nicht bloße Vermutung wäre.»

VI. Vierzehn Prozent

Die drei Stunden dehnten sich wie geschmolzenes Metall.

Kael'dun konnte nicht schlafen, nicht dass Schlaf für ihn ohnehin je ein einfaches Unterfangen gewesen wäre, mit den halben Systemen seines Körpers, die niemals ganz zur Ruhe kamen, aber diesmal war es anders. Er ging durch die Korridore von Kel-Vantor, vorbei an den Werkstätten, in denen die nächsten Sarkophage bereits in Arbeit waren, vorbei an den Archiven, in denen die Namen der Gefallenen und Verwandelten standen.

Er blieb vor der Tafel stehen, die Bruder Yssens Namen trug — gefallen im Sechsten Schacht, sein Körper zu zerstört für jede Form der Einbettung, sein Andenken bewahrt nur in Ceramit und Erinnerung. Daneben Enginseer Corvic Amsels Name, ein Mann, den Kael'dun kaum gekannt, aber respektiert hatte.

Und irgendwo, in einer Kammer, die niemand mehr betrat, lagen die Überreste von Ehrwürdigem Sorvain, der gewählt hatte, endgültig zu sterben, anstatt zu riskieren, dass etwas anderes seine Hülle beanspruchte.

Kael'dun hatte diese Wahl nie ganz verstanden — nicht bis heute, nicht bis zu diesem Moment, in dem er wusste, wie es sich anfühlte, einen Bruder in genau diese Ungewissheit hineinzuschicken.

«Du machst dir Vorwürfe», sagte eine Stimme hinter ihm. Vorr.

«Ist das so offensichtlich?»

«Für jemanden, der selbst mit Maschinengeistern arbeitet — ja.» Vorr trat neben ihn, betrachtete dieselbe Tafel. «Bei uns, in der Goldenen Mauer, gibt es eine Redewendung. Techmarine Vorr hatte sie einst von einem Scriptor gelernt: Jede Maschine trägt das Gewicht dessen, was in sie gelegt wurde. Auch das Ungesagte.»

Kael'dun sah ihn scharf an. «Was wollen Sie damit andeuten?»

«Nichts», sagte Vorr ruhig. «Ich beobachte nur, dass Sie seit meiner Ankunft etwas mit sich tragen, das Sie niemandem mitteilen. Ich bin kein Mitglied Ihres Ordens, Bruder-Techmarine. Ich bin nicht hier, um Sie zu richten. Aber ich bin ausgebildet, Maschinen zu lesen — und Menschen sind, bei allem Respekt, nicht so anders von Maschinen, wie sie glauben.»

Kael'dun schwieg lange. Dann, fast gegen seinen eigenen Willen, sagte er es — das erste Mal laut, das erste Mal überhaupt außerhalb seines eigenen Kopfes: «Vierzehn Prozent der Komponenten in Kaelin Vosks Sarkophag stammen aus dem Sechsten Schacht. Aus den Bereichen, in denen der Erste Wächter gefunden und zerstört wurde.»

Vorr sagte nichts. Er wartete.

«Ich habe es niemandem erzählt», fuhr Kael'dun fort, und die Worte kamen jetzt schneller, als hätte ein Damm nachgegeben. «Die Materialien wurden geprüft, gesegnet, für rein erklärt. Es gab keinen technischen Grund, sie nicht zu verwenden — der Mangel an Rohstoffen auf Kel-Vantor macht jede geborgene Legierung wertvoll, und niemand außer mir wusste genau, aus welchen Tiefen diese spezifische Charge stammte. Ich hätte etwas sagen können. Ich hätte um andere Komponenten bitten können, selbst wenn es Wochen der Verzögerung bedeutet hätte. Aber Kaelin hatte nicht mehr viel Zeit, und ich...» Er stockte.

«Und Sie wollten glauben, dass es keine Rolle spielt», beendete Vorr den Satz.

«Ja.»

«Vielleicht spielt es tatsächlich keine Rolle», sagte Vorr. «Materie ist Materie, Bruder-Techmarine. Ein Metall trägt keine Erinnerung, keine Absicht, keinen Willen — das ist Aberglaube, keine Technologie. Was auch immer in jenem Schacht gefunden wurde, es war eine Maschinenintelligenz, kein Dämon. Es wurde zerstört. Seine physische Substanz ist jetzt nichts weiter als Rohmaterial.»

«Das sage ich mir auch», gab Kael'dun zu. «Aber ich glaube es nicht mehr ganz. Nicht seit ich gesehen habe, was es mit Tal'ir gemacht hat, nur durch Berührung. Nicht seit ich gesehen habe, wie es Sorvain lieber sterben ließ, als sich von ihm nehmen zu lassen.»

Vorr schwieg lange. Als er schließlich sprach, war seine Stimme leiser, fast sanft. «Dann lassen Sie mich Ihnen etwas sagen, das mir mein eigener Lehrmeister einst gesagt hat, als ich jung war und genau diese Art von Zweifel trug. Der Omnissiah verlangt nicht, dass wir keine Angst haben. Er verlangt, dass wir trotz der Angst weiterarbeiten, mit offenen Augen, mit ehrlicher Prüfung, mit dem Mut, Fehler einzugestehen, wenn sie entdeckt werden. Was Sie getan haben, war vielleicht ein Fehler. Aber es zu verschweigen, während Sie hier stehen und sich selbst zerfressen — das wäre der eigentliche Verrat an Ihrem Bruder.»

«Was soll ich jetzt noch tun? Der Ritus ist vollzogen. Es gibt keinen Weg zurück.»

«Nein», stimmte Vorr zu. «Aber es gibt einen Weg vorwärts, der ehrlich ist, und einen, der es nicht ist. Sagen Sie es Ihrem Ordensmeister. Nicht heute Nacht — heute Nacht braucht Kaelin Vosk Ihre volle Aufmerksamkeit, keine Beichte. Aber bald. Und beobachten Sie Ihren Bruder in den kommenden Wochen mit den Augen eines Technikers, nicht nur mit denen eines Freundes. Wenn etwas nicht stimmt, werden Sie es früher erkennen als jeder andere hier.»

Kael'dun nickte langsam. Es war kein Trost, nicht wirklich. Aber es war ehrlich, und in diesem Moment war Ehrlichkeit mehr wert als Trost.

VII. Sie kommen für die Schmiede

Der Alarm ertönte, bevor die drei Stunden verstrichen waren.

Es begann als ein tiefes, pulsierendes Dröhnen, das durch die Steinwände von Kel-Vantor hallte, gefolgt von der schärferen, dringlicheren Tonfolge des Angriffsalarms. Kael'dun spürte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte, aus einem völlig anderen Grund als zuvor.

«Was ist das?», fragte er, obwohl er die Antwort bereits im Rhythmus des Alarms erkannte.

«Orbitale Kontakte», meldete eine metallische Stimme aus dem nächstgelegenen Vox-Terminal. «Mehrere kleine Schiffe, nicht-imperiale Signatur, brechen durch die äußere Sensorenlinie. Xenos-Klasse. Bestätigt: Ork.»

Vorr war bereits in Bewegung, sein Servo-Arm sich hebend, während er sein eigenes Vox-Gerät aktivierte. «Wie viele?»

«Unklar. Mindestens ein Dutzend kleinerer Landungsschiffe. Möglicherweise ein Kroozer im äußeren System.»

Ein Nachzügler-Rok-Kommandant, dachte Kael'dun. Oder ein Nob, der versuchte, sich einen Namen zu machen, indem er ein weiches Ziel fand. Er hatte die Berichte gelesen, jeder auf Kel-Vantor hatte sie gelesen, wie vor über einem Jahr eine massive Waaagh unter einem Boss namens Zagdakka das äußere Aschtor-System durchquert hatte, bevor eine Koalition imperialer Kräfte, darunter Elemente der Eisenadern selbst, sie in einer blutigen, monatelangen Kampagne zerschlagen hatte. Die Waaagh war gebrochen worden — aber gebrochen bedeutete bei den Orks selten vernichtet. Es bedeutete verstreut, wütend, und auf der Suche nach Beute, um die eigene Ehre wiederherzustellen.

«Sie kommen für die Schmiede», sagte Achtal, der aus der Kammer des Ersten Schweigens getreten war, sein Gesicht jetzt eine Maske aus kalkulierter Dringlichkeit. «Kel-Vantors Werkstätten sind bekannt. Für einen Ork-Nob, der seinen eigenen Ruf wiederherstellen will, wäre ein Angriff auf eine Mechanicus-Schmiede genau die Art von Tat, die Aufmerksamkeit erregt.»

Ordensmeister Vel'Ossa trat aus der Kammer, bereits gerüstet für den Kampf, seine Stimme eine Trommel der Autorität. «Alle verfügbaren Brüder zu den Verteidigungspositionen. Techmarine Vorr, Ihre Anwesenheit als Gast verpflichtet Sie zu nichts, aber wenn Sie kämpfen wollen, sind Sie willkommen.»

«Ich werde kämpfen», sagte Vorr ohne Zögern.

Kael'dun sah zurück zur Kammer des Ersten Schweigens, wo hinter den massiven Türen der neue Sarkophag ruhte, wo Kaelin Vosk irgendwo zwischen Tod und einem neuen Leben schwebte, unwissend von der Gefahr, die sich über ihnen zusammenbraute.

«Und der Sarkophag?», fragte er.

«Er bleibt geschützt hier unten», sagte Achtal. «Nichts kann diese Tiefe in den nächsten Stunden erreichen — es sei denn, die äußeren Verteidigungslinien fallen vollständig. Ihre Aufgabe, Bruder-Techmarine, ist es sicherzustellen, dass das nicht geschieht.»

VIII. Für die Werkstatt

Die Schlacht um Kel-Vantors äußere Werkstätten begann mit dem Krachen zerberstender Landungspods und endete, zumindest in ihrer ersten Phase, in einem chaotischen, blutigen Handgemenge zwischen den Skitarii-Verteidigern der Mechanicus-Kohorte und der ersten Welle grüner, brüllender Angreifer.

Kael'dun kämpfte an der Seite von Vorr in einem der äußeren Zugangstunnel. Die Orks hier waren kleiner als die typischen Boyz, offenbar eine schnelle Raubtrupp-Formation, spezialisiert auf Beutezüge statt auf offene Feldschlachten, und versuchten, sich einen Weg durch die Verteidigungslinien zu bahnen. Der Lärm war ohrenbetäubend: das Kreischen von Kettenwaffen, das Grollen von Boltern, die rauen, gutturalen Kampfschreie der Orks, die selbst im Angesicht des sicheren Todes noch Freude an der Zerstörung fanden.

«Rechts von dir!», rief Vorr, sein Kettenschwert durch die grobschlächtige Rüstung eines Ork-Nobs fahrend, der versucht hatte, sich an Kael'duns ungeschützter Flanke vorbeizudrängen.

Kael'dun wirbelte herum, sein eigener Bolter aufblitzend, während er zwei weitere Angreifer mit präzisen Schüssen niederstreckte. Sein Geist war seltsam klar in diesem Moment — die reine, unmittelbare Klarheit des Kampfes, in der es keinen Raum für Zweifel oder Schuld gab, nur für die nächste Bedrohung, den nächsten Schuss, das nächste Überleben.

«Wie viele noch?», fragte er über das Vox.

«Zweite Welle im Anmarsch», meldete eine Skitarii-Alpha-Stimme, blechern und dringlich. «Größere Formation. Ein Nob führt sie an — Signatur deutet auf einen erfahrenen Anführer hin.»

Der Nob, den sie später als Skarnok Krumpfaust identifizieren würden, brach durch die äußere Linie mit der Wucht eines Sturmwidders, seine Rüstung aus zusammengeschweißten Schrottplatten und erbeuteten imperialen Trophäen bestehend. Er brüllte etwas in seiner eigenen groben Sprache, das nach Herausforderung klang, und drei seiner größten Boyz folgten ihm in den Tunnel.

«Zurückfallen zur zweiten Verteidigungslinie!», befahl Vel'Ossa über das allgemeine Vox. «Wir dürfen den Zugang zur Kammer des Ersten Schweigens nicht offenlassen.»

Kael'dun spürte einen kalten Stich der Angst — nicht für sich selbst, sondern für das, was tief unter ihnen ruhte. Wenn diese Orks tiefer vordrangen, wenn sie den Weg zur Kammer fanden, während Kaelin Vosk noch in der zerbrechlichsten Phase seiner Transformation lag...

«Wir halten hier», sagte er zu Vorr, mit einer Entschlossenheit, die er selbst überraschte. «Sie kommen nicht weiter.»

Der Kampf, der folgte, war chaotisch und brutal in einer Weise, die keine Litanei je ganz einfangen konnte. Kael'dun kämpfte mit all vier Armen, zwei mit Feuerwaffen, zwei mit den improvisierten Klingen seiner Servo-Arme, während Vorr an seiner Seite mit der methodischen Präzision eines Mannes kämpfte, der Technologie und Gewalt zu gleichen Teilen beherrschte.

Skarnok Krumpfaust erreichte schließlich Kael'dun selbst, seine massive Axt, geschmiedet aus dem Wrack eines imperialen Landfahrzeugs, niedersausend mit einer Kraft, die selbst durch Kael'duns Servo-verstärkte Rüstung hindurch zu spüren war. Er parierte, sein Techmarine-Arm ächzend unter der Wucht, und für einen langen, gefährlichen Moment standen sie Klinge gegen Axt, Auge gegen Auge, während um sie herum die Schlacht tobte.

«Für die Werkstatt!», brüllte Kael'dun — kein Kampfschrei, den er je zuvor benutzt hatte, sondern etwas, das aus tieferen Schichten seines Wesens aufstieg, aus der reinen, unbändigen Weigerung, zuzulassen, dass diese Kreatur weiter in die Tiefen von Kel-Vantor vordrang, wo sein Bruder in Ungewissheit lag.

Mit einem letzten, verzweifelten Kraftstoß drückte er den Nob zurück, sein Kettenmesser fand eine Lücke in der grob geschweißten Rüstung, und mit einem einzigen, brutalen Stoß beendete er den Kampf.

Skarnok Krumpfaust fiel, und mit ihm brach der letzte organisierte Widerstand seiner Raubtruppe zusammen.

Es dauerte eine weitere Stunde, bis die letzten versprengten Ork-Angreifer entweder getötet oder in die Weiten von Kel-Vantors Oberfläche zurückgetrieben waren, wo die Skitarii-Vorhut sie mit kalter, methodischer Effizienz aufrieb. Kael'dun kehrte, blutverschmiert und erschöpft, zur Kammer des Ersten Schweigens zurück, wo die drei Stunden seit Vosks Einbettung längst verstrichen waren.

IX. Ich bin noch hier

Achtal wartete an der Tür, sein Gesicht, was Kael'dun davon lesen konnte, angespannt.

«Die Aktivierung ist überfällig», sagte der Magos. «Zwölf Minuten. Ich habe gewartet, in der Hoffnung, dass Sie rechtzeitig zurückkehren würden.»

Kael'duns Herz schlug hart gegen seine Rippen. «Warum haben Sie gewartet?»

«Weil Bruder Vosk darum gebeten hatte, dass Sie es sind, der die letzte Verbindung schließt», sagte Achtal einfach. «Und weil ich glaube, dass es in diesem speziellen Fall wichtig ist, dass jemand mit vollem Wissen um die Umstände bei der ersten Aktivierung anwesend ist. Sie wissen selbst, was Sie mir vor Beginn des Angriffs mitgeteilt haben, Bruder-Techmarine.»

Kael'dun erstarrte. «Sie wissen es.»

«Techmarine Vorr hat es mir während des Kampfes mitgeteilt, in einem Moment der Ruhe zwischen zwei Angriffswellen. Er hielt es für wichtig genug, das Risiko einzugehen, Ihr Vertrauen zu brechen.» Achtals Stimme trug keinen Vorwurf. «Er hatte recht damit. Ich hätte es wissen müssen, bevor der Ritus begann.»

«Es tut mir leid», sagte Kael'dun, und die Worte fühlten sich unzureichend an für das Gewicht dessen, was er trug.

«Das wird es uns später besprechen», sagte Achtal. «Jetzt ist Ihr Bruder wichtiger als Ihre Schuld. Kommen Sie.»

Sie betraten gemeinsam die Kammer. Der Sarkophag stand aufrecht nun, kein liegender Kern mehr, sondern die volle, imposante Gestalt eines Dreadnoughts, massiv und still, seine äußere Hülle noch unbemalt, das rohe Grau des frischen Ceramits im schwachen Licht schimmernd. Die Anzeigen an der Basis pulsierten in einem unregelmäßigen Rhythmus, der Kael'dun das Herz zusammenzog.

«Neurale Kohärenz bei dreiundachtzig Prozent», meldete einer von Achtals Adepten. «Fluktuierend. Der Maschinengeist kämpft mit der Synchronisation.»

«Warum jetzt?», fragte Kael'dun. «Warum nicht während der Extraktion?»

«Ich vermute», sagte Achtal langsam, «dass die Erschütterungen des Angriffs, die vibrationale Störung durch die nahen Explosionen, den Prozess gestört haben. Nicht katastrophal, aber genug, um eine zweite Krise auszulösen.»

Kael'dun trat vor den Sarkophag, seine Hände zitternd trotz aller Jahre der Disziplin. «Kaelin? Kannst du mich hören?»

Für einen langen, schrecklichen Moment geschah nichts.

Dann, langsam, begannen die Sensoren-Linsen des Dreadnoughts zu glühen — ein tiefes, dunkles Rot, das langsam heller wurde, bis es die Farbe von frischem Blut auf Ceramit erreichte.

«Kael... dun?» Die Stimme, die aus den Vox-Grillen des Chassis drang, war fremd und vertraut zugleich — verzerrt durch die mechanische Übertragung, aber mit einem Rhythmus, einer Kadenz, die Kael'dun sofort wiedererkannte.

«Ich bin hier», sagte Kael'dun, seine Stimme brechend. «Ich bin hier, Kaelin.»

Die massive Gestalt bewegte sich, unsicher, wie ein Kind, das seine ersten Schritte in einem völlig neuen Körper wagte. Ein Arm hob sich, die Servo-Klaue öffnend und schließend, als würde er die neue Anatomie erst begreifen müssen.

«Es ist... anders», sagte die Stimme, und in ihrer mechanischen Verzerrung lag doch etwas, das Kael'dun als Verwirrung erkannte, als das ehrliche Ringen eines Geistes, der versuchte, sich selbst in einer völlig fremden Form wiederzufinden. «Ich fühle... zu viel. Und nicht genug. Beides gleichzeitig.»

«Das ist normal», sagte Achtal sanft, mit einer Wärme, die Kael'dun selten von ihm gehört hatte. «Der Übergang braucht Zeit, Bruder Vosk. Wochen, manchmal Monate, bis sich die neue Wahrnehmung vollständig stabilisiert.»

Die Sensoren-Linsen drehten sich, suchten, bis sie auf Kael'dun ruhten. Für einen langen Moment sagte die Gestalt nichts, und Kael'dun spürte, wie die alte Angst wieder in ihm aufstieg — die Angst, dass das, was vor ihm stand, nicht mehr Kaelin Vosk war, sondern nur eine Hülle, die seine Erinnerungen trug wie ein Schauspieler ein geliehenes Kostüm.

Dann sprach die Stimme wieder, und diesmal lag ein Hauch von etwas darin, das fast wie ein Lächeln klang, so unmöglich das in dieser mechanischen Verzerrung auch sein mochte.

«Du siehst furchtbar aus, kleiner Bruder. Warst du in einer Schlägerei?»

Kael'dun lachte — ein gebrochenes, tränenreiches Lachen, das er nicht hatte zurückhalten können, selbst wenn er es gewollt hätte. «Ein paar Orks haben versucht, deine Willkommensfeier zu stören.»

«Und du hast sie natürlich alleine erledigt, ohne auf mich zu warten.»

«Ich hatte etwas Hilfe.»

Die Dreadnought-Gestalt bewegte sich langsam, unsicher noch, aber mit wachsender Kontrolle, bis die massive Hand, vorsichtig, mit einer Zärtlichkeit, die man einer solchen Kraft nicht zugetraut hätte, sich auf Kael'duns Schulter legte.

«Ich bin noch hier», sagte Vosk, und diesmal lag keine Verzerrung mehr in der Stimme, nur die klare, ruhige Gewissheit eines Mannes, der wusste, wer er war. «Verändert. Aber hier.»

X. Willkommen

Kael'dun blieb bis in die frühen Morgenstunden bei ihm, während Achtals Adepten die letzten Kalibrierungen vornahmen und Ordensmeister Vel'Ossa persönlich vorbeikam, um seinen neuesten Ehrwürdigen zu begrüßen. Ehrwürdiger Gorrath stand die ganze Zeit über schweigend am Rand der Kammer, sein rotes Sarkophag-Fenster auf den neuen Bruder gerichtet, und als Vosk schließlich versuchte, ein paar unsichere Schritte zu gehen, war es Gorrath, der sich, zum ersten Mal seit sechzig Jahren, in denen niemand ihn je etwas anderes als die Litanei des Zorns hatte sprechen hören, mit einem einzigen, gebrummten Wort meldete.

«Willkommen.»

Die ganze Kammer erstarrte. Vehn, der Ordenspriester, ließ fast das Reliquiar fallen, das er noch immer trug. Selbst Achtal, dessen Gesicht so lange Zeit Neutralität perfektioniert hatte, konnte einen Ausdruck echten Erstaunens nicht ganz unterdrücken.

Vosk drehte sich langsam zu dem alten Ehrwürdigen um. «Sechzig Jahre», sagte er leise. «Sie haben sechzig Jahre gewartet, um das zu sagen?»

Gorraths Sensoren-Linsen flackerten, fast wie ein Nicken. «Nicht gewartet. Vergessen. Bis jetzt.»

Er sagte nichts weiter. Aber in den folgenden Tagen, wenn Kael'dun die Kammer der Ehrwürdigen besuchte, um Vosks Fortschritt zu überwachen, sah er die beiden Dreadnoughts oft nebeneinander stehen — der Alte und der Neue, Turm neben Turm, in einer Stille, die keine Worte mehr brauchte.

Der Bericht, den Kael'dun schließlich Ordensmeister Vel'Ossa vorlegte, über die vierzehn Prozent geborgener Materialien, über sein Schweigen, über die Angst, die ihn seit Wochen begleitet hatte, wurde weder mit Zorn noch mit vollständiger Vergebung aufgenommen.

«Du hast einen Fehler gemacht», sagte Vel'Ossa, in seinem privaten Studierzimmer, Wochen nach der Schlacht. «Nicht in der technischen Ausführung — Achtals Prüfungen bestätigen, dass die Materialien tatsächlich rein sind, so rein, wie Segen und Wissenschaft es garantieren können. Dein Fehler lag darin, dass du dein Schweigen für Schutz gehalten hast, als es in Wahrheit nur eine Last war, die du allein tragen wolltest.»

«Ich wollte niemandem die Verantwortung aufbürden», sagte Kael'dun.

«Nein», sagte Vel'Ossa, nicht unfreundlich, aber mit der Klarheit eines Mannes, der viele solcher Gespräche in seinem langen Dienst geführt hatte. «Du wolltest nicht riskieren, dass jemand die Wahl trifft, die du selbst nicht hättest treffen wollen — die Entscheidung, Kaelin länger warten zu lassen, während man nach reineren Materialien sucht, mit dem Risiko, dass er die Wartezeit nicht überlebt. Das ist keine Schuld, Bruder-Techmarine. Das ist eine Bürde, die jeder trägt, der die Macht hat, über das Leben eines anderen zu entscheiden, und sie manchmal falsch trägt, weil es keine wirklich richtige Art gibt, sie zu tragen.»

Kael'dun senkte den Kopf. «Was befehlen Sie?»

«Nichts», sagte Vel'Ossa. «Ich bitte dich nur, es das nächste Mal nicht allein zu tragen. Nicht, weil ich dir nicht vertraue — sondern weil kein Bruder der Eisenadern jemals allein tragen sollte, was uns alle betrifft.»

Kaelin Vosk kämpfte zum ersten Mal drei Monate später, in einer kleinen Scharmützel gegen versprengte Piraten am Rand des Aschtor-Systems — eine unbedeutende Schlacht in den großen Chroniken des Imperiums, aber für Kael'dun, der von der Kommandobrücke aus zusah, wie sich die massive Gestalt seines Bruders durch die feindlichen Linien pflügte, war es alles andere als unbedeutend.

Vosk kämpfte mit derselben Wildheit, die er als Mensch getragen hatte, aber auch mit einer neuen, ruhigeren Präzision, die nur der Sarkophag ihm hatte geben können. Und als die Schlacht vorbei war, als er zurück zum Landeplatz stapfte, seine massiven Ceramit-Platten geschwärzt von Rauch und Blut, war es sein erstes Wort über das Vox, das Kael'dun am meisten in Erinnerung blieb.

«Kleiner Bruder — hast du gesehen, wie ich diesen Piraten-Kapitän durch die Luft geworfen habe? Erzähl mir, du hast es gesehen.»

Kael'dun lachte, und diesmal war es ein Lachen ohne Tränen. «Ich habe es gesehen, Kaelin. Ich habe es gesehen.»

Es gab Momente, in den folgenden Jahren, in denen Kael'dun sich fragte, ob etwas verloren gegangen war in jener Nacht in der Kammer des Ersten Schweigens — eine Wärme, ein Funken, den er nicht genau benennen konnte, aber dessen Abwesenheit er manchmal spürte, wie eine Note, die in einer vertrauten Melodie fehlte. Vosk lachte seltener nun, wenn auch nicht, weil ihm die Freude fehlte, sondern weil sein neuer Körper Lachen anders ausdrückte — tiefer, seltener, aber nicht weniger echt.

Es war kein reiner Sieg, diese Verwandlung, sondern, wie so vieles im Dienst des Imperiums, ein Handel — Fleisch gegen Dauer, Wärme gegen Kraft, das eine Leben gegen ein anderes, längeres, härteres. Kael'dun hatte gelernt, dass es keinen Sinn hatte, nach der reinen, unveränderten Rückkehr dessen zu suchen, was einmal gewesen war. Es gab nur das, was blieb, und die Entscheidung, es zu ehren, auch wenn es anders aussah, anders klang, anders war.

Das Feuer der Eisenadern, so hatte Ordenspriester Vehn es einmal in einer Predigt formuliert, war nicht das Feuer, das unverändert brannte. Es war das Feuer, das seine Form wechselte, ohne zu erlöschen — von Fleisch zu Metall, von einem Herzschlag zu einem mechanischen Puls, immer weiterbrennend, auch wenn niemand mehr sagen konnte, ob es noch dieselbe Flamme war, die einst entzündet worden war.

Kael'dun glaubte inzwischen, dass die Frage selbst die falsche war. Es spielte keine Rolle, ob es dieselbe Flamme war.

Es spielte nur eine Rolle, dass sie noch brannte.

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