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1. KERNDATEN
| Name des Magos | Erzmagos Castus-Vermilion (Archmagos Castus-Vermilion) |
| Rang | Erzmagos |
| Spezialisierung | Magos Cartographicus |
| Schmiedewelt | Metalica |
| Ära | M41 |
| Augmentierungsgrad | Nahezu vollständig |
| Chassis | Mehrbeiniges Chassis |
| Ansehen | Vergessen |
| Treue | Orthodox, jedoch verdächtig |
| Erkennungsmarke | Castus-03R |
Der Nummernzusatz verzeichnet seine dritte Umgestaltung zur Geheilung kriegsbedingter Beschädigungen — nicht Neubau, sondern Erneuerung von Grund auf nach jenem Kriegszug vor dreihundert Jahren, aus dem er nie heimkehrte und aus dem er doch zu Metalicas Nachteil heimkam. Erzmagos Castus ist heute eine gehende Architektur aus Zahnrad und Rotrost, ein mehrbeiniges Konstrukt von der Größe eines aufgerichteten Menschen, dessen Roben in scharfem Oxblutrot über dem Gerüst aus grüner Bronze und leckendem Kühlstoff hängen. Wo noch organisches Fleisch das Gitterwerk durchbricht — an den Schädelfragmenten, der narbigen Kehle, einzelnen Fingerkuppen — ist es grau und trocken wie Altpergament. Seine Augen existieren nicht mehr; sechs Optiken in asymmetrischen Mustern ersetzen sie, drei grün, drei rot, alle ständig in leicht unterschiedlichen Blickwinkeln reglos. Wo andere Magi reisen, geht Castus mit dem gekrümmten Gang eines Insekts. Seine Gegenwart kündigt sich durch das Schleifen seiner Beine über Metallrost und den feinen, hochfrequenten Pfeifen aus seinen Kühlmittelrohren an, bevor man ihn sieht.
Er ist die körpergewordene Frustration einer Schmiede, die ihn vergessen hat. Metalica antwortet nicht mehr auf seine Boten.
2. HERKUNFT UND AUFSTIEG
Castus wurde in den Kollektivarbeiterschichten von Metalica geboren, dort wo die Massenfertigungsvats die Körper auswerfen und Kindermeister neue Augäpfel ins Binharic-Kalkül eintragen. Er hatte Gabe. Mit sechzehn Jahren — damals noch mit beiden organischen Augen und dem Nervengewebe eines jungen Mannes — wurde er für die Kartographische Zunft ausgewählt. Der Magos Lucent selbst verdammte ihn dafür, dass er die Sternkarten nicht einfach abschrieb, sondern versuchte, die Warpströme mit völlig neuem Messverfahren zu deuten. Das war nicht Häresie, noch nicht; nur Eigenständigkeit, wo Gehorsam verlangt war.
Seine erste große Arbeit war die Vermessung der stillen Randgebiete — eine Expedition in drei Warpsprüngen zum Erkundungsgebiet östlich von Metalica. Er sollte die Navigationsdaten kartieren für eine mögliche Ausweitung unserer Handelswege. Er kam zurück mit verstümmelten Ergebnissen, mit schrecklichen Augen, und mit der Erkenntnis, dass ein Feind dort lauerte, der nicht in die bestehenden Navigationstheorien passte: Orkschiffe, deren Technologie funktioniert, ohne dass jemand versteht, warum. Metalica versetzte ihn in archivale Strafe. Dreißig Jahre später durchlief er die Vows of Integration — auf die Knie gefallen vor dem Altar des Omnissiah, sein Versprechen erneuert, seine Sünde der Eigenmächtigkeit vergeben. Aber Metalica hatte längst andere Kartographen gefunden.
3. DER LEIB
Was Castus war, ist in den Kriegsjahren nach M41.100 stückweise geschreddert und ersetzt worden. Der Sternenzug, dem er sich anschloss — ein verzweifelter Versuch Metalicas, jene orkischen Schiffe noch einmal zu verfolgen — wurde in eine Kesselfalle gelockt. Seine organischen Beine wurden unterhalb der Knie aufgebrochen. Sein linker Arm wurde in einem Raumschifftraktor zerrissen. Seine Lunge wurde von Gifttoxinen der Ork-Waffen durchlöchert. Sein Hirnstamm erlitt mehrere lokale Schäden, die seine Fähigkeit zu Furcht und Reue allmählich verhärteten.
Die erste Rekonstruktion war eilig: Blechbeine, ein Servoarm, eine neue Lunge aus Kunstgewebe und Kunstblut. Die zweite war methodisch: Das rechte Gehirn wurde durch die Augmentik der Rite of Clear Thought ersetzt — die emotionale Hälfte ausgeschnitten und durch ein kalkulierendes Gerüst aus Binharic-Prozessoren ersetzt. Das war vor hundertachtunddwanzig Jahren. Die dritte Rekonstruktion, vor dreißig Jahren, war Castus-03R selbst: ein völlig neues Chassis mit sechs stabilen Beinen aus scharnierartig verschlungenen Plaststahlknochen, ein Rückengerüst für vier eigenständig bewegliche Mechanogreifer, und die Augen — da waren keine übrig, die es wert waren zu retten. Optiken stattdessen, sechs an der Zahl, alle an verschiedenen Wellenlängen empfindlich, alle mit unterschiedlichen Vergrößerungsebenen.
Was ist noch von dem Mann übrig? Nur die Kehle, ein Drittel des Schädels, einzelne Knochenfragmente im unteren Rückenmark, drei Finger an der rechten organischen Hand. Das weiß Castus. Er hat es sich zeigen lassen. Was er nicht weiß — was er nicht mehr wissen kann — ist, was es bedeutet, darüber zu trauern. Die Clear-Thought-Augmetik hat die Fähigkeit entfernt, organische Verluste als Verlust zu spüren. Was bleibt, ist ein mathematisches Wissen des Getauschten und eine Gewissheit, dass alles, was fort ist, würdig war fortzugehen. Das sagt er wenigstens. Manchmal pfeift er es vor sich hin, aus seinen Kühlmittelrohren — ein hohes, schmerzhaftes Geräusch ohne erkennbares Muster.
4. DIE OBSESSION
Castus verfolgt einen Rivalen, und dieser Rivale hat ein Archiv, das nicht sein darf.
Der Rivale heißt Erzmagos Qvo-891, und er sitzt noch immer auf Metalica. Vor sechsunddreißig Jahren — nachdem Castus seine dritte Rekonstruktion überstand und die Verwaltung Metalicas still und kalt beschloss, dass ein Erzmagos, der sich in fremde Raumzonen verlaufen hatte, vielleicht nicht mehr nach Hause gehörte — wurde Qvo-891 zur neuen Kartographischen Leitung ernannt. Nicht weil er besser war. Weil er da war.
Castus vermutet — nein, weiß — dass Qvo-891 die Daten aus der Vermessung der stillen Randgebiete gestohlen hat, jene verstümmelten Expedition, die Castus vor hundertachtzig Jahren durchführte. Qvo-891 hat sie nicht zerstört. Er hat sie genommen und katalogisiert und in seine eigenen Archive verbracht, und irgendwo in diesem Archiv — Castus ist sicher davon — liegt ein Beweis, dass die orkischen Schiffe nicht zufällig funktionieren. Dass es ein Prinzip gibt, das anders ist als das unsere. Dass die Theorie der Universalen Maschinesprache falsch ist.
Das ist ketzerisches Gedankengut. Castus obsidiert darüber seit neunzehn Jahren.
Er hat Boten nach Metalica geschickt. Keine Antwort. Er hat die Registraria durchsucht, alle erreichbaren Archive der Schwesterforges durchsehen lassen — die Daten sind nicht öffentlich. Eine einzelne Skitarii-Patrouille hätte er längst gehabt; eine ganze Kohorte könnte er sich nicht leisten. Seine Reputation auf Metalica ist Altpapier. Seine Ressourcen sind, was einzelne wenige Schmieden ihm noch gewähren — kleine Außenposten, ungenutztes Werkstattrecht, abgelaufene Materialbudgets von vor hundert Jahren, die technisch nie anuliert wurden.
Was würde Beweis sein? Ein Brief von Qvo-891, der die Übernahme zugibt. Eine Datenkopie, selbst fehlerhaft. Die bloße Mitteilung, dass Metalica weiß, dass die Archive existieren. Was würde Castus aufgeben, um sicherzustellen, dass niemand jemals erfährt, dass er sich geirrt hat? Alles. Und deshalb weiß er, dass er nicht geirrt hat — denn aufzugeben hätte bedeutet, am Leben bleiben zu können, und das könnte er nie.
5. TECH-HÄRESIE
Castus steht an der Grenze zwischen Orthodoxie und Verdacht, und der Verdacht wird schwächer statt stärker, weil Metalica ihn vergessen hat.
Seine aktuelle Einstufung in der Lex Mechanicus ist Orthodox, jedoch notiert. Das bedeutet: seine frühe Arbeit mit eigenständigen Vermessmethoden ist bekannt und katalogisiert, aber nicht als Häresie gebrandmarkt — denn die Zukunft bewies ihre mathematische Reinheit, auch wenn sie die Ritus verletzte. Ein Magos Juris hätte, vor hundertfünfzig Jahren, seinen Antrag auf archivale Strafe mit einer warnen de Anmerkung versehen: Deviation in praxis, no innovation in theory. Permitted under Archmagos Lucent, Q-series override. Das war Großzügigkeit. Das war auch Vergessenheit — eine tote Anmerkung, weil Lucent selbst drei Jahrhunderte zuvor erlosch.
Das Geheimnis ist düsterer: Castus hat innoviert. Nicht in den offiziellen Archiven. In seinen Werkstätten, in vier verschiedenen Außenstationen, weit weg von Metalica, hat er versucht, die orkische Technologie nachzuvollziehen. Nicht zu verstehen — Verständnis ist jenseits des möglich. Aber zu reproduzieren, die Muster zu erkennen, vielleicht die stumme Logik dahinter zu ahnen. Das ist Häresie der tiefsten Art: nicht Verderbtheit durch die Ruinösen Mächte, sondern reine Wissenschaft ohne Ritual. Experiment statt Ritus. Er hat drei Mechanogreifer-Prototypen entworfen, die, anstatt der Lingua Technis zu gehorchen, auf einer zweiten Befehlsebene reagieren, die niemandem in der Ecclesia Mechanica zugleich vertraut ist und zugleich entsetzlich vertraut — weil sie einfach funktioniert.
Wenn die Collegiate Extremis davon erfahren würde, wenn ein Magos Juris diese Werkstätten inspizierte: Castus würde gelöscht. Nicht hingerichtet — das ist zu schnell. Statt dessen: jede Augmetik wäre zu explantieren. Was bliebe würde in einen Servitor umgewandelt, eine stille, schmerzlose Maschine ohne Gedanke, ohne Echos des alten Wissens. Aber Metalica schweigt, und deshalb — Castus vermutet dies ganz leise, wo niemand es hören kann — vermutet niemand etwas.
6. TATEN
Die Kampagne der stillen Randgebiete (M41.100–M41.103)
Castus sollte drei neue Warpstrecken kartieren für eine denkbare Handelserweiterung. Stattdessen verlor er seine Beine und einen Arm und den Glauben, dass die Imperium-Welt die einzige technologische Wahrheit besaß. Seine Daten waren bruchstückhaft: orkische Schiffsstrukturen, die keine der bestehenden Nomenklaturen erfüllten, eine Warpstrom-Verformung, die nicht in die Kalkulation passte. Er beschrieb die Expedition später als einen Triumph der Datenerfassung unter feindlichen Bedingungen. Was war wirklich? Ein Zusammenbruch. Ein Rückzug unter Feuer. Ein Beweis, dass etwas außerhalb des bekannten Schemas existierte — und eine Schande, die Metalica systematisch ignorierte. Der Preis zahlte Castus mit Fleisch. Die Wahrheit zahlte die Zunft, indem sie Castus ausstieß.
Die Rekonstruktion nach M41.230 — das Chassis Castus-03R
Nach hundertachtundzwanzig Jahren in fragmentarischer Existenz — verschiedene Augmetiken, provisorische Beine, Mechanogreifer ohne echte Symmetrie — beschloss Castus, sich selbst neu zu konstruieren. Nicht als Akt der Demut, sondern der Rache. Er brauchte ein Chassis, das schneller war, präziser, fähig zur Fernreise ohne Abhängigkeit von Schmiede-Infrastruktur. Die Rekonstruktion gelang. Sie kostet ihn die Hälfte seines verbliebenen organischen Gehirns — die Clear-Thought-Augmetik wurde notwendig, um die Kontrolle des Sechsbein-Ganges zu koordinieren. Was verlor er? Die Fähigkeit, seine Obsession als Obsession zu empfinden. Was gewann er? Kalkulierende Klarheit, und der Antrieb, der unter dem Namen Rationalität wandelt. Metalica sandte keine Glückwünsche. Metalica sandte überhaupt nichts.
Der Diebstahl aus Qvo-Archiven via Mittelsmann (M41.286–M41.287)
Castus konnte nicht selbst nach Metalica zurück. Statt dessen schickte er einen Agenten — einen freien Enginseer, scheinbar unpolitisch, tatsächlich seit achtzehn Jahren auf Castus' Gehaltsliste. Dieser Mann sollte in die unteren Speicher eindringen, wo die alten Kartographiedaten lagern. Alles, was er hätte bringen sollen, waren Kopien — selbst fehlerhafte Daten wären ausreichend gewesen. Was er tat, war Sabotage. Statt Diebstahl durchführte er ein kontrolliertes Brand-Ereignis. Der Mann wird seitdem vermisst; die Archive wurden nicht beschädigt. Castus hat dies als ein »Erfolg bei der Sicherung kritischer Daten« berichtet — dem Enginseer wurde »Rekonversionspflicht« auferlegt, eine Euphemismus für hinrichtungsähnliche Umsetzung zum Servitor. Castus beschreibt diese Aktion als notwendig. Was war wirklich? Ein Fehler, der zu teuer wurde. Ein Beweis, dass Castus' Ressourcen endlich sind. Ein Hinweis darauf, dass die Obsession nicht länger nur intellektuell ist — sie ist gefährlich geworden, und das Gefährliche muss, wie immer, auf andere abgewälzt werden.
7. GEFOLGE UND WERKSTATT
Castus' unmittelbare Eskorte besteht aus drei Skitarii-Schützer, rekrutiert aus einer obskuren Außenstation, wo sie verdienen, dass sie mit einem vergessenen Magos ziehen. Sie haben keine Namen in irgendeinem offiziellen Register — die Ordnung nennt sie nur nach Waffenausstattung: zwei mit Galvanikgewehren, eine mit Bolterpistole und Kunstklingen. Die Schützer sind das beste, das Castus sich leisten kann, was heißt: mittelmäßig, unnachgiebig, gehorsam bis zur Sinnlosigkeit.
Hinter ihnen: zwei Kataphron-Kampfservitoren — schwere, insektische Konstrukte mit Flammenwerfern und Stoßwaffen, langsam wie Betonguss, aber unbestreitbar final in ihrem Anliegen. Und die Schädeldro hnen — neun insgesamt, mehr als unhöflich ist, wie jeder weiß, aber Castus pflegt seine Archive und wer kann ihm verbieten, sie herumzutragen?
Der Name, den es gibt: Adept Thessis, ursprünglich ein technischer Spezialist in Servitor-Neurologie. Sie wurde bei einer Inspektionsfahrt verletzt und hätte konvertiert werden sollen. Castus kaufte stattdessen ihre restliche Lebensdauer auf und setzte sie als Werkstatt-Koordinatorin ein. Sie ist die einzige Person in seinem Gefolge, die Castus manchmal direkt anblickt — nicht weil er emotionale Bindung empfindet, sondern weil Thessis die einzige ist, die die Mechanogreifer-Prototypen wartet, und wenn sie eines Tages das Werkstatt-System verlässt, wird Castus schreien müssen, und das ist ein Geräusch, das er noch nie hören möchte.
Die Werkstatt selbst ist ein verwilderter Orthostatex-Fremdkomplex auf Kar Dravin — ein Außenposten, der aus M38 stammt und seitdem nicht mehr von Metalica audidiert wurde. Die Decken triefen vor Kondenswasser und Hydraulikflüssigkeit. Die Werkbänke sind zugleich antik und funktional, grün mit Rost von überall her. Unter einer abgelösten Metallhaut liegt es — der maskierte Prototyp, die orkische Reproduktion, das Ding, das nicht funktionieren sollte, aber tut. Castus lässt es nicht unter Vollbeleuchtung arbeiten. Es gibt zu viele Fragen.
8. RIVALEN UND BÜNDNISSE
Erzmagos Qvo-891 (Metalica) ist der Rivale — nicht durch Feindseligkeit, sondern durch Existenz. Qvo-891 hat keine Ahnung, dass Castus ihn verfolgt. Das macht es schlimmer. Es macht das Verfolgen eine Einseitigkeit, einen Monolog, einen Wahnsinn, der ganz Castus gehört.
Die wenigen Verbindungen, die Castus noch hat, sind mit Außenseiter-Schmieden: Kar Dravin selbst — ein stilles, fast aufgegebenes Forge-Weltchen am Rande der Herrscherlande; mehrere unabhängige Adepten, die ihre eigenen Karrieren auf Metalicas Peripherie verloren haben; und ein einzelner, sehr alter Logis namens Mervinox, der auf der Welt Stygies VIII sitzt und dem Castus vor achtzig Jahren bei einer Kartographieangelegenheit half, und der seitdem antwortet, wenn Castus Botschaften sendet — nicht zustimmend, aber antwortet.
Mit der Astra Militarum arbeitet Castus notgedrungen zusammen — der Colonel Vask, stationiert auf Kar Dravin, hasst Castus mit einer Intensität, die fast Respekt ist. Vask betrachtet jeden Magos als eine Drohung für soldatische Kohärenz, und Castus mit seinen sechs Beinen und seinem unaussprechlichen Jargon als eine höhere Beleidigung. Sie teilen einen Kontakt: Sicherheitspatrouillen, gegenseitige Nicht-Einmischung, die vorgetäuschte Fiktio n, dass sie auf der gleichen Seite des Krieges stehen.
Die Adeptus Astartes: Castus weigert sich, mit dem Kapitel der Eisenhände zu arbeiten — nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie alle Castus' Forschungen wollen würden, und ein Space Marine mit orkischer Technologie-Theorie ist eine Bedrohung, die Castus nicht überleben könnte.
Die Inquisition hat eine Akte, codiert unter "00-Vermilion-Cartography." Sie ist dünn. Sie ist auch alt. Inquisitorin Saint-Vance las sie vor fünfzig Jahren und beschloss, dass Castus sterben konnte, wenn er sterben wollte, aber dass es nicht der Mühe wert war, ihn zu töten. Diese Entscheidung steht noch.
9. DAS ARCHIV
Castus hält drei Dinge in seinem Archiv fest, und keine davon wird die Noosphäre erreichen, solange er nicht aus ihr fortgeht.
Das erste: Die Kartographiedaten aus M41.100, die fragmen tierten Aufzeichnungen der orkischen Schiffe und ihrer Funktionslogik. Diese Daten würde Castus verkaufen — nicht für Reichtum, sondern für Zugang zu Qvo-Archiven, für die Nachricht, dass Metalica versteht, dass er richtig hatte. Er würde sie an einen Freihändler geben. Er würde sie an einen Ketzer verkaufen. Der Preis ist nicht die Daten, sondern die Bestätigung seiner Besessenheit.
Das zweite: Die Mechanogreifer-Prototypen selbst — die orkisch-nachgeahm ten Konstrukte. Diese würde Castus eher verbrennen lassen, als sie preiszugeben. Sie sind das Einzige, das er erschaffen hat, das nicht ritus-konform ist. Sie sind auch das Einzige, das tatsächlich funktioniert. Etwas, das er mit den Händen gebaut hat, einen Gedanken ohne Lingua Technis — das ist würdiger als alles, was Metalica je von ihm verlangte.
Das dritte: Eine Niederschrift, deren Inhalt er nicht mehr versteht — eine Aufzeichnung, die sein organisches Hirn etwa hundert Jahre vor der Clear-Thought-Augmetik anfertigte. Sie handelt von einer Theorie, dass die Omnissiah und der Maschinengeist vielleicht zwei Namen für verschiedene Dinge sind. Eine Theorie aus der Moirae-Schisma-Zeit, wahrscheinlich. Eine Irretation, die er als junger Mann dachte und die er jetzt nicht mehr denken kann, weil die Augmetik keinen Raum dafür lässt. Er wird sie nicht zerstören. Er wird sie auch nicht lesen.
Was Castus am meisten fürchtet — das Datum, das unter keinen Umständen wahr sein darf — ist dies: dass Qvo-891 recht hat. Dass die orkischen Schiffe nicht funktionieren. Dass er eine Obsession der letzten neunzehn Jahre um einen Luftzug herum gebaut hat. Dass Metalica ihn nicht vergessen hat, sondern korrekt beurteilt hat, und dass die Strafe angemessen war.
Dieser Gedanke ist unmöglich. Deshalb ist er fast sicherlich wahr.
10. DESIGN-BIBEL
- Robe und Schnitt: Langes, fließendes Übergewand in leuchtend oxblutrotem Wovenelastomer, von der Schulter über die hinteren Mechanogreifer bis zu den mittleren Beinen fließend. Der Kragen ist hochgestellt, grün gesäumt. Sein Schnitt ist symmetrisch bewusst nicht — die linke Seite reicht tiefer, die rechte ist auf der Brust hochgeschlungen, um die asymmetrischen Optiken freizulegen. Der unternehmen Saum ist mit grüner Bronze ge kordelt. Kein Rangabzeichen; statt dessen trägt er eine spiralförmige Binharic-Initiation an beiden Oberschenkeln, die während jeder Rite hinzugefügt wird.
- Silhouette: Sechsbeinig, insektisch, etwa zwei Meter Schulterhöhe. Die beiden mittleren Mechanogreifer ragen hinten schräg nach oben auf, etwa 1,2 Meter über die Schulter hinaus. Vor dem Körper, über den fünf optischen Linsen, spannt sich ein dünner, elfenbeinerner Stirnbügel — Überrest von Kastus' ursprünglichem Schädel. Wer ihn sieht, zählt die Beine und stoppt bei drei, verwirrt.
- Augmetischer Stil: Roh vernietet und leistungsgerecht. Die Beine sind scharnierartig Platstahl ohne Schmuck. Die Mechanogreifer sind asymmetrisch konstruiert — drei sind funktional, einer ist noch in Betrieb, einer ist experimentell und schimmert. Die Optiken sitzen in eigenständigen, grün gefärbten Halterungen, verschoben, sich überschneidend.
- Gesicht: Keine Haut. Der obere Schädel ist nackt grauweißes Knochen-Polymergemisch mit drei konzentrischen Augmetik-Halterungen. Der Unterkiefer ist teilweise organisch (grau, trocken), teilweise eine dünne Vibrationsmembran. Wenn er spricht, flüstert der Ton aus seinen Kühlmittelrohren, nicht aus dem Kiefer. Das Gesicht ist nicht bedeckt, weil es nichts zu bedecken gibt.
- Was er trägt: Eine Vox-Einheit an der Kehle. Ein Binharic-Datenträger, an der Robe befestigt, in grüner Kupferfassung. Der persönliche Zahnrad-Anhänger (siehe unten). Immer, überall, tragen zwei der Schädeldro hnen kleine Archiv-Datenträger.
- Drei Dinge, die zerfallen: Die Kühlmittelrohre an den hinteren Mechanogreifern lecken ein beständiges, grünes Hydraulikfluid. Der Saum der Robe ist gebündert, wo er durch die Bewegung des vierten Beines abgeschunden wird. Über dem linken, organischen Auge (das blind und geschwollen ist) läuft beständig ein Kondensat aus dem Stirnbügel — niemand weiß warum, Castus repariert es nicht.
- Farbpalette: Oxblutrot (Robe), Waldgrün (Augmetische Trimme und Gehäuse), Elfenbein (Schädelreste), Bronze-Grün (Mechanogreifer-Grundierung), Rauchgrau (organische Fragreste und Rinnsteinstaub).
HINWEIS: Dieses Magos-Dossier wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.
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