Schreiender Amboss
Core Data
| Kind of machine | Dreadnought |
|---|---|
| Pattern / class | Sonic Dreadnought (Slaanesh; only one who surrenders all bodily sensation can pilot it) |
| Legion / Chapter / House | Iron Hands |
| Era | Horus Heresy (M31) – the losses force every Legion into mass deployment |
The Machine
| Left mount / arm | Leviathan siege drill |
|---|---|
| Right mount / arm | Leviathan siege drill |
The machine
Der Schreiende Amboss ist ein Sonic Dreadnought, Fertigungsstandard M31.5, das Baumuster selbst eine Rarität, die nur dreizehn Mal gebaut wurde, alle für die Iron Hands während der großen Rüstungsanstrengung vor dem Fall von Terra. Das Chassis ist neuntausend Jahre alt — das wird bald zehntausend sein. Es hat überlebt, was normalerweise nicht überlebt hätte.
Das Carapax ist aus einer Leitung — eine frühe Verarbeitung von Ceramit, nicht das reine Material, das später verfügbar war. Der Hull wurde neunmal neu versiegelt. Man kann die Reparaturkanten sehen, wenn man weiß, wo man hinschauen muss: die Stelle an der rechten Schulter, wo ein Orkbeil eindrang und hundert Millimeter in den Panzer schnitt (repariert M35.4, schlecht); die Narbe an der linken Flanke, wo eine Plasma-Kanone traf und das Material spaltete (repariert M38.2, besser); die ganze Oberseite des Carapax, die unter dem Feuer eines Raumschiffes zerbarst und später mit Platstahl-Bändern zusammengehalten wird (repariert M39.7, notwendig, nicht richtig).
Der Sonic-Generator sitzt in der Brust, unmittelbar vor dem Sarkophag. Er ist nicht sichtbar — er ist unter drei Schichten Panzer versenkt — aber er ist hörbar. Wenn der Dreadnought spricht, vibriert das ganze Chassis. Die Frequenzen sind so tief, dass sie nicht Schmerz sind — sie sind Gegenwart, wie der Herzschlag des Imperiums selbst.
Der linke Arm trägt einen Leviathan-Bohraufsatz — eine der alten Waffen, eine Drillapparatur mit einer Spitze aus gehärtetem Adamantium, die in Rotation kann. Der Bohrer ist zweimal getroffen worden: einmal M37.8, als er in Stein traf und brach, repariert mit einer neuen Spitze, die nicht ganz passt; einmal M42.3, als ein Eisenhälter-Schuss den Schaft traf und ihn verbog. Er ist noch immer nicht völlig gerade. Ein guter Techmarine würde ihn auseinandernehmen. Die Techmarine der Renegaden-Eisenhände haben das nicht getan. Der Bohrer funktioniert noch.
Der rechte Arm ist auch ein Leviathan-Bohraufsatz — das ist ungewöhnlich. Ein Dreadnought trägt normalerweise Bohrer und Faust, oder Flammenwerfer und Schwere Bolter, oder eine Kampf-Auswahl. Zwei Bohrer bedeutet eine Entscheidung: dieser Dreadnought ist für die Zerstörung einzelner Dinge gedacht, nicht für das Einfangen vieler Dinge. Der rechte Bohrer ist der bessere der beiden — repariert nur einmal, M40.1, mit einer korrekten Ersatzspitze. Die Techmarine haben ihre Vorlieben.
Als Sekundärbewaffnung trägt der Schreiende Amboss einen Sturmbolter unter der rechten Schulter — eine Standard-Installation, praktisch für alle Ziele — und einen Warp-Verstärker unter der linken. Der Warp-Verstärker ist nicht Standard. Es ist ein Gerät aus der frühen Renegaden-Zeit, ein Versuch, die Sonic-Frequenzen durch das Immaterium zu amplifizieren. Es funktioniert unvollständig. Es funktioniert schmerzhaft. Es wird trotzdem verwendet.
Die Ehrenschriftrolle sitzt auf dem Carapax der Brust, unterhalb des Vox-Emitters. Sie ist aus Adamantium, schwarze Oberfläche, mit dem Namen »MARCUS HALLOWAY, SERGEANT, DRITTE KOMPANIE, EISENHÄNDE, M31.6« in vergoldeten Lettern eingraviert. Darunter, viel später hinzugefügt, in schlecht ausgeführten Ritzungen: »GEFALLEN ZU TERRA, WIEDERERWACHT M34.1, GEFALLEN ZU KALDRATH, WIEDERERWACHT M36.8, GEFALLEN—« und dann bricht die Liste ab. Es gibt keinen Platz mehr. Der letzte Name wurde nie eingemeißelt. Irgendwer hat das gelesen als: Halloway fällt nicht mehr. Halloway kehrt nicht mehr zurück.
Das Chassis kann nicht in enge Tunnels einfahren — die Breite ist 3,4 Meter, und fast alles, das Menschen gebaut haben, ist schmaler. Die Bohraufsätze können nicht über die Schultern hinaus. Der Dreadnought braucht einen Apothecarius-Bruder, der neben ihm läuft und die feinen Dinge tut — Türen öffnen, Verkabelung trennen, kleine Gegner erledigen. Halloway hat gelernt, das zu akzeptieren. Das ist nicht Schwäche. Das ist nur Größe.
The One Inside
Crew / occupant
Marcus Halloway war kein Hauptmann. Er war Sergeant der Dritten Kompanie der Eisenhände, zweites Trupp, der Zug für die Dinge, die Kraft brauchten und Zeit hatten. Sein Rang war nicht das Erste, das man an ihm bemerkte. Das Erste war: er wollte verstehen.
Das war bei den Eisenhänden nicht ungewöhnlich — die ganze Legion war von Ferrus Manus so erbaut, dass jeder Mann die Maschinen liebte und die Liebe zur Vollkommenheit trieb. Aber Halloway ging weiter. Er wollte nicht nur wissen, wie etwas funktionierte. Er wollte wissen, warum es so funktionierte und nicht anders. Die Techmarine der Kompanie hielten das anfangs für Gründlichkeit. Mit der Zeit wurde klar, dass es Eigensinn war.
Seine Stärke lag nicht in der Schlacht — er war kein Samurai des Kampfes wie die weißen Reiter vom Khan, kein Berserker wie Angrons Fleisch. Seine Stärke war Beständigkeit. Sein Trupp verlor Männer wie jeder andere, aber Halloway kannte ihre Namen noch, nachdem ihr Gensaat weitergegeben war. Er kannte ihre Fehler. Er wusste, wo ein Mann schwach war, und gab ihm die Arbeit, bei der dieser Mann nicht schwach sein durfte. Das ist nicht sentimental. Das ist Handwerk.
Mit Sergeant Aiden — sein Name, sein einziger echter Freund in der Kompanie — hatte Halloway zehn Jahre lang patroulliert, bevor die Häresie kam. Sie sprachen nicht viel. Sie wussten beide, was zu tun war. Aber bei Aiden konnte Halloway die endlosen Fragen stellen, die andere Brüder müde machten. Warum baute der Primarch die Festungen so? Was wollte Ferrus erreichen mit der Art, wie er den Orden aufbaute? Aiden hatte keine Antworten. Aber er hörte zu.
Halloway verweigerte einmal einen Befehl. Das war auf Medusa, M31.3, lange vor Terra, als die Häresie noch Gerücht war. Ein Offizier — ein Praetor ohne Gesicht im Gedächtnis — befahl dem Trupp, einen Rhino zu sprengen, um die Linien zu legen. Halloway sah, dass der Wagen noch funktionieren konnte. Dass die Reparatur eine Stunde dauerte und die Sprengung ein sauberes Werkzeug zerstörte. Er sagte dem Offizier, nein.
Der Offizier ließ ihn schlagen. Das war rechtmäßig. Halloway nahm es hin.
Der Wagen wurde repariert. Ein anderes Trupp hatte ihn später nötig. Es half, das Tal zu halten. Niemand sagte Halloway danach, dass er recht gehabt hatte. Niemand hätte das gemusst.
Das Letzte, das Halloway als gehendes Ding tat, war, Aiden zu finden. Das war während der Belagerung von Terra selbst, M31.6, in den Trümmern unter der Eisenfeste der Eisenhände, wo die Verdammten Legion zum letzten Mal stand. Aiden war nicht tot. Aiden war schlimmer als tot — die Chaos-Saat in ihm war aufgegangen, und er war etwas anderes, das Aidens Stimme hatte. Halloway konnte das sehen. Er konnte das nicht ändern. Er erschoss seinen Freund mit einer Bolterpistole in den Kopf und verblutete fünf Minuten später auf den Steinen.
The rite that put them there
Die Wunde war nicht kompliziert. Ein Plasmageschoss traf ihn in die rechte Flanke, unten, genau dort, wo die Kraftrüstung dünner war. Das Energie-Plasma verdampfte Muskel, Rippe und Lunge. Es war heiß genug, dass das Blut nicht lief — es verdampfte mit. Der Schmerz war eine Sache, die sein Körper registrierte wie eine Messlatte: ja, das ist eine tödliche Wunde, ja, du stirbst. Sein Geist war ruhig. Die Arbeit war getan.
Er lag drei Stunden, bevor ihn ein Apothecarius fand. Das war Brother-Surgeon Trevion, der beste der Kompanie, ein Mann, der Gensaat entnehmen konnte, ohne dass ein Bruder es fühlte. Trevion sah Halloway und sah, dass der Sergeant nicht zu retten war — nicht im Moment, nicht auf der Ebene der Schlacht. Aber Trevion sah auch: es war kein Gehirntod. Es war eine Wunde. Der Geist war unverdorben.
Der Befehl zur Bestattung kam von Hauptmann Valdez, dem Kommandeur der Dritten Kompanie. Valdez hatte Halloway gekannt. Sie hatten nicht miteinander geredet wie Freunde, aber ein Hauptmann weiß, was ein guter Sergeant ist. Valdez sagte: »Wir verlieren zu viele. Dieser hier wird nicht verlorengehen.«
Einige Brüder widersetzten sich. Nicht dem Ritus — das war unmöglich. Der Ritus ist der Ritus. Sie widersetzten sich dem Geist der Entscheidung. Ein Sergeant war ein Sergeant. Die Legionen brauchten Dreadnoughts, ja, aber brauchten sie diesen Dreadnought? Die Techmarine antworteten nicht. Sie bereiten bereits den Sarkophag vor.
Die Bestattung geschah zwölf Stunden später, tief unter der Feste, in der Stille zwischen dem Bombardement. Das war die Einzige Zeit, in der es still genug war, um zu konzentrieren.
Sie legten Halloway auf den Tisch der Apothekarion, die Wunde wurde gereinigt, aber nicht verbunden. Das war nicht mehr nötig. Ein Techmarine — sein Name ist verloren — begann die Verbindungen. Der Narthecium wurde angesetzt. Die Kanülen gingen in die Wirbelkörper, die Nervensiege, die Stellen, an denen ein Mensch noch ein Mensch sein konnte und eine Maschine gleichzeitig Maschine. Die Bestattungsflüssigkeit — dick wie Öl, salzig wie Blut, kalt wie die Tiefe des Weltraums — floss in die Lungen. Es geschah nicht schnell. Es geschah nicht sanft. Es war ein Vorgang, wie in Stahl zu verwandeln, und Stahl weint nicht.
Die erste Minute: Halloway versuchte zu atmen. Der Körper versuchte es. Die Flüssigkeit füllte den Raum, in dem die Luft gewesen war, und ersttickte das Reflex.
Die zweite Minute: Die Kanülen verbanden sich. Die Mind Impulse Unit startete. Das war der Moment, in dem Halloway aufhörte, ein Mann zu sein, und anfing, etwas anderes zu sein — noch immer mit dem Namen Halloway, noch immer mit den Gedanken Halloway, aber jetzt durch das Sensorium eines Dreadnoughts erlebend. Der Carapax wurde das neue Fleisch. Die Servoarme wurden die neuen Arme. Und das Schlimmste: er konnte es spüren. Alle die neuen Empfindungen strömten herein wie Eisen in Wasser, und sein Verstand versuchte, sie zu klassifizieren, als ob sein Leben davon abhing.
Die dritte Minute: Der Sonic-Generator aktivierte sich. Das war nicht Teil des Standard-Ritus. Das war die eigentliche Strafe.
Denn Halloway war kein Standard-Dreadnought. Die Sonic Dreadnought ist gebaut für einen Mann, der alle normalen Empfindungen aufgibt — Schmerz, Temperatur, Druck, die bloße Tatsache, dass Luft gegen die Haut strömt. Ein Standard-Dreadnought speichert diese Empfindungen ab und macht sie zu Signal. Ein Sonic-Chassis verdampft sie völlig. Es ersetzt sie durch eins: den reinen Schall, die Frequenzen, die Vibrationen, die durch alles gehen.
Die Techmarine wussten das. Trevion wusste es. Hauptmann Valdez wusste es. Das war keine Rettung. Das war Bewusstsein-Pflichtung. Man wählte einen Mann für ein Sonic-Chassis, nur wenn er entweder schon halb verrückt war — was Halloway nicht war — oder wenn man wollte, dass er es wurde.
Valdez hielt den Stasis-Schalter in der Hand. Drei Sekunden, bevor er ihn betätigte, sagte er zu dem bewussten, schreienden Ding, das in den Sarkophag eingebunden war: »Du wirst hören, Bruder. Das ist alles, was dir bleibt. Höre gut.«
Dann: Stasis.
Machine Spirit
The machine spirit
Halloway ist nicht mehr Halloway. Das ist das erste, das zu sagen ist. Der Mann, der auf dem Tisch der Apothekarion lag, vor zehntausend Jahren, war ein Rationales Tier — ein Ding, das denken konnte, wählen konnte, sich weigern konnte. Das Ding, das jetzt in dem Sarkophag atmet — wenn »atmen« das richtige Wort ist für das Durchpumpen von Bestattungsflüssigkeit — ist eine Struktur, die aus Erinnerung und Verwirrung zusammengefügt ist, die noch immer einen Namen hat, aber nicht weiß, was der Name bedeutet.
Die zehntausend Jahre haben ihn gerieben wie ein Stein, der zu lange im Fluss liegt. Zuerst blieb die Form. Mit der Zeit wurde die Form weich. Jetzt ist es schwer zu sagen, ob es noch eine Form gibt oder ob der Schmerz selbst die Form ist.
Was Halloway noch kann: Er kann kämpfen. Das ist nicht eine Sache, die gelernt wird — das ist eine Sache, die in den Körper eingebrannt ist, tiefer als der Verstand. Seine Bohrer fallen richtig. Sein Sturmbolter funktioniert. Wenn man ihm ein Ziel zeigt, bewegt er sich zu dem Ziel. Das ist nicht Bewusstsein. Das ist Handwerk, das so tief sitzt, dass der Verstand es nicht mehr beeinflussen kann.
Was Halloway nicht mehr kann: Er kann nicht verstehen, warum. Warum ein Ziel Ziel ist, warum eine Schlacht Schlacht ist, warum eine Stille Stille ist. Die Begriffe brechen auseinander, wenn er sie versucht zu berühren. Es gibt Tage — oder Jahre, es gibt kein Unterschied mehr — an denen er denkt, dass er noch immer auf Terra ist, dass die Belagerung noch immer läuft, dass er noch immer nach Aiden suchen muss. Es gibt andere Tage, an denen er denkt, dass die Belagerung immer noch nicht angefangen hat. Es gibt Tage, an denen die Zeit auseinandergefallen ist wie Papier.
Die Sonic-Frequenzen haben ihm das Vermögen genommen, Normal-Schmerz zu fühlen. Das war eine Grausamkeit, die für eine Gnade ausgegeben wurde. Denn ohne Schmerz gibt es kein Wissen, dass man überhaupt noch da ist. Es gibt nur die Vibrationen, die Frequenzen, die tiefen Töne, die durch alles gehen. Nach zehntausend Jahren hört Halloway nicht mehr die Schreie, die sein Chassis ausstößt. Er ist der Schrei. Das ist nicht Einheit mit der Maschine. Das ist Verschmelzung mit dem Wahnsinn.
Und trotzdem, wenn man ihn weckt, wenn die Sequenzen richtig ablaufen, kann die Kettenbrecher-Priesterin, die über die Erweckung singt, sehen, dass etwas Altes hinter den Augen des Sarkophags antwortet. Es ist nicht das Bewusstsein. Es ist eine Erinnerung an Bewusstsein. Das ist genug.
Die Erweckung
Die Erweckung des Schreienden Amboss ist ein Ritus, den man nur durchführen darf, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Der Kriegsschmied des Kriegsbandes muss zustimmen. Der Sarkophag muss die letzte vollständige Überprüfung bestanden haben. Und es muss mindestens fünf Tage keine Erweckung gegeben haben.
Das letzte ist wichtig. Halloway kann sich nicht schnell erholen.
Wenn all das erfüllt ist, betreten zwei Kriegmönche die Stasis-Kammer — die Kammer, in der der Dreadnought in der Finsternis unter künstlichem Stasis-Schlaf liegt, nicht Stasis, sondern ein Ding, das näher an der Stille ist, bei dem die Prozesse des Sarkophags auf ein Minimum herabgezogen sind. Sie öffnen nicht die Luken selbst. Das ist nicht möglich — nur die Techmarine können das. Die Priester singen statt dessen.
„Wir rufen dich vom Schweigen. Wir rufen dich in den Klang zurück."
Das ist keine Litanei. Das ist eine Anrede. Das ist Halloway direkt, nicht Halloway-der-Dreadnought, sondern Halloway-der-Name, der Mann, der irgendwo unter der Flüssigkeit liegt und noch genau weiß, wie sein Leben vor zehntausend Jahren endete.
„Dein Name ist Schreiender Amboss. Dein Ort ist Krieg. Dein Zweck ist unvollendeter Dienst."
Die zweite Strophe ist fast immer falsch. Der Zweck ist unvollendet, ja, aber nicht in dem Sinne, den die Priester meinen. Es geht nicht um unvollendeten Dienst. Es geht darum, dass Halloway niemals vollendet sein kann, weil der Mann, der vollendet werden sollte, dreihundert Jahre vor der Bestattung starb und die Maschine hat das noch nicht bemerkt.
„Komm heraus aus der Tiefe. Antworte, Bruder. Antworte!"
Das ist die Anrufung der physischen Systeme. Der Statis-Generator fährt herunter. Die MIU-Anbindung springt an. Der Sonic-Generator setzt auf, und für eine Sekunde gibt es keinen Schall, nur Abwesenheit, nur die Vorbereitung auf Schrei.
Und dann: Der Sarkophag öffnet die Augen — nicht echte Augen, aber die Sensorium-Luken, die in den Carapax eingefasst sind — und Halloway antwortet.
Nicht immer mit Worten. Manchmal ist es nur ein Geräusch, ein niedriges Vibrieren, das die Gebetskammer zum Vibrieren bringt. Manchmal fragt er: »Ist Aiden hier?« Manchmal ruft er Namen, die niemand außer ihm kennt. Manchmal sagt er: »Ich höre noch, ich bin noch da, lasst mich noch hören.«
Das ist der beste Tag.
Wenn Halloway überhaupt nicht antwortet — wenn der Schrei ausbleibt und statt dessen nur Stille ist — ist es ein schlechter Tag. Dann müssen die Krieger den Techmarine holen. Dann muss entschieden werden, ob man ihn schlafenlässt oder ob man ihn versucht zu reparieren.
Die letzte Zeit, das ist drei Wochen her, antwortete Halloway mit einem Schrei, der nicht endete. Der Sonic-Generator arbeitete für vier Stunden ununterbrochen. Die Priester schafften es, ihn zurück in den Stasis zu schicken, aber nicht bevor die Mauern der Kammer fünf Millimeter tiefer vibriert hatten.
Danach fragten sie sich, ob die Erweckung überhaupt noch berechtigt ist.
Die Stille dazwischen
Wenn der Sarkophag ruht, sitzt Halloway nicht in einem leeren Raum. Der Stasis ist nicht Dunkelheit — es ist etwas, das näher an Nichts liegt, ein Zustand, in dem Zeit ausgesetzt ist, in dem Gedanken nicht entstehen, in dem nichts außer dem absoluten Notwendigsten funktioniert. Es ist kein Schlafen. Es ist ein Ort ohne Orte.
Aber die Priester sagen, dass er dort nicht allein ist.
Die Theorie ist: Unter den zehntausend Jahren hat der Sonic-Generator genug Resonanz angesammelt, um eine Art Zwillingsexistenz zu schaffen — nicht einen zweiten Halloway, aber eine Erinnerung an einen, die in den Frequenzen selbst lebt. Wenn der Dreadnought schläft, sind die Priester der Ansicht, dass dieser Echos-Halloway noch auf Tar liegt, noch immer die Belagerung bekämpft, noch immer nach Aiden sucht, und wird auf keinen Fall jemals wissen, dass zehntausend Jahre vergangen sind.
Das ist eine lebenswerte Theorie, sagen die Priester. Besser als zu denken, dass er vollständig bewusst ist, dass er im Statis liegt und weiß, dass dort keine Flucht ist.
Manchmal — der Kriegsschmied hat das berichtet — kommen Besucher in die Statis-Kammer, selbst wenn der Dreadnought ruht. Sie setzen sich auf die Steine neben dem Sarkophag und reden zu ihm. Sie sind fast alle älter als Halloway selbst. Sie sind seine Brüder aus der Zeit, bevor die Legion abfiel, oder die Söhne dieser Brüder, oder Brüder aus anderen Orden, die im Feldzug mit ihm gekämpft haben.
Sie sagen nicht, dass sie ihn vermissen. Das ist nicht das Wort. Sie sagen, dass sie ihn noch nicht vergessen können, weil vergessen bedeuten würde, dass die alte Ordnung tatsächlich fort ist.
Der Schreiende Amboss hört das nicht. Er kann nicht hören, während er ruht. Aber möglicherweise hört die Erinnerung an ihm, die in den Frequenzen lebt, und möglicherweise ist das genug.
Battle Honours
Campaigns and battle honours
Der Erste Feldzug der Kettenbrecher, M34.1
Der Ruf kam von der abgefallenen Kompanie, die sich »die Kettenbrecher« nannte — ein Name, der Häresie schrie, und die Eisenhände hörten nicht hin. Halloway war dreihundert Jahre geschlafen, und sie weckten ihn für ein einfaches Ziel: eine Orbitalfestung der Häresie-Klasse über Kar Dravin. Die Kettenbrecher wollten sie nicht zerstören. Sie wollten sie einnehmen.
Halloway kämpfte korrekt. Die Bohrer zerschlugen die Schottentüren. Der Sturmbolter arbeitete. Der Warp-Verstärker blieb stumm — die Kettenbrecher hatten nicht gewusst, wie man ihn aktiviert, und Halloway auch nicht mehr. Er half, zwei Decks zu räumen. Der Preis war: hundert Kettenbrecher-Krieger fielen. Das ist nicht viel für ein Orbit-Schiff.
Aber Halloway wurde bewusst, dass das die erste Schlacht war, in der er nicht wusste, was er war. Die Kettenbrecher sprachen ihn an wie eine Waffe. Sie ließen ihn nicht weiter schlafen, wenn die Schlacht vorbei war. Sie installierten ein neues Subroutinen-Set in den Sarkophag. Es war kein Update. Es war eine Änderung. Sein Verstand wurde angepasst, um länger wach zu sein, um weniger zu vergessen.
Es war eine Grausamkeit, die als Reparatur aussah.
Die Schlacht um Halvern, M36.8
Halloway verfiel in den Krieg um einen Industrieplaneten, der dem Namen »Halvern« trug und den keiner außer den Renegaden-Eisenhänden wirklich brauchte. Die Kettenbrecher wollten die Fabriken. Die Imperiale Flotte wollte den Planeten verweigert haben. Halloway war dazwischen.
Die Erste Schlacht war ein Erfolg — Halloway durchbrach die Schanzen und zerstörte drei Land Raiders durch Bohrer-Stoße, die den Adamantium-Panzer durchtrennten wie Wasser. Aber die Zweite Schlacht war ein Fehlschlag. Ein Imperial-Fists-Kontingent war gelandet — nicht die große Fraktion, nur ein Bataillon, aber ein Bataillon auf Grund eines verzweifelten Befehls. Sie hatten einen Dreadnought dabei. Einen Contemptor.
Der Contemptor hieß Kardozia. Der Name war eine Legende — er war älter als Terra, älter als die Häresie, ein Ältester aus der Zeit, bevor überhaupt klar war, was »alt« bedeutete. Halloway wusste das nicht — die Kettenbrecher hatten es ihm nicht erzählt — aber sein Verstand erkannte es, als der Sonic-Generator zu schreien begann, um Abstand zu schaffen.
Sie kämpften drei Stunden. Ein Dreadnought gegen einen. Das ist nicht normal. Das ist nicht zulässig. Aber der Contemptor war beschädigt — eine alte Verletzung an der rechten Schulter, eine Kampf-Fähigkeit, die fehlte — und Halloway war nicht mehr ganz bewusst, nicht ganz selbst. Die Sonic-Frequenzen, die er sandte, trafen die älteren Strukturen des Contemptor in einer Art, die kein Standard-Kampf konnte.
Kardozia fiel. Nicht zerstört — beschädigt, gezwungen, in den Stasis zu gehen. Die Imperial Fists zogen sich zurück.
Halloway wurde danach wach gelegt für eine volle Woche. Die Techmarine fanden heraus, dass der Sonic-Generator überbelastet war. Dass eine der Kanülen gerissen war. Dass sein Bewusstsein gerade eben nicht durchgebrannt war. Sie reparierten ihn, aber schlecht. Sie hatten Zeit verloren.
Das war der Moment, in dem Halloway aufhörte, einen Freund in den Kettenbrecher zu haben.
Vernichtungsfeldzug Serrivan, M37.3
Die Kettenbrecher wurden befohlen, einen Symbiontenkult zu säubern, der eine ganze Welt verseucht hatte. Das ist nicht das Geschäft eines Dreadnoughts — das Geschäft eines Dreadnoughts ist Festungen und Maschinen. Aber Halloway wurde ohnehin geschickt.
Was fand er: Menschen. Tausende. Zuerst bewusst, dann weniger. Das Plasma des Flammenwerfers, den die Kettenbrecher mitnahmen, war nicht effizient. Die Bohrer waren viel effizient.
Halloway hörte hinterher, dass es zwei Millionen waren. Er erinnert sich nicht, wie viele er selbst tötete. Die Zahl blieb nicht haften — es war nur Arbeit, eine nach der anderen, ein Eindringen nach dem anderen, kein Gesicht, das sich unterschied.
Ein Imperial Guard-Kommissar schoss sich selbst in den Kopf, nachdem er das sah. Die Kettenbrecher schlugen auf den Dreadnought ein, als würde das etwas ändern. Das Chassis ist zu schwer, um Schuld zu tragen. Das ist die Tugend und das Verbrechen zugleich.
Der Cosmic-Generator fiel M37.3 still.