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Wappen — Tessmarker Späherkompanie
Crest — Tessmarker Späherkompanie

1. KERNDATEN

Militarum Regimentum44. Armeekorps
Offizielle BezeichnungTessmarker Späherkompanie
RufnameDie Fensterlosen
Herkunft des NamensErworben, nicht ererbt: Ziffer 17 der Ablösungsordnung nimmt die Kompanie von der Fensterzählung aus, unter der jeder andere Verband steht, und die 4. Kompanie des 12. Tessmarker nannte sie so, nachdem Kerbel, Ravn und Rudloff ohne ein einziges freies Fenster zwischen den Abschnitten erschienen waren.
HeimatweltTessmark
RegimentstypAufklärung (Scharfschützen, Ratling-Hilfstruppe)
Gründungca. 904.M41
Tithe-StufeExaris Primaris Extremis (Not-Aushebung, siehe Kapitel 2)
Sollstärke96
Ist-Stärke2 (nach Bedarf geführt)
SchlachtrufKeiner wird gehört, der ihn schreit
Munitorum-KennungTM-44/RK-096

Dass die Kompanie keine Ordnungszahl trägt, hat seinen Grund: Die Späherkompanie wurde nicht als eigenständige Tradition gegründet, sondern aus der Liste der Dorfwelt-Jagdabgaben herausgeschnitten, als das Munitorum erkannte, dass es unter den Ratlingen von Tessmark eine Fertigkeit gab, die keine andere Ziffer der Aushebungsordnung vorsah. Sie ist jung, aber sie zählt nicht in Jahren, sondern in Abordnungen. Seit der Landung auf Halbreth ist die Kompanie nicht als Ganzes aufgetrieben, verlegt oder gemustert worden; sie bestand im Feld stets nur aus kleinen Trupps, von denen keiner weiß, wie viele der anderen noch leben. Eine vollständige Wiederaufstellung hat es nach der Landung nie gegeben, und die wenigen, die noch Dienst tun, tragen keine Ehrenzeichen gefallener Vorgänger, weil es außer der Kennung nichts gibt, was ein Toter einem Lebenden vermachen könnte.

Regiments-Merksatz

Liegen, atmen, warten, treffen. Keiner sieht uns kommen. Keiner sieht uns gehen.

Die Säulen

Geduld. Ein Ratling, der sich bewegt, ist ein toter Ratling. Die Kompanie misst Zeit nicht in Stunden, sondern in der Zahl der Atemzüge, die ein Schütze zwischen zwei Lidschlägen aushält. Wer zappelt, wird nicht bestraft, sondern einfach nicht mehr mitgenommen.

Unsichtbarkeit. Ein Posten, der weiß, dass dort ein Scharfschütze liegt, ist kein Ziel mehr, sondern eine Warnung. Die Kompanie meidet Ruhm, Abzeichen, sogar den eigenen Kommandeursnamen. Wer sie sucht, soll nichts finden außer dem Loch, aus dem der Schuss kam.

Rechnung vor Mitgefühl. Ein verwundeter Kamerad, der am Tag geborgen wird, verrät die Scharte. Die Kompanie lässt ihre Leute liegen, bis es dunkel ist, auch wenn sie noch atmen. Das ist der Teil der Säule, den ein anständiger Mensch nicht gutheißen würde, und die Kompanie heißt ihn trotzdem gut, weil die Alternative mehr Tote bedeutet.

Kein Fenster. Andere Verbände zählen einundzwanzig Tage und werden abgelöst. Die Späher kennen diese Zahl nicht. Sie gehen, wenn ein Hauptmann sie anfordert, und bleiben, bis er sie wieder entlässt oder bis es niemanden mehr gibt, der sie entlassen könnte.

2. AUSHEBUNG UND TITHE

Die Tessmarker Späherkompanie entstand nicht aus dem ordentlichen Zehnt der Dorfwelt, sondern aus einer Sonderverfügung des Munitorum, nachdem ein Prüfbeamter in den Jagdabgaberollen der Ratling-Gemeinden eine Schießfertigkeit verzeichnet fand, die in keiner Linienregiment-Tabelle vorkam. Die Aushebung läuft seither nicht über Los oder Alter, sondern über Nennung: Jagdälteste melden Namen, und wer genannt wird, hat keine Wahl, denn ein Ratling, der sich der Nennung entzieht, bringt seine ganze Sippe um den Anteil an der Kornabgabe. Für den Planetengouverneur von Tessmark ist das Regiment Nebensache, die Kompanie aber ein Risiko eigener Art: Ihr Soll ist klein, 1.704 weniger als ein Linienregiment, doch jede fehlende Meldung wird als Verschleierung geprüft, und Verschleierung vor dem Munitorum ist ein Kapitalverbrechen. Der Gouverneur schickt daher nicht die besten Jäger, sondern die, deren Fehlen die Ernte am wenigsten stört, was die Kompanie seit jeher mit Männern und Frauen füllt, die man zu Hause entbehren konnte, nicht mit denen, die man dort am meisten gebraucht hätte.

Was die Heimatwelt verlor

Tessmark verlor seine Flurwache. In den Dörfern um Hollenberg zogen früher vierzig Ratlinge im Herbst mit Langrohren durch die Kornfelder, um Wühlschädlinge und Raubvögel von der Ernte fernzuhalten, eine Arbeit, die scharfe Augen und stundenlanges Stillliegen verlangte. Seit der Aushebung der Späherkompanie reichen in vielen Gemeinden elf Schützen für dieselbe Fläche, und die Bauern haben gelernt, mit höheren Verlusten an den Rändern der Felder zu rechnen. Das Lied, das die Flurwache beim Auszug sang, kennt inzwischen kaum noch jemand vollständig; es wird nur noch zur Erntezeit angestimmt, und meist bricht es nach der zweiten Strophe ab, weil niemand mehr die dritte weiß.

3. HEIMATWELT

Tessmark ist eine Ackerwelt mit gemäßigtem Klima, durchzogen von welligem Lehmland, das im Frühjahr unter Nebel liegt und im Spätsommer unter stehender Hitze. Die Bevölkerung lebt in verstreuten Dörfern, deren Wirtschaft auf Getreide, Rüben und der Kornabgabe an das Munitorum beruht. Unter den Menschen leben, seit Menschengedenken, Gemeinschaften von Ratlingen in eigenen Weilern am Waldrand, klein von Wuchs, mit einer Sehschärfe, die den Menschenbauern beim Erkennen von Wild und Wetter von jeher zugutekam. Die Jagd auf Schädlinge, nicht der Krieg, hat diese Schärfe über Generationen geformt: stundenlanges Liegen im feuchten Gras, das Abwarten des einen richtigen Augenblicks, das Wissen um Wind und Entfernung über offenes Feld. Diese Fertigkeiten, auf ein Schlachtfeld übertragen, machen aus Flurwächtern Scharfschützen, ohne dass sich an der zugrundeliegenden Lebensweise viel ändert: Es ist dieselbe Geduld, nur das Ziel trägt jetzt eine Uniform.

Der Nachteil, den sie mitbringen

Ratlinge von Tessmark kennen keine Disziplin im militärischen Sinn, weil ihre Flurwache nie einem Befehlshaber unterstand, sondern einer Jahreszeit. Sie gehorchen, wenn der Befehl ihrer eigenen Rechnung entspricht, und zögern oder handeln auf eigene Faust, wenn er es nicht tut. Am 29.05.962 kostete das Rudloff das Leben: Als er seinen Lauf eine Handbreit bewegte, um den Wind nachzustellen, tat er das nach eigenem Urteil und nicht nach Order, und genau in diesem Augenblick traf ihn der Schütze drüben. Hauptmann Henrik Dietl hatte den Scharfschützen für seinen Abschnitt angefordert, nicht befohlen, wie sie zu liegen hätten, weil er wusste, dass sie sich ohnehin nicht daran gehalten hätten. Andere Verbände nehmen den Ratlingen diese Eigenmächtigkeit übel, solange sie in Ruhe liegen; im Gefecht verzeihen sie sie, weil dieselbe Eigenmächtigkeit die Treffer bringt, auf die eine Kompanie ohne eigene Artillerie sonst wochenlang wartet.

4. REGIMENTSKULTUR

Von Drill im Sinn eines Linienregiments kann bei der Späherkompanie keine Rede sein: Es gibt keinen Kasernenhof, keinen Appell, keinen gemeinsamen Marschtritt, weil die Kompanie nie als Ganzes an einem Ort steht. Was es gibt, ist ein Arbeitslied aus der Flurwachtzeit, das die Ratlinge im Stillen summen, ohne die Lippen zu bewegen, während sie warten: ein Vers über Wind, Korn und die Geduld des Jägers, der nie laut gesungen wird, weil Lautsein tötet. Die Offiziere der Linienregimenter haben aufgegeben, den Ratlingen den Stein am Ostufer von N5 auszureden, dessen Leger Unteroffizierin Dagmar Ilgner im Visier hatte, ohne zu schießen: Man sagt unter den Spähern, wer den Stein berühre, ziehe das nächste Gewehrfeuer auf sich, und niemand hat es seither versucht. Dort, wo sie liegen, riecht es nach nassem Sand und kaltem Metall, nicht nach Baracke; es ist still bis auf das Atmen. Ihren Schnapsanteil tauschen sie meist gegen Tabak oder Verbandszeug, weil Alkohol die Hand unruhig macht. Ihre Toten begraben sie, wenn Zeit bleibt, mit dem Gewehr neben dem Leib, wie bei Ratling Tuck Rudloff hinter dem Deich N5; bleibt keine Zeit, lassen sie den Gefallenen liegen, bis es dunkel ist, und holen ihn dann ohne Zeremonie.

Das Kommissariat

Die Kompanie hat mit dem Kommissariat Frieden geschlossen, indem sie es kaum zu Gesicht bekommt. Kommissare prüfen Linien, Gräben, Appelle, nicht einzelne Scharten zwischen Sandsäcken, in denen zwei Mann reglos liegen. Solange die Trefferzahlen stimmen, fragt niemand, wie die Ratlinge zu ihrem Ziel gekommen sind oder ob sie einen Befehl überhaupt abgewartet haben. Die Kompanie weiß das und sucht die Nähe von Kommissaren nicht, meidet sie aber auch nicht aktiv; sie verschwindet einfach, bevor die Frage gestellt wird.

Dienstgrade

Munitorum-RangÖrtliche BezeichnungAnredeform
GeneralHoffeldherrHoffeldherr
OberstFlurherrHerr/Frau Flurherr
HauptmannErntehauptmannHauptmann
LeutnantFeldvogtVogt
Unteroffizier (Feldwebel)FeldwebelFeldwebel
SoldatFlurgängerohne besondere Anrede

5. GLIEDERUNG UND EINZELREGIMENTER

Aufbau

Nach Soll gliedert sich die Kompanie in acht Spähertrupps zu je zwölf Mann unter einem Feldwebel, ohne Zugstruktur dazwischen, weil ein Trupp von zwölf Ratlingen für größere Formationen ungeeignet ist. Die Realität auf Halbreth sieht anders aus: Von den acht vorgesehenen Trupps ist nur einer im Roman belegt, geführt von Feldwebel Mirl Kerbel, zuletzt auf zwei Mann zusammengeschmolzen, Kerbel und Ratling Pim Ravn. Wo die übrigen Trupps der Sollstärke von 96 stehen, verzeichnet keine erreichbare Aufstellung; die Korpsintendantur führt in ihrer Zählung vom 06.02.963 nur die beiden tatsächlich eingesetzten Männer, unter dem Vermerk „nach Bedarf“. Es gibt keine eigene Kompanieführung am Ort des Geschehens: Der Kommandeur der Kompanie bleibt namenlos und fern, und die Trupps handeln, wo sie stehen, nach dem Urteil ihres jeweiligen Feldwebels.

Die einzelnen Regimenter

12. Tessmarker Linienregiment. Infanterie, Soll 1.800. Oberst Mühlstein, fünfundfünfzig, mit einem Gesicht wie ein Pflugblatt, führt das Regiment mit ruhiger Strenge. Steht mit mehreren Kompanien, darunter der 4. Kompanie, an der Linie am Marrach.

38. Tessmarker Schützenregiment. Infanterie, Soll 1.500. Das Regiment übernahm nach dem ersten Wechsel die Abschnitte N5 bis N8. Steht im laufenden Ablösungsumlauf der Gruppen A bis C.

Tessmarker Späherkompanie. Keine Wiedergründung im eigentlichen Sinn, doch faktisch neu zusammengesetzt, seit die ursprüngliche Aufstellung durch verstreuten Dauereinsatz zerrieben wurde: Von den drei namentlich bekannten Spähern ist Rudloff gefallen, Kerbel und Ravn tragen seither sein Gewehr nicht weiter, sondern nur seine Lücke, denn die Kompanie kennt keine Übergabe von Ausrüstung an Lebende. Status: zwei Mann, nach Bedarf geführt.

6. KOMMANDOSTAB

Feldwebel Mirl Kerbel, 33 Jahre alt, 1,30 Meter groß, mit einem Gesicht, das älter wirkt als sein Alter, und einem Gewehr, das länger ist als er selbst. Kerbel redet wenig, wägt viel, und greift spät an: Als Rudloff am 29.05.962 tödlich getroffen an seiner Scharte lag, ließ Kerbel ihn den ganzen Tag über liegen, weil jede Bewegung dem gegnerischen Schützen die Scharte verraten hätte, und barg ihn erst im Dunkeln zusammen mit Gefreiter Sven Wöhrle. Diese Entscheidung, einen Toten bis zum Dunkel in der Sonne liegen zu lassen, trägt er, ohne sie je zu rechtfertigen. Sein einziges persönliches Gut ist das überlange Gewehr selbst, gepflegter als alles, was er sonst besitzt.

Dann ist er fertig.

Feldwebel Mirl Kerbel

Der Kommandeur der Kompanie bleibt ungenannt und fern; die Kompanie meidet seinen Namen. Wo die übrigen des Solls von 96 stehen, nennt der Roman nicht. Was Kerbel am 06.02.963 einem Sachbearbeiter der Korpsintendantur über die Kompanie sagte, war dieser eine Satz:

Späherkompanie. Nach Bedarf. Seit dem sechsundzwanzigsten.

Feldwebel Mirl Kerbel

Ratling Pim Ravn, der Kleinere der beiden letzten Späher, liegt reglos bis zum Schuss und spricht kaum. Sein Gewehr war es, das in der Nacht zum 10.02.963 vom Dach des Wärterhauses der Eisenbrücke aus den Schützen im Haus neben dem Gleis traf, nachdem ein Faden von dort zwei Mann der 4. Kompanie niedergestreckt hatte. Ravn besitzt außer dem Gewehr nichts, was er als eigen bezeichnen würde, und selbst das Haus am Nordkopf der Brücke, das er seit dem 26.01.963 beobachtet, nennt er nach elf Tagen noch unerledigt.

Ich hab es noch nicht.

Ratling Pim Ravn

Angehängtes Personal

EinheitStärkeUnterstellung
Kommissariat des Korps (für das gesamte 44. Armeekorps)1 Lord-Kommissar, 21 Kommissareaußerhalb der Regimentskette
Astropathischer Chor des KorpsTeil der 1.200 StabskräfteKorpsstab
Feldprediger des Korps (u. a. Thies Jankowitz)Teil der 1.200 StabskräfteEkklesiarchie, nicht Kommandokette
Korpsintendantur (führt die Zählung der Späher)Teil der 1.200 StabskräfteMunitorum

Die Späherkompanie selbst führt keine eigenen angehängten Spezialisten; die Reibung entsteht umgekehrt, weil die Korpsintendantur die beiden verbliebenen Späher in ihrer Brückenzählung wie ein Inventar neben Regimentern führt, nicht wie Menschen, was die beiden daran erinnert, dass sie in keiner Kette stehen, die sie ablöst.

Die Regimentsstandarte

Die Kompanie führt keine eigene Standarte im hergebrachten Sinn; ihre einzige Erkennungsmarke ist das überlange Gewehr, das jeder Späher selbst pflegt, und der helle, flache Stein am Ostufer bei N5, den ein Unbekannter von drüben nach Ravns Schuss auf den gegnerischen Schützen dort ablegte. Ravn sagte dazu „Für den Kleinen“, Kerbel „Oder für den drüben“; beide Lesarten stehen seither nebeneinander, ungeklärt, und der Stein blieb liegen, solange die 4. Kompanie den Abschnitt hielt.

7. FELDZÜGE

Das siebte Fenster am Deich N5, 28.05.962–30.05.962, Halbreth, gegen das Sternenreich der T’au, drei Tage. Hauptmann Dietl forderte Scharfschützen an, nachdem ein gegnerischer Schütze binnen vier Tagen drei Männer der 4. Kompanie am Ausguck getroffen hatte, jeden am Kopf, auf 780 Meter. Kerbel, Ravn und Rudloff bezogen zwei Scharten in der Brustwehr; Rudloff fiel am zweiten Morgen, Ravn erledigte den gegnerischen Schützen am dritten. Das Ergebnis war kein Sieg im üblichen Sinn, sondern ein beendetes Risiko: Der Ausguck der Vierten konnte wieder geöffnet werden, zum Preis eines eigenen Toten. Verluste: 1 von 3 eingesetzten Spähern. Die 4. Kompanie des 12. Tessmarker Linienregiments stand mit ihnen im selben Graben; eine dauerhafte Verbindung ergab sich daraus nicht, denn die Späher zogen nach der Beerdigung sofort weiter nach Süden, während die Vierte an N5 blieb, bis ihr eigenes Fenster ablief.

Das Wärterhaus an der Eisenbrücke, seit 26.01.963, Halbreth, gegen das Sternenreich der T’au, andauernd über mehrere Wochen. Kerbel und Ravn lagen flach unter einer Plane auf dem Dach des Wärterhauses, um das gegnerisch besetzte Haus neben dem Gleis am Nordkopf der Brücke zu beobachten. Am 10.02.963 erwiderte Ravns Schuss den Fadentreffer gegen zwei Mann der 4. Kompanie und brachte den Schützen im Haus zum Schweigen, nach Aussage Unteroffizierin Ilgners, die den Schützen im Nachbarfenster im Visier hielt. Das Ergebnis blieb ein Gleichgewicht, kein Durchbruch: Die Brücke stand weiterhin unter Beschuss von drüben. Verluste auf Seite der Späher: keine; auf Seite der zugeteilten 4. Kompanie (64 Mann laut Zählung der Korpsintendantur vom 06.02.963) ein Gefallener in dieser Nacht.

Der Ausfall vom 07.03.963, Halbreth, gegen das Sternenreich der T’au, 02:11 bis 02:40 Uhr. Beim Rückzug der Karsvaller über die Eisenbrücke schoss Ravns langes Gewehr erneut vom Dach des Wärterhauses, doch die Fäden aus dem Haus neben dem Gleis kamen trotzdem. Das 52. Karsvaller Schützenregiment fiel in dieser halben Stunde vollständig: 412 Mann, keiner kehrte zurück. Für die Späherkompanie war dies kein Sieg, sondern ein Versagen der eigenen Reichweite gegen eine Übermacht an Feuer, die ein einzelnes Gewehr nicht aufhalten konnte. Die Verbände, mit denen die Späher in diesem Abschnitt zusammenwirkten, waren das 52. Karsvaller und die zugeteilte 4. Kompanie des 12. Tessmarker: Das 52. Karsvaller bestand danach nicht mehr, und seine Stellung an der Eisenbrücke übernahm am 08.03.963, 03:11 Uhr, eine Kompanie des 23. Karsvaller. Die Kompanie trägt seither eine Schuld gegenüber einem Regiment, das sie nie wiedersehen wird, weil es nicht mehr existiert.

8. DER MAKEL

Die Nichteinordnung der Späherkompanie in die Ablösungsgruppen A, B und C erzeugte von Anfang an Misstrauen bei den Linienregimentern, die nach genauer Ziffer kommen und gehen. Die Linienregimenter am N5 meldeten, dass die Scharfschützen „ohne Meldeweg“ erschienen und verschwanden, und der Korpsstab beanstandete es nicht, weil Ziffer 17 der Ablösungsordnung genau das vorsah. Für die anderen Verbände bedeutet das im Alltag, dass niemand weiß, wann ein Tessmarker Spähertrupp in der eigenen Scharte auftaucht oder wieder geht; Verpflegungslisten werden nachträglich korrigiert, Wachpläne stolpern über zwei zusätzliche Männer, die am Abend wieder fehlen. Im Gefecht zeigt sich dieselbe Eigenmächtigkeit als Vorteil, solange ein Hauptmann wie Dietl bereit ist, sie anzufordern, statt zu befehligen. Die Kompanie selbst erklärt sich die Lage schlicht: Wer nach Fenster geführt wird, verrät dem Gegner einen Rhythmus, den ein Scharfschütze sich nicht leisten kann. Andere Regimenter, wenn die Späher nicht zugegen sind, sprechen weniger wohlwollend von ihnen: Sie seien Gäste, die kommen, schießen und ohne Abmeldung verschwinden, und manch ein Feldwebel murrt, dass die Bohlenrechnung nie für zwei zusätzliche Mann vorgesehen sei, die über Nacht auf dem Dach eines Wärterhauses liegen.

Ein Fehler des Munitorum

Die Zählung der Brückenbesatzung vom 06.02.963 führt die Späherkompanie mit genau zwei Mann unter dem Vermerk „nach Bedarf“, derselben Formel, die Ziffer 17 für Panzer, Artillerie, Ogryn und Luftlandestaffel vorsieht. Dieselbe Formel, auf ein kleines Dauerkommando angewendet, hat zur Folge, dass die Kompanie in keiner Verpflegungs- oder Munitionszuteilung mit eigener fester Quote erscheint: Sie bekommt, was die 4. Kompanie an der Eisenbrücke für sie abzweigt. Als Ravn und Kerbel am 26.01.963 ihre Stellung auf dem Dach des Wärterhauses bezogen, lag für sie keine eigene Munitionsreserve bereit, weil keine Verfügung des Munitorum für zwei Mann „nach Bedarf“ eine Zahl vorsieht, die ein Beamter hätte abzeichnen können. Was die beiden am 10.02.963 an Munition hatten, kam aus dem Bestand der Vierten. Eine Verfügung, die das nachträglich geregelt hätte, ist nie ergangen.

9. DESIGN-BIBEL

Farbidentität

Die Uniform der Späherkompanie ist ein stumpfes, graubraunes Erdgrün, dieselbe Farbe, mit der Tessmarker Flurwachen seit Generationen ihre Jacken färben, aus dem Sud der Ackerwurzel, die auf der Heimatwelt wächst. Gegen Vorschrift sind Kragen und Schultern mit Schilfbüscheln und Lehmflecken überarbeitet, bis die Silhouette im Gras verschwimmt. Auf fünfzig Meter erkennt man die Kompanie nicht an einem Abzeichen, sondern daran, dass man sie gar nicht sieht, bis sie schießt.

Uniform

Citadel-FarbeTypZweck
Death Guard GreenBaseGrundton der Jacke und Hose
Nuln OilShadeVertiefung in Falten und Nähten
Elysian GreenLayerAufhellung an Schulter und Knie
Stormvermin FurLayerErdiger Unterton an Ärmeln

Akzent

Citadel-FarbeTypZweck
Rhinox HideBaseLederriemen, Gewehrgurt
Agrax EarthshadeShadeSchmutzlasur über Leder
Baneblade BrownLayerAbnutzungsstellen am Riemen
Ushabti BoneEdgeHelle Nähte am Tarnumhang

Metall

Citadel-FarbeTypZweck
LeadbelcherBaseLauf und Verschluss des Gewehrs
Nuln OilShadeBrünierung des Metalls
IronbreakerLayerAbgenutzte Lichtkanten
Runefang SteelEdgeMündung und Visierkorn

Regimentsfarben

ElementHexNächste Citadel-Farbe
Uniform, Grundton#4B4F3ADeath Guard Green
Uniform, Schatten#2C2E22Nuln Oil
Lederriemen#5A4632Rhinox Hide
Tarnumhang, Naht#CBB68CUshabti Bone
Gewehrmetall#6E6E6ELeadbelcher

Abzeichen

Die Kompanie trägt kein auffälliges Wappen, sondern einen kleinen, handflächengroßen Flicken in Form eines liegenden Ährenbüschels über dem linken Brusttaschenrand, in der Lederakzentfarbe auf Stoffgrund gestickt, oft von Tarnmaterial halb verdeckt. Dienstgrade werden nicht an der Schulter, sondern an einer schmalen Schnur um den Oberarm markiert, kaum sichtbar. Fahrzeuge führt die Kompanie keine.

Waffen und Ausrüstung

Jeder Späher trägt ein überlanges, verschraubtes Scharfschützen-Lasergewehr mit verlängertem Lauf und einfacher optischer Visiereinrichtung, dazu Laserpistole, Feldmesser und einen ausgebleichten Tarnumhang aus Schilf und Stoffstreifen. Immer schmutzig: die Knie der Hose vom stundenlangen Liegen im nassen Boden. Immer improvisiert: das Wasserbecher-System, das Ravn und Kerbel stumm, ohne Klirren weiterreichen. Immer abgenutzt: der Gewehrriemen, handgenäht nachgeflickt, weil kein Nachschub für ihn vorgesehen ist.

Weitere Ansichten

Von hinten zeigt der Tarnumhang eine unregelmäßige Fransenkante, die die Schulterlinie bricht. Eine Nahaufnahme sollte das Ährenbüschel-Abzeichen über der Brusttasche zeigen, halb von einem losen Schilfbüschel verdeckt. Eine dritte Ansicht zeigt das überlange Gewehr allein, liegend auf einer Sandsackbrustwehr, Lauf durch eine handbreite Scharte geschoben.

10. EINE SZENE

Gutjahr hatte den Becher schon in der Hand, als Wöhrle ihm sagte, er solle stehen bleiben.

Es war die zweite Nacht am Deich N5, und der Regen hatte aufgehört, aber die Luft stand noch feucht zwischen den Sandsäcken. Gutjahr war achtzehn, seit dem Februar im Korps und seit knapp zwei Wochen in diesem Graben, und niemand hatte ihm bisher gesagt, dass es in der Vierten Leute gab, die nicht zur Vierten gehörten.

„Da liegt einer“, sagte Wöhrle, ohne auf etwas zu zeigen. „Hinter den Säcken, in der Scharte. Du gehst nicht hin.“

„Ich bring nur Wasser.“

„Der Kleine bringt das Wasser. Nicht du, nicht ich, nicht sonst wer. Einer, den sie kennen.“

Gutjahr sah hin, so unauffällig er konnte, und sah nichts als Sand und eine Handbreit dunklen Schlitz zwischen den Säcken, aus dem nichts herauskam, kein Atem, keine Bewegung. Er hätte schwören können, dass dort niemand lag.

„Woher weiß man, dass sie noch da sind?“

Wöhrle zuckte nicht einmal die Achseln. „Man weiß es nicht. Man hört es, wenn drüben einer fällt.“

In dieser Nacht kam der Becher nicht von Gutjahr, sondern von einem Gefreiten, dessen Namen er sich nicht gemerkt hatte, der langsam ging, mit beiden Händen, und den Becher nicht reichte, sondern irgendwo neben die Scharte stellte, ohne hinzusehen, und dann wieder zurückging, genauso langsam. Von der Scharte selbst kam ein einzelnes Wort, zu leise, um es zu verstehen, aber laut genug, dass der Gefreite stehen blieb und den Becher ein Stück weiter wegschob, bevor er ging.

Am Morgen darauf war der Becher leer und stand noch an derselben Stelle.

Gutjahr fragte Heitmann beim Suppenausgeben, wer das sei, und Heitmann sagte nur: „Tessmarker. Scharfschützen. Nicht unsere.“

„Welches Regiment?“

„Keins, das hier steht.“ Heitmann kratzte den Kübel aus. „Die haben kein Fenster. Die kommen, wenn der Hauptmann sie braucht, und gehen, wenn er sie nicht mehr braucht. Dazwischen liegen sie.“

Am Nachmittag hörte Gutjahr den Schuss. Es war ein einzelner, trockener Knall, nicht lauter als die anderen, die seit zwei Tagen über den Strom kamen, aber danach wurde es still auf eine Weise, die Gutjahr noch nicht kannte: Keiner der Posten am Ausguck duckte sich mehr. Dietl ließ den Ausguck noch am selben Nachmittag wieder öffnen, und niemand von drüben schoss.

Gutjahr ging an diesem Abend selbst zur Scharte, obwohl ihm niemand den Weg gezeigt hatte, nur um zu sehen, wer dort lag. Er fand eine leere Mulde zwischen den Säcken, flach getreten, mit einem Abdruck, der die Form eines liegenden Menschen hatte, aber kleiner, als ein Mensch sein konnte. Niemand war mehr da. Es gab kein Zeichen, dass dort jemand gelegen hatte, außer dem Abdruck und dem leeren Becher, den der Gefreite am Abend zuvor stehen gelassen hatte.

Er stand eine Weile davor, bis Wöhrle ihn von hinten am Ärmel zog.

„Komm weg da“, sagte Wöhrle. „Du stehst, wo einer gelegen hat. Das zeigt dem drüben, wo er gelegen hat.“

Gutjahr ging. Er verstand in diesem Moment zum ersten Mal, dass es in diesem Korps Soldaten gab, die niemand zählte, bevor sie kamen, und niemand zählte, wenn sie gingen, und dass das Einzige, was von ihnen blieb, ein Abdruck im Sand war, den man so schnell wie möglich wieder zutreten sollte.

HINWEIS: Dieses Regiments-Dossier wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.

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