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1. KERNDATEN
| Militarum Regimentum | 44. Armeekorps auf Halbreth |
| Offizielle Bezeichnung | 23. Karsvaller Linienregiment |
| Rufname | Die Furtkompanien |
| Herkunft des Namens | Erkämpft: über drei Fenster hinweg stellte das Regiment immer wieder die Besatzung des Furtgrabens bei N7, bis der Name außerhalb des Regiments hängen blieb, obwohl er in keinem Frontbefehl steht |
| Heimatwelt | Karsvall |
| Regimentstyp | Linieninfanterie |
| Gründung | ca. 931.M41 |
| Tithe-Stufe | Regulärer Zehnt, hohe Stufe |
| Sollstärke | 1.800 |
| Ist-Stärke | 516 |
| Schlachtruf | „Karsvall hält, wo es steht.“ |
| Munitorum-Kennung | KV-23-LIN/44.AK-Halbreth |
Die niedrige Ordnungszahl eines Karsvaller Verbandes bedeutet auf dieser Welt nicht Alter, sondern Rang innerhalb eines einzigen großen Aushebungsjahrgangs: Karsvall stellt seine Linienregimenter in der Reihenfolge, in der die Schächte den Zehnt melden, und der 23. Schacht meldete früh. Das Regiment ist damit weder uralt noch neu, sondern ein Name aus einer Zählung, die seit der Landung auf Halbreth nur noch nach unten läuft.
Das 23. Karsvaller ist nicht wiederaufgestellt worden. Seit dem 01.11.962 gibt es keinen Ersatz mehr, und ein Regiment ohne Ersatz, das ausgelöscht wird, wird nicht neu gegründet, sondern gestrichen. Was bleibt, sind die Männer und Frauen der Landung und des Ersatzes bis zu diesem Tag, dezimiert und seitdem nicht mehr ergänzt: die 516, die am 08.03.963 aus dem Zug stiegen, haben die Namen der Gefallenen nicht geerbt, sie haben sie überlebt. Das unterscheidet dieses Regiment von jenem Typus, der Traditionen an Fremde weitergibt: Hier kennt noch jeder jeden, der fehlt.
Regiments-Merksatz
Vier Uhr dreißig ist vier Uhr dreißig. Der Graben hält, bis er gemeldet ist. Keiner trägt den Namen drüben. Karsvall hält, wo es steht.
Die Säulen
Pünktlichkeit. Die Ablösungsordnung kennt keine Gnadenfrist, und das Regiment hat sich diese Härte zu eigen gemacht, weil sie die einzige Berechenbarkeit im Krieg ist. Eine Stellung wird zur Minute übernommen und zur Minute geräumt, auch wenn das bedeutet, dass die Übergabe über frische Gräber hinweg stattfindet. Wer zu spät meldet, hat nicht gekämpft, sondern versagt.
Schweigen über den Namen. Vom 23. Karsvaller übernommen von der 4. Kompanie des 12. Tessmarker, gilt im Regiment: Man nennt den Gegner nicht beim Namen, weder im Graben noch im Schlaf. Das Regiment hält daran fest, obwohl es keinen Beweis hat, dass es hilft, nur die Gewissheit, dass es nichts kostet außer einer Nacht Sandsäcke.
Unten überleben. Nach dem Schlachthof von Kerrmund gilt im Regiment ein Satz, den der Stab bestätigte: Eine Stellung, von unten gehalten, zählt so viel wie eine, von oben verteidigt. Das Regiment hat gelernt, sich unter die eigene Front zu graben, bevor es stirbt, um sie darüber zu halten.
Die Gefallenen zählen mehr als die Lebenden. Dies ist der unbequeme Teil: Das Regiment führt seine Gefallenenliste genauer als seine Iststärke, weil die Liste bleibt und die Stärke nicht. An der Eisenbrücke schrieb der Hauptmann am 08.03.963 „Stellung übernommen“; Mertel setzte darunter „Stellung von den Gefallenen übernommen“, und das Kommissariat zeichnete es gegen.
2. AUSHEBUNG UND TITHE
Das 23. Karsvaller wurde im regulären Zehnt ausgehoben, nicht als Noteinberufung: Karsvall liefert seit Generationen Soldaten im festen Takt der Schächte, und die Werber kommen, wenn der Schacht meldet, nicht wenn der Krieg ruft. Rekrutiert wird nach Schichtplan, nicht nach Eignung: Wer in der Reihe steht, wenn die Zahl erreicht ist, geht. Das ergibt Soldaten, die Kälte, Enge und Befehl von Kindheit an kennen, aber selten solche, die freiwillig gegangen wären. Der Planetengouverneur von Karsvall haftet mit dem eigenen Leben für Sollstärke, Ausbildungsstand, Ausrüstung und genetische Reinheit der Abgestellten; ein Fehlbetrag ist keine Verwaltungssache, sondern ein Kapitalverbrechen. Deshalb schickt Karsvall seine kräftigsten Schächte zuerst, nicht aus Stolz, sondern aus Angst vor dem eigenen Tribunal.
Was die Heimatwelt verlor
Der 23. Schacht von Karsvall stellte traditionell die Sprengmeister für den gesamten Nordbezirk, Männer und Frauen, die im Frost genau wussten, wie viel Ladung ein Flöz verträgt, ohne den Stollen zu reißen. Mit dem Regiment ging dieses Wissen fast vollständig ab. Der Nordbezirk arbeitet seit der Aushebung mit Sprengmeistern aus Nachbarschächten, die das Gestein nicht kennen; zwei Einbrüche binnen vier Jahren werden auf Karsvall offen darauf zurückgeführt, dass niemand mehr da war, der den Unterschied im Klang des Bohrers hörte.
3. HEIMATWELT
Karsvall ist eine Bergbauwelt mit acht Monaten Winter und vier, die kaum wärmer sind. Die Bevölkerung lebt in Schachtsiedlungen, die an den Förderanlagen hängen wie Trauben an einem Stock, verbunden durch Seilbahnen, die bei starkem Frost stillstehen. Arbeit bedeutet hier: im Dunkeln stehen, auf ein Signal warten, gehorchen, weil Ungehorsam unter Tage tötet. Die Menschen sind kälteerprobt, geduldig bis zur Teilnahmslosigkeit und an feste Schichten so gewöhnt, dass ein Wechsel um eine Minute daneben als Fehler empfunden wird, nicht als Kleinigkeit. Diese Mentalität macht sie zu Soldaten, die eine Linie halten, ohne zu fragen, warum, und die eine Ablösungszeit auf die Minute für etwas Heiliges halten, lange bevor ein General es ihnen befiehlt.
Der Nachteil, den sie mitbringen
Karsvaller sind unter offenem Himmel schlecht orientiert. Sie kennen Entfernungen aus Stollenlängen und Seilbahnabschnitten, nicht aus freiem Gelände, und sie unterschätzen systematisch, wie weit eine Stimme oder ein Schuss über flaches Land trägt. Das kostete am 16.03.962 Leben: Als am Nordstück der Furtstellung im Nebel der Angriff der Kroot begann, brauchten mehrere Männer des 3. Zuges spürbar länger, die Entfernung zur Brustwehr und zum Gegner richtig einzuschätzen, weil der Nebel ihnen jede vertraute Bezugsgröße nahm. Hauptmann Jesko Sieverding hatte den Nebel vorausgesagt, aber kein Training der Welt hatte seinen Leuten beigebracht, offenes Land im Nebel zu lesen wie einen Stollen.
4. REGIMENTSKULTUR
Der Drill des 23. Karsvaller ist der Drill des Schachtes: kurze Ansagen, kein Diskutieren, Wiederholung bis zur Automatik. Gesungen wird selten, aber wenn, dann ein Arbeitslied der Sprengmeister, dessen Text von Minuten spricht, nicht von Helden, vom Warten auf das Signal, das die Ladung freigibt. Die Offiziere haben längst aufgegeben, den Aberglauben zu unterdrücken, dass man den Namen des Gegners nicht ausspricht; sie dulden ihn stillschweigend, seit sie ihn von der 4. Kompanie des 12. Tessmarker übernommen haben. In Graben und Bunker riecht es nach nassem Wachstuch, abgekochtem Flusswasser und Rübensuppe; das Geräusch, das am längsten anhält, ist das Tropfen von Kondenswasser auf Bohlen. Die Schnapsration wird geteilt und gehandelt wie eine zweite Währung, selten getrunken, solange noch Dienst bevorsteht. Gefallene werden, wenn Zeit bleibt, mit Stangen markiert statt mit Steinen, weil der Boden am Marrach selten offen ist; wenn keine Zeit bleibt, werden sie gezählt und in der Gefallenenliste geführt, nicht geborgen.
Das Kommissariat
Das Regiment fürchtet sein Kommissariat, ohne es zu hassen. Kommissarin Tilda Lamprecht vollzog hier ihr erstes Urteil, und die Nüchternheit, mit der sie es tat, der Vermerk am Rand der Akte, der nichts änderte, hat sich im Regiment als Bild festgesetzt: Das Kommissariat prüft nicht die Umstände, es liest nur die Ziffer vor. Man hat sich damit arrangiert, weil Widerstand gegen eine Dienstvorschrift sinnlos ist; man hat sich nicht damit versöhnt.
Dienstgrade
| Munitorum-Rang | Lokale Bezeichnung | Anredeform |
|---|---|---|
| General | Schachtherr | Schachtherr |
| Oberst | Förderhauptmann | Förderhauptmann |
| Oberstleutnant | Obersteiger | Steiger |
| Hauptmann | Steiger | Steiger |
| Leutnant | Schichtführer | Schichtführer |
| Unteroffizier | Vormann | Vormann |
5. GLIEDERUNG UND EINZELREGIMENTER
Aufbau
Nach Soll gliedert sich das 23. Karsvaller in zwölf Kompanien zu je 150 Mann, geführt von einem Hauptmann mit Stab über drei bis vier Züge, jeder Zug mit Leutnant und Stab über drei bis vier Gruppen zu zehn sowie angehängten Stütztrupps. Nach den Verlusten der Chimera-Kolonne am 29.06.962 zählt das Regiment nur noch neun Kompanien; die 1. bis 3. Kompanie samt Stab gingen am 29.06.962 in drei Minuten verloren. Mit Stand 06.01.963 zählte das Regiment 519 Köpfe, verteilt auf die verbliebenen neun Kompanierahmen, von denen keiner mehr seine Sollstärke von 150 erreicht; die 2. Kompanie, traditionell die Furtkompanie, ist seit der Furtstellung am stärksten dezimiert.
Die einzelnen Regimenter
23. Karsvaller Linienregiment. Linieninfanterie, geführt zunächst von Oberst Gunnar Bothe (54, tiefe, trockene Stimme), nach dessen Tod von einem stellvertretenden Kommandeur, der im Regiment namenlos bleibt. Aktueller Status: 516 Mann, zurück von der Auffüllung ohne Ersatz, Stellung an der Eisenbrücke.
52. Karsvaller Schützenregiment. Schützenregiment derselben Heimatwelt, hält Alte Brücke und Eisenbrücke; Kommandeur im Dossier nicht benannt, erkennbar an der Pflicht, die Brücken auch mit stehender Stärke null zu übergeben, wie am 08.03.963 geschehen. Aktueller Status: 412 Mann mit Stand 06.03.963, eigener Verband, keine Verbindung zu den Taten des 23.
38. Tessmarker Schützenregiment. Schützenregiment von Tessmark, hielt die Furtstellung am 29.06.962 (Fenster 9, Tag 1) einen Tag länger, weil die Kolonne des 23. nicht ankam, und wurde am 30.06.962 vom 23. abgelöst. Kommandierender Offizier im Dossier namenlos; Status: 341 Mann mit Stand 06.01.963, ohne dokumentierte Verschmelzung mit dem 23.
6. KOMMANDOSTAB
Oberst Gunnar Bothe. Vierundfünfzig Jahre, mit einer tiefen, trockenen Stimme, die über jeden Lärm eines Stabsquartiers trug, ohne dass er sie je heben musste. Er fuhr am 29.06.962 im ersten Wagen der Chimera-Kolonne, an der Spitze der Kolonne, wie es seine Art war: nicht hinter den eigenen Leuten. Als sechs Hammerhai binnen drei Minuten alle zweiundsechzig Chimera über den Deich hinweg abschossen, fiel er mit dem Regimentsstab. Die Pioniere fanden seine Erkennungsmarke am Abend im ersten Wagen der Kolonne. Bothe trug keine Waffe, die das Regiment als Reliquie führt; was von ihm bleibt, ist ein Satz, den der Funker der Panzerkompanie später weitergab, weil er Bothe am Morgen der Abfahrt gehört hatte: „Zwei Uhr zwanzig fährt die Kolonne, und ich fahre vorn, weil ich es angeordnet habe.“ — Oberst Gunnar Bothe
Kommissarin Tilda Lamprecht. Dem Regiment nicht zugehörig, Kommissarin des Korps und damit auch für die Gruppe C zuständig. Sie trägt einen Stift, den ihr Lehrer Lord-Kommissar Brodersen nach der Schola geschenkt hat, und benutzt ihn nur für Unterschriften, die etwas bedeuten: die Gegenzeichnung der Ablösungsordnung und den Vollzug an Gefreitem Wittkopf. Sie liest Ziffer 77 der Dienstvorschrift nicht laut vor sich hin, sondern so, dass der Verurteilte sie hört, und sie vermerkt Umstände an den Rand, ohne sie in die Prüfung aufzunehmen, weil das Buch keine Prüfung vorsieht. „Ziffer siebenundsiebzig. Zwei Zeugen. Stimmt es?“ — Kommissarin Tilda Lamprecht
Egmont Mertel. Sachbearbeiter erster Klasse der Korpsintendantur, Verfasser der vierzig Ziffern der Ablösungsordnung, dem Regiment nicht zugehörig, aber an seinem letzten dokumentierten Tag an seiner Seite: Am 08.03.963 geht er mit einer Kompanie des 23. Karsvaller die 600 Meter am Gleis zur Eisenbrücke und trägt ins Übernahmeprotokoll, was der Hauptmann nicht zu schreiben wagt. Er rechnet in Metern, wo andere in Gefühlen sprechen, und sein einziges persönliches Gegenstück sind die Briefe seiner Tochter, einer Kopistin beim Chor. „Stellung von den Gefallenen übernommen.“ — Egmont Mertel
Angehängtes Personal
| Dienst | Anzahl |
|---|---|
| Kommissare (Korps, zugeteilt) | 1 ständig zugeteilt |
| Feldprediger | 1 |
| Sanitätspersonal (Feldscherer, Helfer) | 14 |
| Munitorum-Verbindungspersonal | 3 |
Die Reibung ist offen: Das Kommissariat vollzieht, ohne dass der Regimentsstab mitspricht, und der Feldprediger zählt Beichtstunden statt Namen, womit er dem Regiment gegenüber genauso verschlossen bleibt wie die Kommissarin.
Die Regimentsstandarte
Die Standarte des 23. Karsvaller ist ein verwittertes Stück Tuch in Grubenschwarz mit eingenähtem Förderrad, dazu, seit dem 16.03.962, ein handbreiter Streifen vom Deichsand der Furtstellung, mit Draht am Fahnenschaft befestigt. Schlachtehren sind nicht aufgestickt, sondern als Liste von Daten eingenäht: 16.03., 29.06., 15.11. Einmal, am 29.06.962, war sie nahe daran, verloren zu gehen, als sie in der zweiten Kolonne mitfuhr, die um 03:12 angehalten wurde und vom Beschuss verschont blieb.
7. FELDZÜGE
| Feldzug | Zeit, Schauplatz, Gegner | Schilderung | Ausgang | Verluste |
|---|---|---|---|---|
| Der Nebelangriff am Nordstück | 16.03.962, Furtstellung N7, Sternenreich der T'au (Kroot) | Im Nebel löst die 4. Kompanie des 12. Tessmarker die 2. Kompanie des 23. ab. Um 04:12 steigen Kroot auf die Brustwehr, Hauptmann Sieverding fällt um 04:17, der Feldwebel des 3. Zuges in derselben Nacht. Die Reste räumen die Furtstellung um 05:40. | Das Nordstück ging verloren; der Angriff endete um 05:17, der Vollzug der Gruppe C wurde um 06:12 gemeldet. Amtlich: „Wechselunfall bei Nebel“. | 1.082 Gefallene und Vermisste bei N7 insgesamt (23. Karsvaller und 12. Tessmarker gemeinsam gemeldet, Anteil des 23. nicht beziffert), davon 412 in der Furtstellung, in der beim Wechsel zwei Verbände standen |
| Die Chimera-Kolonne | 29.06.962, Deichstraße zur Furtgruppe N5–N8, Sternenreich der T'au | Kolonne I mit 62 Chimera und 744 Mann, davon 558 Karsvaller, fährt zur Ablösung. Sechs Hammerhai schießen aus 4.100 Metern binnen drei Minuten alle Fahrzeuge ab. Oberst Bothe fällt im ersten Wagen. | Vernichtung der Kolonne, kein Geländegewinn des Gegners; die zweite Kolonne fährt tags darauf unversehrt denselben Weg. | alle 558 Karsvaller der Kolonne gefallen oder vermisst (von den 744 Insassen überlebte nur ein Thorvalder Panzerfahrer); das Regiment verlor damit drei ganze Kompanien samt Stab |
| Der Schlachthof von Kerrmund | 15.11.962, Schlachthof Kerrmund, Sternenreich der T'au | Die 2. Kompanie hält den Hof seit dem 14.11. ausschließlich von unten, aus den Kühlkellern. Der Stab bestätigt die Haltung über die Rinnengitter als ausreichend. | Der Hof bleibt imperial, gehalten ohne offene Feuerstellung, auf Kosten eines Panzerverlustes von drei Fahrzeugen des Panzerregiments; eine eigene Zahl für die Karsvaller nennt kein Dokument. | Keine bezifferte Angabe für das 23. Karsvaller; 3 Panzer des 5. Thorvalder Panzerregiments verloren |
In allen drei Feldzügen kämpfte das 23. Karsvaller neben Verbänden, die es danach nicht wiedersah oder nur im folgenden Turnus kurz traf: das 12. Tessmarker Linienregiment bei N7, das 5. Thorvalder Panzerregiment bei der Chimera-Kolonne und in Kerrmund. Die Ablösungsordnung trennt solche Nachbarschaften mechanisch, Fenster um Fenster; aus der Nacht vom 16.03.962 bleibt dem 23. Karsvaller eine Schuld gegenüber dem 12. Tessmarker, dessen 4. Kompanie elf der 61 geborgenen Toten vom 08.04.962 stellte, während das 23. nie erfuhr, wie viele der eigenen Leute im selben Kies lagen. Eine Verschmelzung mit einem fremden Verband fand zu keinem Zeitpunkt statt: Das Regiment blieb, wie es war, bis es weniger wurde.
8. DER MAKEL
Der Makel des 23. Karsvaller trägt kein Datum des Beginns, sondern eines der Bestätigung: den 10.04.962, als 38 Mann über die Furt zurückkamen, 34 davon aus der eigenen 2. Kompanie, und sieben von ihnen denselben gedruckten Brief mit sechs Namen trugen. Das Regiment hatte seine Vermissten seit dem 16.03. als wahrscheinlich tot geführt; nun kamen sie zurück, mit Namen im Mund, die der Gegner ihnen vorgelesen hatte, und mit der Gewissheit, dass sie alle im Verhörhaus des Kommissariats endeten, einunddreißig von ihnen ohne Antreten erschossen nach Ziffer 19 Absatz 3, sieben am 25.04.962 im Hof der Ziegelei. Was dem Regiment seither anhaftet, ist nicht Misstrauen gegen den Gegner, sondern gegen die eigene Ordnung: Ein Rückläufer ist seither im 23. Karsvaller kein Geretteter, sondern ein Fall, über den man nicht spricht, solange der Betreffende noch lebt, und danach erst recht nicht. Im Alltag zeigt sich das darin, dass Appelle nach einem Gefecht mit Vermissten länger dauern als nötig, weil niemand zuerst fragen will, ob jemand „zurückkommt“. Im Gefecht zeigt es sich darin, dass Gefangennahme im Regiment als schlimmer gilt als Tod, und Männer eher ihre letzte Ladung verschießen, als sich zu ergeben. Das Regiment sagt sich, dies sei Disziplin; andere Verbände, wenn das 23. nicht dabei ist, nennen es das Regiment, das seine eigenen Leute erschießen ließ, nachdem der Gegner sie zurückgab.
Ein Fehler des Munitorum
Die Ersatzregelung der Gruppe C endete mit Fenster 14, dem 01.11.962: Danach schickte der Sektor keinen Ersatz mehr, ohne dass diese Änderung dem Regiment je eigens mitgeteilt wurde. Als die Gruppe C am 16.01.963 zur Auffüllung abfuhr, erwartete sie Zuführung nach der alten Regel von 95 vom Hundert der Vorfensterverluste; am 08.03.963 kam sie mit 516 von vormals höherer Stärke zurück, ohne einen einzigen zugeführten Mann. Die Differenz zwischen erwarteter und tatsächlicher Auffüllung blieb ungeklärt, weil das Munitorum die Streichung als internen Verwaltungsakt behandelte, nicht als Mitteilung an die Front. Die Konsequenz: Eine Kompanie des Regiments übernahm am 08.03.963 die Eisenbrücke ohne Auffüllung, mit der Stärke, mit der das Regiment zurückgekehrt war.
9. DESIGN-BIBEL
Farbidentität
Die Grundfarbe der Uniform ist ein stumpfes Grubenschwarz, gewonnen aus einem auf Karsvall verbreiteten Mineralfarbstoff, billig und lichtundurchlässig im ewigen Dunkel der Schächte. Im Feld wird darüber häufig, entgegen der Vorschrift, ein Streifen hellen Deichsands auf Ärmel oder Helm angebracht, als stilles Zeichen der Furtstellung. Auf fünfzig Meter erkennbar ist das Regiment am eingenähten Förderrad-Abzeichen auf der linken Brust, dunkel auf dunkel, nur im Streiflicht sichtbar.
Farbrezepte
Uniform
| Citadel-Farbe | Typ | Zweck |
|---|---|---|
| Abaddon Black | Base | Grundton der Uniform |
| Nuln Oil | Shade | Vertiefung der Falten und Nähte |
| Dawnstone | Layer | Abgenutzte Kanten und Stoffhöhen |
| Administratum Grey | Edge | Letzte Lichtkante an Gurten und Taschen |
Akzent
| Citadel-Farbe | Typ | Zweck |
|---|---|---|
| Zandri Dust | Base | Deichsand-Streifen an Helm und Ärmel |
| Seraphim Sepia | Shade | Verschmutzung des Sandtons |
| Ushabti Bone | Layer | Aufhellung der Sandstreifen |
| Screaming Skull | Edge | Feinste Lichtkante auf dem Streifen |
Metall
| Citadel-Farbe | Typ | Zweck |
|---|---|---|
| Leadbelcher | Base | Waffenmetall und Koppelschloss |
| Nuln Oil | Shade | Verschmutzung und Rost |
| Ironbreaker | Layer | Abgenutzte Griffflächen |
| Runefang Steel | Edge | Klingenkante des Grabenmessers |
Regimentsfarben
| Element | Hex | Nächste Citadel-Farbe |
|---|---|---|
| Uniform Grundton | #1C1C1E | Abaddon Black |
| Deichsand-Streifen | #B8A06A | Zandri Dust |
| Förderrad-Abzeichen | #8A7752 | Zandri Dust (schattiert) |
| Metallbeschlag | #6B6B6B | Leadbelcher |
| Standartengrund | #15130F | Abaddon Black (gealtert) |
Abzeichen
Das Regimentsabzeichen, ein stilisiertes Förderrad über zwei gekreuzten Spitzhacken, sitzt auf der linken Brust und wiederholt sich klein auf dem Stahlhelm über der rechten Schläfe. Dienstgrade werden als schmale Metallstreifen am linken Oberarm geführt, von einem Streifen für den Vormann bis vier für den Steiger. Das Regiment führt keine eigenen Fahrzeuge; vorhandene Kennzeichnung beschränkt sich auf die Zuteilungsnummer des jeweiligen Abschnitts, mit Kreide auf Munitionskisten geschrieben.
Waffen und Ausrüstung
Der Soldat trägt das Lasergewehr mit vier Ladungseinheiten, dazu Flakrüstung über gepolsterter Feldbluse. Sonderwaffen der Kompanie sind Flammenwerfer und, selten, ein Melter je Zug. Stets verschmutzt oder improvisiert: die Rebreather-Filter, notdürftig mit Stoffresten abgedichtet, die Grabenbretter unter den Stiefeln, oft geborgen aus zerschossenen Kisten, und der Spaten, dessen Stiel bei fast jedem Mann einmal gebrochen und mit Draht geflickt wurde.
Weitere Ansichten
Von hinten zeigt der Soldat den zusammengerollten Mantel über dem Tornister und den Deichsand-Streifen, der auch am Rücken des Helms sichtbar bleibt. Eine Nahaufnahme sollte das Förderrad-Abzeichen zeigen, wie es sich kaum vom schwarzen Stoff abhebt. Die Standarte verdient eine eigene Ansicht: das verwitterte Tuch mit dem eingenähten Sandstreifen von der Furtstellung, am Schaft mit Draht befestigt.
10. EINE SZENE
Mertel zählte die Schritte vom Gleis zur Eisenbrücke, wie er alles zählte, und kam auf sechshundert, was mit dem Blatt übereinstimmte, das er selbst einmal geprüft hatte. Der Hauptmann ging neben ihm, ohne etwas zu sagen, und die Kompanie dahinter machte Geräusche, die Mertel nicht einordnen konnte: zu wenige Stiefel für eine Kompanie, zu viel Metall, das aneinanderschlug, als trügen weniger Männer mehr Ausrüstung, als ihnen zustand.
Am Südkopf stand niemand.
Das war das Erste, was ihm auffiel, bevor er die Zahl kannte. Eine Brücke wird übergeben, das stand in keiner Ziffer, aber es stand in jeder Gewohnheit: Ein Verband tritt an, ein anderer löst ab, es gibt eine Meldung, einen Handschlag, einen Blick auf die Uhr. Hier war nur der Wind, der über das Gleisbett strich, und ein Postenstand aus Sandsäcken, leer, mit einem Helm obenauf, der niemandem mehr gehörte.
Der Hauptmann blieb stehen. Er sah auf das Blatt, das er unter dem Mantel trug, das gleiche Blatt, das Mertel kannte, weil er selbst die Ordnung verfasst hatte, Ziffer für Ziffer, auf dem Transporter, in sechsunddreißig Tagen. Stellung bezogen. Das war die Formel. Sie war für einen Moment gemacht, in dem zwei Verbände nebeneinander standen, nicht für einen, in dem nur einer übrig war.
„Wie viele waren es?“, fragte der Hauptmann, ohne sich an Mertel zu wenden, nur in die Luft, als könne die Brücke selbst antworten.
„Das Zweiundfünfzigste“, sagte Mertel. „Vierhundertzwölf, mit Stand vom sechsten.“
„Und jetzt?“
Mertel sah auf die Sandsäcke, auf den Helm, auf die Brücke, die in den Nebel hinauslief, der vom Fluss kam, und die nicht leer war. Er hatte Zahlen für alles, aber für das hier keine Formel, die er nicht selbst hätte schreiben müssen.
„Null“, sagte er.
Der Hauptmann nickte, als sei das eine Antwort wie jede andere, nahm den Stift, den er an einer Schnur am Knopf trug, und schrieb auf das Übernahmeprotokoll, das Mertel ihm hinhielt: Stellung übernommen. Er hielt den Stift einen Moment über dem Papier, bevor er ihn wegsteckte, und in diesem Moment verstand Mertel, dass der Hauptmann dasselbe sah wie er: zwei Worte, die nicht reichten.
Mertel nahm das Protokoll zurück. Er strich die zwei Worte nicht durch, man strich eine Eintragung nicht durch, das hatte er in sechsunddreißig Tagen Entwurfsarbeit gelernt. Er schrieb darunter, in einer eigenen Zeile, mit seinem eigenen Stift, den er aus der Tasche zog, weil der des Hauptmanns schon wieder verschwunden war:
Stellung von den Gefallenen übernommen.
Hinter ihm hörte er Schritte, leicht, absichtlich leise, und wusste, ohne sich umzudrehen, dass es die Kommissarin war, die als Wechselaufsicht mit dem Zug gekommen war. Sie las die Zeile, die er geschrieben hatte, über seine Schulter, lange genug, dass er die Kälte ihres Atems im Nacken spürte. Dann zeichnete sie gegen, mit einem Stift, der nicht ihrer war, und schrieb ihren Namen und „Wechselaufsicht nach Ziffer 63“ dazu.
Sie sagte nichts und blendete die Lampe wieder ab, und die Kompanie stieg über die ersten Säcke und begann, sich an den zweiten einzurichten, als sei dort schon immer jemand gewesen.
HINWEIS: Dieses Regiments-Dossier wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt.
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